LANDESVERBAND WIEN

 

Liesing: Gedenkstein erneuert

Liesinger Freiheitskämpfer beim Gedenkstein
Foto: Freiheitskämpfer Liesing
Im Oktober 2004 haben die Liesinger Freiheitskämpfer eine Tafel am Gedenkstein für die am 15. Juli 1934 erschossenen Liesinger Sozialisten Johann Fröhlich und Richard Lehmann enthüllt. Die beiden hatten damals an einer illegalen - alle sozialdemokratischen Organisationen waren ja nach dem Februar 1934 verboten - Gedenkkundgebung auf der Predigtstuhlwiese teilgenommen.
Genossin Rosa Jochmann hatte eben mit ihrer Rede für die Opfer der Ereignisse 1927 beim Justizpalastbrand begonnen, als Gemeindewachmänner aus dem Wald stürzten und unsere Genossen erschossen.
In der letzten Zeit wurde diese Tafel immer wieder beschmutzt. Für uns ist dies ein Zeichen, dass es noch immer Menschen gibt, die dieser Zeit des Faschismus nachtrauern. Wir können dem nur unser "Niemals Vergessen" entgegensetzen.
Die Freiheitskämpfer Liesing haben die Gedenktafel am 17. März wieder montiert - eine Kundgebung für Frieden, Demokratie und Freiheit.

Eduard Giffinger

 


 

Erinnerung an Peter Strasser

Peter Strasser wäre am 3. Juli 90 Jahre geworden. Er kam aus einem politischen Elternhaus. Sein Vater war Redakteur eines sozialistischen Blattes und seine Mutter, obwohl aus preußischem Kleinadel kommend, war eine überzeugte Linke.
1929 schloss sich Peter Strasser der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und wenig später den Sozialistischen Mittelschülern an. Nach dem austrofaschistischen Putsch 1934 ging er, wie viele jüngere Aktivisten, in die Illegalität und wurde ein führender Funktionär der Revolutionären Sozialistischen Jugend, die damals gemeinsam mit den illegal agierenden Revolutionären Sozialisten arbeitete. In dieser Zeit lernte er auch Josef Hindels kennen, der in der gewerkschaftlichen Jugendarbeit wirkte.
Während des Kriegs war Peter Strasser mit seiner Frau Jenny in Frankreich und hatte dort Verbindung mit der Résistance. 1945 war Peter Strasser schon in Wien und konnte bereits an den ersten Sitzungen der wiedererstandenen Partei im April dabei sein. Es wurde ihm die Aufgabe übertragen, die Sozialistische Jugend als einen Teil der SPÖ wieder aufzubauen. Das war in der Zeit, in der die Kommunisten versuchten, unter ihrer Führung eine Einheitsjugend als "Freie Österreichische Jugend" zu etablieren, sehr wichtig. Seiner jugendbewegten Arbeit und seinen vielen Kontakten ist es zu verdanken, dass sehr bald in ganz Österreich sozialistische Jugendgruppen und Landesorganisationen entstanden. Besonders stark war die SJ in Wien, sodass bei einem ersten österreichischen Jugendtag im September 1945 die Sozialistische Jugend als größte Gruppe auf dem Rathausplatz einzog. Peter Strasser fand in Josef Staribacher, Hubert Pfoch, Paul Blau, Josef Hindels, Lina Scholz und seiner Frau Jenny aktive Mitkämpfer und Mitkämpferinnen, die nun auf den verschiedensten Gebieten die Jugendarbeit stärkten und sie innerhalb der Partei vertraten.
Peter Strasser wurde 1948 zum Vorsitzenden der Internationalen Union der Sozialistischen Jugend gewählt und 1949 zog er auch in den Nationalrat ein. 1954 legte er seine Funktion als SJ-Obmann nieder. Sein Nachfolger wurde Heinz Nittel, der Anfang der achtziger Jahre bei einem Terroranschlag erschossen wurde.
Nach seiner Zeit als Jugendfunktionär übernahm Peter Strasser die Funktion eines Bezirksvorsitzenden in Wien-Alsergrund und übte diese Funktion bis zu seinem Tod im Jahr 1962 aus. Er erlag einem lang dauernden Krebsleiden. 15.000 Menschen begleiteten ihn auf seinem letzten Weg. Die jungen Sozialisten von damals haben Peter Strasser noch immer als einen ihrer Lehrer und Vorbilder in Erinnerung. Für die SPÖ, die gerade am Anfang der sechziger Jahre in einer tiefen Krise war, ist eine große Hoffnung viel zu früh verloren gegangen.
Vertreter der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer, der SPÖ Alsergrund, der Sozialistischen Jugend und ehemalige Jugendfunktionäre legten einen Kranz bei der Gedenktafel im Peter-Strasser-Hof, in Wien 3, nieder.

