In Memoriam – Barbara Prammer

 

Barbara_PrammerDie Schwachen kämpfen nicht.

Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde.

Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre.

Die Stärksten kämpfen ihr Leben lang.

Diese sind unentbehrlich.

Bertolt Brecht

 

 

Es scheint, als ob Bert Brecht unsere Freundin und Genossin Barbara Prammer, die ihr Leben lang kämpfte und für uns Freiheitskämpferinnen und Freiheitskämpfer unentbehrlich ist, gekannt hätte.

Was Barbara Prammer für unsere Anliegen in die Wege leitete und umsetzte, kann nicht genug gewürdigt werden. Wir erinnern nur an die Gedenksitzungen zum „Tag gegen Gewalt und Rassismus“ anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen im Reichratssitzungssaal des Parlaments und dass sie bei den Befreiungsfeiern in Mauthausen immer zu uns zur Bernaschek-Gedenktafel kam und mit uns gemeinsam Richard Bernascheks und seiner vielen ermordeten Genossen gedachte.

Noch nie haben wir nach Rosa Jochmann eine Politikerin kennengelernt, die so viel für KZ-Überlebende getan hat und ihnen so wertschätzend und vor allem immer hilfsbereit begegnet ist.

Zwei Beispiele nur:

Professor Rudolf Gelbard. Überlebender des Konzentrationslager Theresienstadt. Wir erinnern uns noch gut an die Rede von Barbara Prammer bei der Preisverleihung des „Rudolf Gelbard-Preises für Aufklärung gegen Faschismus und Antisemitismus“ vor sechs Jahren im Palais Epstein. Und vor allem wie einfühlend Barbara Prammer bei vielen Gedenken auf Rudi Gelbard und auf sein Engagement gegen das Vergessen (zum Beispiel mit den Worten „Ich glaube, dass es notwendig ist, immer wieder den Blick zu schärfen auf das, was wir zu sehen haben. Ich denke, Rudi Gelbard ist mir nicht böse, wenn ich ihn namentlich erwähne“) eingeht.

Oder Käthe Sasso. Überlebende des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück und des Landesgericht I, wo viele ihrer Kameradinnen geköpft wurden. Was Barbara für Käthe gemacht hat, kann nicht genug gewürdigt werden. Am 4. November 2013 lud Barbara Prammer zur Uraufführung des der Widerstandskämpferin Käthe Sasso gewidmeten Dokumentarfilms „Erschlagt mich, ich verrate nichts!“ in den Nationalratssitzungssaal ein und würdigte die heute 88-jährige Zeitzeugin in bewegenden Worten: „Die Lebensleistung von Käthe Sasso besteht darin, dass sie durch ihr dauerhaftes Engagement ein Vorbild für die Nachkriegsgeneration ist. Sie lebt uns vor, wie Zivilcourage und Widerstand gegen die Anfänge jeder Form von Diktatur und Menschenverachtung notwendig sind, um eine Gesellschaft aufzubauen, die auf unseren gemeinsamen Werten Demokratie, Menschenrechte und Freiheit beruht.“

Barbara Prammer war vor allem eine zutiefst solidarische Genossin, die den wohl höchsten sozialdemokratischen Wert, die Solidarität, nicht nur am 1. Mai oder 12. Februar den Genossinnen und Genossen ans Herz legte. Sie lebte ihn jeden Tag vor.

Barbara Prammer war jahrzehntelanges Mitglied unseres Bundes und wurde von uns mit unserer höchsten Auszeichnung, der Otto-Bauer-Plakette, geehrt.

Für unseren Bund war sie mit ihrem Auftreten gegen Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus und Ausgrenzung der sicher wichtigste Anker. Leider werden wir unsere Freundin in Zukunft, zum Beispiel bei Angriffen auf die Demokratie, nur noch zitieren können. Aber auch das wird uns schon eine sehr große Hilfe sein.

Liebe Barbara, wir müssen bald Abschied nehmen von Dir. Wir werden an Dich denken, manches Mal von Dir träumen und Du wirst weiterhin zu unserem Leben gehören.

Wir werden Dich sehr vermissen, aber nie vergessen!