Do, 17.4.2014, 18.00 Uhr, SPÖ Hernals, 1170 Wien, Kalvarienberggasse 28a, 2. Stk., Sitzungszimmer 2
Im Nationalratswahlkampf 1945 erinnerte die SPÖ die ÖVP an den Austrofa-schismus ihrer Vorgängerin, der Christlichsozialen Partei. Diese konterte, indem sie auf die Vaterländische Front als einzige pro-österreichische Kraft verwies. Die Auseinandersetzung darüber beschränkte sich aber zunächst auf Wahlkämpfe und Jahrestage. In breiterem Umfang wurde diese Thematik in den 1960erjahren auch medial abgehandelt. Erst durch die SPÖ-Allein¬regierung erfolgte 1972 die Einrichtung einer politisch beschickten Kommission zur Erforschung der Jahre 1927 bis 1938. Nichtsdestoweniger wird seitens der ÖVP bis heute die verharmlosende Bezeichnung „Ständestaat“ für das austrofaschistische Regime verwendet.
Im Jahr 2012 beschloss der Nationalrat einstimmig das Aufhebungs- und Rehabi-litierungs¬gesetz. Es umfasst jenen Personenkreis, der zwischen dem 6. März 1933 und dem 12. März 1938 strafgerichtlich verurteilt oder verwaltungsbehördlich angehalten worden ist, weil sie/er sich für den Erhalt eines unabhängigen und demokratischen Österreichs eingesetzt hat. Wiewohl zweifellos ein großer Fortschritt, verrät das Zustandekommen dieses Gesetzes manches über Bedeutung und Schwierigkeiten des Umgangs mit der Ära 1933 bis 1938. Ausgehend von der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Austrofaschismus zieht der Vortrag ein Resümee über den Stand der gesellschaftlichen Aufarbeitung. Die zentrale Hypothese lautet dabei: Das Problem der Bewertung der Diktatur Dollfuß/Schuschnigg liegt weniger in der Vergangenheit als in der Gegenwart begründet.
Mag. Florian Wenninger, Jahrgang 1978, hat Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Geschichte studiert. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und koordiniert gegenwärtig ein For-schungsprojekt zur austrofaschistischen Repressionspolitik. Zuletzt erschienen: Florian Wenninger/Lucile Dreidemy (Hg.) 2013: Das Dollfuß/Schuschnigg-Regime 1933-1938. Vermessung eines Forschungsfeldes, Böhlau Verlag, Wien-Graz-Köln.
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