Ernst Nedwed

 


 

15. Josef-Hindels-Symposium

Das diesjährige Josef-Hindels- Symposium stand im Zeichen des Themas "Vorschläge für eine gerechtere Welt". Ernst Nedwed, der im Jahre 1993 angeregt hatte, in Erinnerung an den verstorbenen Publizisten, Bildungs- und Gewerkschaftsfunktionär jährlich eine wissenschaftliche Tagung mit Themen der Geschichte und der Gegenwart abzuhalten, eröffnete das Symposium und begrüßte zunächst den vor kurzem auf dem Gewerkschaftskongress gewählten Präsidenten des ÖGB, Rudolf Hundstorfer.

Auf die selbstkritischen und informativen Ausführungen von Rudolf Hundstorfer folgte eine interessante Diskussion, die zeigte, dass es eine große Hoffnung gibt, dass es einen erfolgreichen Neustart des ÖGB gibt. Ernst Nedwed hob bei der Eröffnung auch die gute Zusammenarbeit zwischen den Wiener Bildungsfunktionären und den Freiheitskämpfern hervor und dankte dem nunmehr in die Wiener Landesregierung gewählten, langjährigen Sekretär des Wiener Bildungsausschusses, Michael Ludwig, für die kooperative Arbeit auf dem Gebiete der politischen Aufklärung.

Am zweiten Tag des Symposiums wurde das Buch von Christian Felber "50 Vorschläge für eine gerechte Welt. Gegen Konzernmacht und Kapitalismus" diskutiert. Nach einem Referat des Verfassers wurde das Thema von einem engagierten Kreis, bestehend aus der Abgeordneten Penny Bayr, Entwicklungssprecherin der SPÖ, dem Bundesvorsitzenden Alfred Ströer und dem neuen Wiener Bildungssekretär, Marcus Schober, mit den Tagungsteilnehmern erörtert.

 


 

Märzgedenken in der Britgittenau

Es ist schon eine lange Tradition der Brigittenauer Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer, die Erinnerungen an den verzweifelten Kampf zur Rettung unserer Demokratie im Februar 1934 und an die zahlreichen Opfer der nazistischen Gewaltherrschaft nach dem sogenannten "Anschluss" im März 1938 wachzuhalten.

Auch dieses Jahr trafen wir einander wieder am 10. März 2007 vor dem am 28. April 1946 enthüllten Mahnmal in der Wexstraße für die sechs Brigittenauer Straßenbahner und Widerstandskämpfer Josef Friedl, Josef Krcmarik, Ludwig Kupsky, Johann Plocek, Leopold Slaby und Friedrich Stix, die mit weiteren 13 Männern und Frauen, unter ihnen auch die Ordensfrau Schwester Restituta (Helene Kafka) aus dem 20. Bezirk, am 30. März 1943 im Hinrichtungsraum des Landesgerichts Wien binnen 44 Minuten ihr Leben verloren. Zahlreiche Mitglieder und Funktionäre der SPÖ Brigittenau, selbstverständlich auch unser Bezirksvorsteher Karl Lacina, hörten den engagierten Gedenkworten der jungen Brigittenauer Gemeinderätin Mag. Tanja Wehsely zu, die das Thema "Kindheit und Jugend in der Nazizeit" wählte.

Aufgewachsen mit ihrer Schwester in einem bewusst antifaschistischen Elternhaus, zeigte Genossin Tanja Wehsely zunächst die NS-Erniedrigungsideologie mit der Zielsetzung einer absoluten Unterordnung sowie stupiden Gehorsamleistung der Kinder und Jugendlichen auf, die bei "Vergehen" gegen diese Zwangsordnung mit ihrer Aussonderung zu rechnen hatten. Sie prangerte das Ausgeliefertsein dieser jungen Menschen durch eine rigorose Nazipropaganda und den sofortigen Umbau des Schulsystems in eine den faschistischen Vorstellungen der Nazis willfährige Einrichtung an, die auch davor nicht zurückschreckte, Jugendliche für Spitzeldienste zu missbrauchen. Gleichheit, Geschwisterlichkeit, Freiheit und Solidarität waren von 1938 bis 1945 aus dem kollektiven Gedächtnis verbannt, für eine Demokratie sind sie Allgemeingut, stellte Wehsely abschließend fest und mahnte, den Anfängen zu wehren!

