{"id":932,"date":"2014-07-02T17:47:52","date_gmt":"2014-07-02T15:47:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freiheitskaempfer.at\/?p=932"},"modified":"2014-07-02T17:47:52","modified_gmt":"2014-07-02T15:47:52","slug":"die-wiener-christlichsoziale-partei-1910-1934","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiheitskaempfer.at\/?p=932","title":{"rendered":"Die Wiener Christlichsoziale Partei 1910-1934"},"content":{"rendered":"<p>Das Buch von Markus Benesch bietet einen spannenden Einblick in die Probleme und Herausforderungen und in die Zerrissenheit einer Partei zwischen bundespolitischen Notwendigkeiten und landespolitischen N\u00f6ten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Zeit von 1910 bis 1934 wurde aus der b\u00fcrgerlichen Reichshaupt- und Residenzstadt die politische Bastion der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie, das \u201eRote Wien\u201c. Und aus der alles beherrschenden B\u00fcrgermeisterpartei des Karl Lueger wurde eine kommunale Oppositionspartei, die aber weiterhin eine bedeutende Rolle spielen wollte. Einzelnen Exponenten wie Ignaz Seipel und Carl Vaugoin (langj\u00e4hriger Heeresminister) gelang das auf Bundesebene.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>War die CSP bis etwa 1907 eine Partei des Wiener Kleinb\u00fcrgertums \u201eund wenigstens im Ansatz sozialreformatorisch orientiert, ver\u00e4nderte sie sich danach zu einer konservativen Reichspartei des deutschsprachigen besitzenden katholischen Bauern- und B\u00fcrgertums. Die christliche Arbeiterschaft wurde \u00fcber viele Jahre hinweg vom Rest der CSP kritisch be\u00e4ugt.\u201c Hatte die CSP 1924 in Wien noch 59.000 Mitglieder (bei 338.000 Wiener Stimmen bei der Nationalratswahl 1923) waren es 1930 nur noch 28.000. Mit demokratischen Mitteln sollte es also nicht gelingen, die Sozialdemokratie aus dem Wiener Rathaus zu entfernen. Das zeigten die letzten freien Gemeinderatswahlen am 24. April 1932 eindrucksvoll (SDAP 66 Mandate, CSP 19, NSDAP 15). Der Antisemitismus der CSP trieb die b\u00fcrgerlichen Teile des Wiener Judentums, die vom Klassenstandpunkt keine N\u00e4he zur Sozialdemokratie hatten, in die Arme der SDAP.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Res\u00fcmee des Buches l\u00e4sst Parallelen zur Gegenwart erkennen: \u201eMit der Wiener SDAP hatte die CSP einen \u00fcberm\u00e4chtigen Gegner, der durch seine Wohnbaut\u00e4tigkeit, den Ausbau des sozialen Netzes und seine Bildungsarbeit Wien nachhaltig ver\u00e4nderte und Mitglieder und W\u00e4hlerInnen gewann. Ausgeschlossen von der Mitgestaltung, bel\u00e4chelt und ignoriert von Teilen der eigenen Bundespartei, nostalgisch in Bezug auf Erinnerungen auf l\u00e4ngst vergangene glorreiche (monarchistische) Zeiten, entwickelten erhebliche Teile der Funktion\u00e4rsriege ein hohes Aggressions- und Frustrationspotenzial.\u201c Das Buch ist f\u00fcr SozialdemokratInnen lesenswert, weil es Einblicke in die Diskussionen und Probleme des politischen Gegners bietet. Benesch, selbst \u00d6VP-Bezirksrat, berichtet seitenweise von den Diskussionen auf Landesparteitagen, schreibt \u00fcber die Entstehung der Wiener Wohnbausteuer u. V. m. Die Innenpolitik der Ersten Republik wird verst\u00e4ndlicher.<\/p>\n<p>Markus Benesch: Die Wiener Christlichsoziale Partei 1910-1934. Eine Geschichte der Zerrissenheit in Zeiten des Umbruchs; B\u00f6hlau 2013; 344 Seiten; ISBN 978-3-205-79475-2; \u20ac 39,00<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch von Markus Benesch bietet einen spannenden Einblick in die Probleme und Herausforderungen und in die Zerrissenheit einer Partei zwischen bundespolitischen Notwendigkeiten und landespolitischen N\u00f6ten. &nbsp; In der Zeit von 1910 bis 1934 wurde aus der b\u00fcrgerlichen Reichshaupt- und Residenzstadt die politische Bastion der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie, das \u201eRote Wien\u201c. 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