Bei der darauffolgenden Kundgebung beim "Freiheitsturm"" las unsere Genossin Greta Draskovits Gedichte des Sozialistischen Freiheitskämpfers Josef Schneeweiss. Das Märzgedenken 2007 der Bezirksgruppe Brigittenau schloss mit einer Kranzniederlegung bei der Gedenktafel im Otto-Haas-Hof.

Herbert Exenberger

 


 

Simmerings Spanienkämpfer

Dieses Flugblatt verteilten 1936 die illegalen "Roten Falken" in Österreich
Foto: VGA
Eine im November eröffnete Sonderausstellung "Lebenswege. Die Simmeringer Spanienkämpfer" gab Auskunft über die 34 Männer aus dem Bezirk, die der Spanischen Republik zu Hilfe eilten. Einige mussten nach den Februarkämpfen 1934 als Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes aus Österreich flüchten, andere kamen, nachdem sie nach der Zerschlagung der Sozialdemokratie und der Freien Gewerkschaften durch die Regierung Engelbert Dollfuß von der Justiz des autoritären "Ständestaates" zu längeren Haftstrafen verurteilt worden waren.

Der älteste Kämpfer war der Arbeiter des Simmeringer Gaswerks Michael Skrinar (geboren am 16.7.1894), als jüngster Simmeringer Freiwilliger kämpfte der Tischlergehilfe Robert Zwerina (geboren am 3.7.1914). Acht von ihnen sind in diesem Kampf gefallen, gelten als vermisst oder sind wie der Schneidergehilfe Franz Limbeck durch die Torpedierung seines Schiffes vor der spanischen Küste ertrunken.

Nach der Niederlage der Spanischen Republik gerieten mehrere Simmeringer Spanienkämpfer während ihrer Anhaltung in französischen Lagern in die Fänge der Gestapo.

Neun von ihnen verbrachten lange Jahre als Häftlinge im KZ Dachau, drei wurden von Dachau in das KZ Buchenwald überstellt und drei mussten ihre Leidensjahre in mehreren nationalsozialistischen Konzentrationslagern (Dachau, Lublin-Majdanek, Auschwitz, Mauthausen und Nebenlager) erdulden, ehe für sie 1945 die Stunde der Befreiung schlug. Vier Simmeringer Spanienkämpfer erlebten ihre Befreiung nicht. Sie sind in den Konzentrationslagern Groß-Rosen und Dachau zugrunde gegangen. Zwei, die Brüder Johann und Leopold Dittrich vom Anton-Schrammel-Hof in der Kopalgasse, sind im Kampf als Aufklärer der Roten Armee ums Leben gekommen.

Nicht unerwähnt bleibe jedoch auch die Problematik von kommunistischen Kaderbeschreibungen, wie wir sie etwa am Beispiel von Theodor Malcher aus Simmering sehen. Im schroffen Gegensatz zur positiven Beurteilung in Spanien 1938 verdächtigte der deutsche kommunistische Spanienkämpfer Gustav Szinda in seiner Beurteilung für die Kaderabteilungen der Komintern in Moskau 1940 Theodor Malcher als Gestapoagenten. Theodor Malcher befand sich im KZ Groß-Rosen und starb dort am 16. Oktober 1942.

Trotz der austrofaschistischen Diktatur kam auch in Österreich die Solidarität mit der kämpfenden Spanischen Republik in Aktionen und Geldsammlungen zum Ausdruck. So gestalteten Mitglieder der Revolutionären Sozialistischen Jugend am Jahrestag des Franco-Putsches Solidaritätskundgebungen im großen Ausmaß. Darüber berichtete die illegal nach Österreich gebrachte "Arbeiter-Zeitung" unter anderem: "An einzelnen dunklen Plätzen wurden rote Feuer entzündet und in den Straßen tausende Streuzettel mit drei Pfeilen verteilt."

Die Aktionen fanden lebhaften Widerhall, am eindrucksvollsten in der Lobau und im Inundationsgebiet. Der Ständestaat ging mit Verwaltungsstrafen und sogar mit Entlassungen von Straßenbahnern gegen die "Täter" vor.

Auch in Simmering finden sich Spuren zu dieser Solidaritätsbereitschaft. Im ehemaligen Gasthaus "Zur Republik" in der Lorystraße 40 arbeitete der Kellner Josef Hos (geb. 1899). Nach dem Februar 1934 ein aktiver Mitarbeiter des "Autonomen Schutzbundes", hatte er zur Tarnung für seine illegale Tätigkeit einen "Verein der Schwammerlsucher" gegründet. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Schuschnigg-Polizei in einer zusammengefalteten Landkarte 10 Stück Kampffondsmarken für Spanien. Hos wurde vorübergehend festgenommen. 1938 fiel er in die Hände der Gestapo. Er ging nach Jahren der Haft am 10. Juli 1942 im Gefangenenlager Elberegulierung zugrunde.

In der Simmeringer Waggonfabrik kam es im Spätfrühling 1938 zu einer Sammlung von Geldspenden für die Spanienkämpfer. Am 24. Februar 1939 wurde der Initiator dieser Sammlung, der Anstreichergehilfe Franz Mirtl, verhaftet.

Er wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, kam 1942 in eine Strafkompanie der deutschen Wehrmacht nach Afrika und kehrte nach drei Jahren in amerikanischer Gefangenschaft im August 1946 wieder nach Simmering zurück.

Herbert Exenberger
(Auszug aus der Rede zur Eröffnung der Ausstellung)

 


 

Hans Mayr bleibt unvergessen

Hans Mayr Vizebürgermeister und Wiener SPÖ-Vorsitzender Hans Mayr
Foto: Haidner
Hans Mayr, ein Politiker, der aus der Geschichte der Zweiten Republik nicht wegzudenken ist, ist am 25. Oktober, nach längerem Leiden, verstorben. Damit verliert die Sozialdemokratie einen bedeutenden Spitzenpolitiker, der besonders in der österreichischen Wirtschaftspolitik während dreier Jahrzehnte eine wichtige Rolle gespielt hat. Sein Lebenslauf, verkürzt dargestellt, beginnt 1945, als er als Siebzehnjähriger in die Sozialistische Jugend eingetreten ist. Ab 1949 wirkte er in der SPÖ Fünfhaus als Sektionsleiter und von 1971 an als Bezirksvorsitzender. 1963 wurde er in den Gemeinderat gewählt. Von 1971 bis 1973 war Hans Mayr Abgeordneter zum Nationalrat.

Leopold Gratz holte nach seiner Wahl zum Bürgermeister Hans Mayr in den Stadtsenat. Dort arbeitete er im Interesse Wiens in der Finanz- und Wirtschaftspolitik bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1994.

Als einer, der seinen politischen Weg von Anfang an miterlebt und zum Teil auch begleitet hat - wir trafen uns beim ersten "Ersten Mai" im Jahre 1945, der damals nach der Befreiung in den Bezirken begangen wurde, und später in den Bereichen der Sozialistischen Jugend und auch in der Partei und im Gemeinderat waren wir gemeinsam tätig - kann ich sagen: Hans Mayr war ein grundsatztreuer Sozialist, der demokratische Auseinandersetzungen um die Meinungsbildung innerhalb und außerhalb der Partei nicht scheute. Er kämpfte für seine Auffassungen und war auch bereit, vernünftige Kompromisse zu schließen. Hans Mayr war aber auch ein engagierter Antifaschist von allem Anfang an. Er unterstützte die Aktivitäten des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer in allen seinen Funktionen und wir können heute sagen, dass wir auch einen treuen Genossen aus unseren Reihen verloren haben. Wir werden ihn nicht vergessen.

Ernst Nedwed

 


 

Otto-Bauer-Plakette für Leopold Grausam

Bei der Jahresabschlussveranstaltung des Landesverbandes Wien wurde der ehemalige Leiter der Steinmetzwerkstätte der Stadt Wien und Bildhauer Leopold Grausam mit der Otto-Bauer-Plakette ausgezeichnet.

Der Landesvorsitzende Ernst Nedwed würdigte das Lebenswerk von Leopold Grausam, der Jahrzehnte hindurch in Zusammenarbeit mit Rosa Jochmann, Josef Hindels und Herbert Exenberger eine Reihe von Mahnmalen und Erinnerungszeichen im Gedenken an den Kampf gegen den Austro- und Nazifaschismus sowie an die Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten geschaffen hat.

Zu erwähnen sind dabei besonders das Denkmal auf dem Morzinplatz, das für die Februar- und Spanienkämpfer auf dem Zentralfriedhof sowie die Gedenkstätte für die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund und für die im Wiener Landesgericht und auf dem Schießplatz Kagran ermordeten Frauen und Männer des Widerstandes (in der Gruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofs). Eine große Zahl von Gedenktafeln entstand in den Wiener Bezirken und auch zwei Grabdenkmäler seien besonders hervorgehoben, jenes für Rosa Jochmann und jenes für Josef Hindels.

Alfred Ströer stellte bei der Übergabe der Otto-Bauer-Plakette fest, dass der Bundesvorstand der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer beschlossen hat, Leopold Grausam zu ehren.

Der Ausgezeichnete sagte in seiner Dankesrede, dass er sich stets mit den Sozialdemokratischen Freiheitskämpfern eng verbunden gefühlt hatte, was schon aus seiner Familiengeschichte zu verstehen ist. Sein Vater war Februarkämpfer und hatte in der Zeit nach 1934 auch unter der Verfolgung durch das austrofaschistische Regime zu leiden.

 


 

Manfred Ackermann zum Gedenken

Am 17. Juni gedachte die Bezirksgruppe Favoriten der Freiheitskämpfer Professor Manfred Ackermanns anlässlich seines 15. Todestages. Manfred Ackermann wurde am 1. November 1898 in Nikolsburg geboren. 1899 zog die Familie nach Wien, in die Brigittenau. Er wurde Handelsangestellter und lernte Max Kreisky, den Vater Bruno Kreiskys, kennen, der ihn mit der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Kontakt brachte. Zunächst widmete sich Ackermann vor allem der Jugendarbeit. Nach dem 12. Februar 1934 gehörte er dann dem "Fünferkomitee" an, das am 9. März im Café Siller in Mariahilf auf Vorschlag Ackermanns die "Revolutionären Sozialisten" (RS) gründete. Ackermann wurde zum Vorsitzenden des Zentralkomitees gewählt, aber schon wenige Wochen danach verhaftet und ins Anhaltelager Wöllersdorf gebracht. Nach dem Einmarsch Hitlers floh er nach Italien, dann nach Portugal und erhielt schließlich mit seiner Familie ein Visum für die USA. 1964 nach Österreich zurückgekehrt, wohnte er mit seiner Gattin Paula in Favoriten und begann mit seiner politischen Arbeit in vielen Bildungsfunktionen. Als Ehrenvorsitzender der Freiheitskämpfer regte er die Bildung eines Jugendkontaktkomitees an. Seine Reden waren rhetorische Meisterwerke und er äußerte, bei aller Liebe zur Bewegung, auch offen Kritik, wenn ihm an der Partei etwas missfiel. Seine Schüler und Freunde haben seiner "Erziehung zum Menschenbewusstsein" viel zu verdanken. Ackermann starb am 16. Juni 1991.

Herta Slabina

 


 

Befreiung des KZ-Außenlagers Floridsdorf vor 60 Jahren

Kafka, Kauperny, Musik2. Präsidentin des Wr. Landtages Erika Stubenvoll,
Bezirksvorsteher Heinz Lehner,
Oberkantor Shmuel Barzilai,
Vertreter der Arbeitsgemeinschaft
der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs,
des Vereins "Niemals Vergessen" und
Schüler der Berufsschule für das Gastgewerbe.
Der Verein "Niemals Vergessen" lud am 13. Mai 2005 zu einem Festakt anlässlich der Befreiung des Mauthausen-KZ Außenlagers Wien-Floridsdorf I und II vor 60 Jahren ein.
Im Juli 1944 wurden die Außenlager Wien-Floridsdorf I und II gegründet. Die Häftlinge, die unter schwierigsten Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten, kamen aus mehreren Ländern Europas. Einige von ihnen waren vorher in dem nunmehr von Bomben zerstörten Außenlager Schwechat-Heidfeld-Heinkel-Werke inhaftiert. Lagerkommandant der Außenlager Floridsdorf I und II, Hinterbrühl und Schwechat war der berüchtigte SS-Führer Anton Streitwieser, der 1938 im KZ Mauthausen erstmals zwei Häftlinge "auf der Flucht" erschossen hatte. Nach Ende des Naziregimes gelang es ihm, sich mehrmals mit falscher Identität der Verhaftung zu entziehen. Erst am 30. Oktober 1967 wurde Streitwieser vom Landgericht Köln zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt. Am 17. Juli 1972 starb er im Bochumer Gefängniskrankenhaus.
Bei der Schließung der Außenlager Floridsdorf I und II, am 1. April 1945, mussten 830 KZ-Häftlinge den Evakuierungsmarsch nach Mauthausen antreten. 687 erreichten das KZ-Mauthausen. 121 waren auf dem Marsch erschossen worden. 22 Häftlinge wurden vermisst.
Im Rahmen der Gedenkstunde erinnerten die Stellvertretende Vorsitzende des Vereins "Niemals Vergessen", Barbara Gross, Bezirksvorsteher Ing. Heinz Lehner, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Eisenbahner, Wilhelm Haberzettl, Hofrat Hans Marsalek und Dr. Konstantin Kaiser von der "Theodor-Kramer-Gesellschaft" an die ehemals in Wien-Floridsdorf inhaftierten Menschen. SchülerInnen des Musikgymnasiums Wien 7, Neustiftgasse sorgten für die musikalische Umrahmung. Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung erfolgte eine Kranzniederlegung. Es sang der Oberkantor des Wiener Stadttempels Shmuel Barzilai.

 


 

Gedenkveranstaltung vom 3. Mai 2005 anlässlich der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Mauthausen vor 60 Jahren

Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar!

Die Konfrontation mit dem Geschehenen sei zumutbar, meinte Ingeborg Bachmann.
Bei der Planung der von der Bezirksgruppe Wien Innere Stadt abgehaltenen Gedenkveranstaltung

"Mai 1945 - Befreiung des NS-Konzentrationslagers Mauthausen"

stellte sich die Frage, wann die Grenze des Zumutbaren erreicht sei. Zwangsläufig waren die Gestalter/-innen bei der Vorbereitung der vierteiligen Powerpoint-Präsentation, wie schon so oft, mit den Gräueltaten des NS-Regimes konfrontiert. Und wie so oft mussten sie zur Kenntnis nehmen, dass die Auseinandersetzung mit den Barbareien der damaligen Machthaber noch Elenderes erkennen lässt. Aber, in welchem Umfang sollte ihr Wissen weitergegeben werden? Welche Art der Präsentation würde ihrer Betroffenheit gerecht? Andererseits - wann, wenn nicht jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt gekommen, sich erneut mit dem Geschehenen auseinander zu setzen?

Alfred Stroeer begrüßt die Besucher Bundesvorsitzender Alfred Ströer
begrüßt die Besucher der Gedenkveranstaltung
Die Entscheidung fiel, sie hielten es mit Ingeborg Bachmann: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar". 60 Jahre nach Ende der NS-Herrschaft sollte nochmals die Chance wahrgenommen werden, den Berichten Betroffener und Zeitzeugen Raum zu geben, den Kämpferinnen und Kämpfern für ein freies Österreich zu danken und der Opfer der NS-Schergen zu gedenken.

Ein zynisches Regime das aufrechte Bürger der Freiheit beraubt, foltert, mordet und zur gleichen Zeit ein Gesetz zum Schutz der Tiere erlässt, in dem es genau diese Taten, sofern sie Tieren angetan werden, unter Sanktion stellt, darf es nie wieder geben. Es ist die Pflicht der Älteren, nachfolgende Generationen für das Aufkeimen bedrohlicher Entwicklungen zu sensibilisieren. "Niemals vergessen", die Parole der Kämpfer gegen das NS-Unrechtsregime soll die Losung künftiger Generationen sein.

Edith Krisch führt durch die Präsentation Bezirksvorsitzende Edith Krisch
führt durch die vierteilige Präsentation
Um die Heuchelei der NS-Schergen anschaulich vor Augen zu führen, sei das am 24. November 1933 von den Nationalsozialisten in Deutschland verabschiedete Reichstierschutzgesetz auszugsweise zitiert. Es heißt darin:
"Ein Tier quält, wer ihm länger dauernde oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden verursacht; unnötig ist das Quälen, soweit es keinem vernünftigen, berechtigten Zweck dient. Ein Tier misshandelt, wer ihm erhebliche Schmerzen verursacht; eine Misshandlung ist roh, wenn sie einer gefühllosen Gesinnung entspringt. Weiters ist verboten, ein Tier zu unnötigen Arbeitsleistungen zu verwenden, die offensichtlich seine Kräfte übersteigen, oder die ihm erhebliche Schmerzen bereiten ...."

Toni Bruha referiert zum Thema sexuelle Ausbeutung von Frauen in den KZs Ravensbrück-Überlebende Toni Bruha referiert
zum Thema sexuelle Ausbeutung von Frauen in den KZs
Bei der Auseinandersetzung mit den menschenunwürdigen Lebensbedingungen, die in den Konzentrationslagern herrschten, sowie den ans Unvorstellbare grenzenden Gräueltaten der SS, kam zwangsläufig der Gedanke auf, die damaligen Machthaber hätten die Umkehrung dieses Tierschutzgesetzes zur Grundlage ihres menschenverachtenden Handelns gemacht.

Aufgabe der am 3. Mai 2005 abgehaltene Gedenkveranstaltung, an der u. A. Hofrat Hans Marsalek, er war Lagerschreiber im KZ-Mauthausen, Bundesvorsitzender Prof. Alfred Ströer und BM a.D. Eleonore Hostasch teilnahmen, war es, in geraffter Form Einblick in die Entscheidungsgrundlagen für die Errichtung der Konzentrationslager zu geben, die dort herrschenden, grauenvollen Haftbedingungen erneut darzustellen und an die vielfach mit einfachsten Mitteln geübte Solidarität der Häftlinge, ihren unter Lebensgefahr geleisteten Widerstand zu erinnern und letztendlich über die Einnahme des Konzentrationslagers Mauthausen durch die amerikanischen Truppen zu berichten.

Hans Marsalek im Gespräch mit Andreas Baumgartner Hofrat Hans Marsalek im Gespräch mit
Univ.-Lektor Mag. Andreas Baumgartner
Wertvolle Beiträge zum Gelingen der Gedenkveranstaltung leisteten Toni Bruha, Univ.-Lektor Mag. Andreas Baumgartner, Prof. Herbert Exenberger und DI Alfred Kohlbacher. Die vier Teile der Powerpoint-Präsentation "Die Strukturen der Konzentrationslager am Beispiel Mauthausen" wurden musikalisch vom Orchester CAMERATA Wien, Dirigent Erke Duit, mit Werken von Samuel Barber, Benjamin Britten, W. A. Mozart und Franz Schubert begleitet.

Die Bank für Arbeit und Wirtschaft AG, BAWAG, und der Nationalfonds der Republik Österreich und ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützten das Zustandekommen dieser Gedenkveranstaltung.

Edith Krisch.

 


 

60 Jahre - Gedenkfeier in der Brigittenau: "Die Opfer des Faschismus nicht vergessen!"

Lacina, Exenberger, Luger, Chor AcappellaBV Karl Lacina, Prof. Herbert Exenberger,
SJ-Vors. Katharina Luger, Chor Acappella
In einer würdigen Gedenkstunde, in der Bezirksvorsteher Karl Lacina, Prof. Herbert Exenberger und Katharina Luger, Vorsitzende der SJ Brigittenau, der Opfer des Faschismus durch die Präsentation von Einzelschicksalen gedachten, wurde namens der Bezirksvertretung Brigittenau in einer besonderen Form ein Beitrag zum Gedenkjahr geleistet.

Exenberger, Musik, Luger, LacinaProf. Herbert Exenberger,
KR Erna Musik,
SJ-Vors. Katharina Luger,
BV Karl Lacina
Unter dem Titel "Widerstand und Verfolgung in der Brigittenau 1938-1945 - Ehrendes Gedenken aller Verfolgten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1938-1945" wurde nicht nur diese Gedenkstunde im Festsaal des Amtshauses vorgenommen, sondern auch eine Gedenktafel im Eingangsbereich des Hauses von Kommerzialrätin Erna Musik, Hertha Kafka, Prälat Leopold Kaupeny sowie Bezirksvorsteher Karl Lacina enthüllt.

Kafka, Kauperny, MusikHertha Kafka, Prälat Leopold Kauperny, KR Erna Musik
Die persönliche Betroffenheit über die Unmenschlichkeiten des totalitären nationalsozialistischen Regimes, welche durch diese Einzelschicksale aus allen Gesellschaftsgruppen schonungslos dokumentiert wurden, war jedem der Besucher anzumerken.

Diese Gedenkveranstaltung sowie vor allem auch die Gedenktafel sind ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung unserer Geschichte mit der Quintessenz: "Nie wieder Faschismus".

 


 

21. April 2005

Denkmal in der Gruppe 40

Alfred Stroeer Bundesvorsitzender Prof. Alfred Ströer
Foto: Freiheitskämpfer
Am Donnerstag, dem 21. April 2005, wurde in der Gruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofes ein Denkmal für die Opfer einer unmenschlichen NS-Justiz vom Bürgermeister der Stadt Wien, Dr. Michael Häupl, enthüllt. Die Stadt Wien hat sich über Initiative der Arbeitsgemeinschaft der Opferverbände entschlossen, ein solches Denkmal zu errichten, obwohl das Areal der Gruppe 40 in diesem Teil vom Innenministerium betreut und verwaltet wird.

Michael HäuplBürgermeister Dr. Michael Häupl enthüllt das Denkmal in der Gruppe 40
Foto: Freiheitskämpfer
Vor der Rede des Bürgermeisters und der Denkmalenthüllung sprachen die Vertreter der drei Opferverbände Prof. Alfred Ströer, Oskar Wiesflecker und KR Dr. Gerhard Kastelic.

Die Veranstaltung wurde musikalisch von der Bläsergruppe der Camerata Wien unter der Leitung von Erke Duit begleitet. Ein ausführlicher Bericht wird in der Ausgabe 4-5-6/2005 der Mitgliederzeitschrift "Der Sozialdemokratische Kämpfer" erscheinen.

 


 

Gedenken im Wiener Landtag

Am 6. April 2005 erinnerte der Wiener Landtag in einer Festsitzung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und an die Befreiung der Bundeshauptstadt vor 60 Jahren durch die Truppen der Sowjetunion.

In seiner Begrüßungsrede stellte der 1. Landtagspräsident Johann Hatzl unter anderem fest: "Es gibt aber noch eine ganze Menge offener Bereiche, wo wir es entweder nicht wahrhaben wollen, dies aufzuarbeiten, oder noch nicht mutig genug sind. Das ist schlecht. Dies sollten wir ändern. Zur wahren Geschichte gehört auch die Kraft zur Ehrlichkeit, an der werden wir gemessen … Faschismus zu verhindern, heißt korrekter Umgang mit der Geschichte und den Tatsachen." Anschließend legte Johann Hatzl in der heutigen Weihestätte des Landesgerichts, im ehemaligen Hinrichtungsraum der NS-Zeit, einen Kranz nieder.

 


 

Ausstellungen in Wiens Bezirken

Das 60-Jahre-Gedenken veranlasste auch viele Wiener Bezirke zu speziellen Aktivitäten. Etwa mit der Veranstaltung "Impressionen zum Gedenkjahr 2005" in Meidling oder den Ausstellungen der Bezirksmuseen: "Favoriten 1945", "Wiedner Betrachtungen zum Gedenkjahr 2005", "Erinnerungen 1938 bis 1945" im Bezirk Liesing, "Ende einer schrecklichen Zeit" in Währing oder "1945-2005" in Döbling, "Das Jahr 1945 in Simmering" oder "Erinnerung an Rudolfsheim 1945". Eine bemerkenswerte Kooperation ging das Bezirksmuseum Alsergrund ein, das gemeinsam mit der Pädagogischen Akademie und mit SchülerInnen eine Ausstellung "Durch die Dunkelheit und zurück" im Tiefbunker des Arne-Karlsson-Parks gestaltete. Im Nestroyhof in der Leopoldstadt wurde die vom Moreshet Institut gestaltete Ausstellung "Women in the Holocaust - Frauen im Widerstand" gezeigt.