{"id":643,"date":"2013-08-22T17:52:53","date_gmt":"2013-08-22T15:52:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freiheitskaempfer.at\/?p=643"},"modified":"2013-08-22T17:52:53","modified_gmt":"2013-08-22T15:52:53","slug":"rot-weiss-rot-gegen-hakenkreuz-terror-und-widerstand-an-der-steirischen-eisenstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiheitskaempfer.at\/?p=643","title":{"rendered":"\u201eRot-Wei\u00df-Rot gegen Hakenkreuz\u201c \u2013 Terror und Widerstand an der Steirischen Eisenstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">\u201eMir gef\u00e4llt an eurem Buch, dass ihr vielen Opfern des NS-Terrors ihre Gesichter, Namen und Lebensgeschichten zur\u00fcckgegeben habt.\u201c Mit diesen Worten zollte eine engagierte Teilnehmerin, die als eine von hunderten zu den Pr\u00e4sentationen des Buches \u201eDie Eisenstra\u00dfe 1938-1945. NS-Terror \u2013 Widerstand &#8211; Neues Erinnern\u201c gekommen war, den drei Herausgebern, Werner Anzenberger, Christian Ehetreiber und Heimo Halbrainer, Anerkennung. Solche Zustimmung zur Aufarbeitung der NS-Geschichte gab es nicht immer, bei \u00e4hnlichen Veranstaltungen noch vor 15 Jahre wurden \u00f6sterreichische Freiheitsk\u00e4mpfer, die sich gegen die Unmenschlichkeit des NS-Regimes auflehnten, als \u201eBanditen\u201c, die Fronturlauber in die Luft gejagt h\u00e4tten, oder \u201eHunde mit Fl\u00f6hen\u201c, deren Kontakt man meiden m\u00fcsse, beschimpft. Christian Ehetreiber dazu: \u201eSp\u00e4testens mit der Errichtung eines Mahnmals f\u00fcr die Opfer des Nationalsozialismus, die Eisenerzer Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler initiiert hatten, setzte in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung endlich ein Umdenken ein.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Buch zeigt sehr gut, wie eine Region &#8211; die Steirische Eisenstra\u00dfe \u2013 in nahezu allen Aspekten exemplarisch f\u00fcr die Lebensbedingungen im nationalsozialistischen Unrechtsstaat stand. Es enth\u00e4lt historische Darstellungen ebenso wie Beitr\u00e4ge zur Aufarbeitung und Erinnerung nach 1945, aber auch sozialpsychologische \u00dcberlegungen zur Frage nach den Handlungsspielr\u00e4umen, die den Menschen an der Eisenstra\u00dfe w\u00e4hrend der totalit\u00e4ren Diktatur tats\u00e4chlich zukamen. Heimo Halbrainer hat dar\u00fcber hinaus in einem eigenen B\u00fcchlein im Schuber die Personalien der Opfer zusammengetragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonders bemerkenswert ist, dass in den Bergen um die Eisenstra\u00dfe \u2013 vor allem also im Hochschwabmassiv und den Eisenerzer Alpen \u2013 versucht wurde, gegen das Naziregime milit\u00e4rischen Widerstand zu leisten. Dabei war die Partisanengruppe Leoben-Donawitz um Sepp Filz, Max Muchitsch, Anton Wagner, Ferdinand Andrejowitsch, Silvester Heider und Johann Krenn nahezu v\u00f6llig von anderen Widerstandsgruppen wie den Koralmpartisanen im S\u00fcden der Steiermark und in K\u00e4rnten abgeschnitten. Besondere Bedeutung kam der Bodenorganisation zu, in der Frauen wie Mathilde Auferbauer, Christine Berger oder Rosa Kahlig unverzichtbare Unterst\u00fctzung leisteten. Der Bewegung geh\u00f6rten Bauern und Landarbeiter, Gastwirte und Sennerinnen, Arbeiter und Angestellte, Unternehmer und sogar eine Adelige an. Viele von Ihnen sollten im Gefecht mit nationalsozialistischen Formationen fallen, f\u00fcr Ihre Widerstandst\u00e4tigkeit hingerichtet oder ins Konzentrationslager verschleppt werden. Das Programm der Gruppe \u2013 die sich ja als Teil der \u00f6sterreichischen Freiheitsfront verstand \u2013 war \u00f6sterreichpatriotisch und zielte auf die Wiedererrichtung eines selbstst\u00e4ndigen demokratischen Staates.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Partisanen sahen es als ihre Aufgabe, der Infrastruktur der nationalsozialistischen Besatzung \u2013 etwa durch Gleissprengungen \u2013 Schaden zuzuf\u00fcgen, die Kriegswirtschaft zu st\u00f6ren, Nachschubwege zu unterbrechen und nationalsozialistische Kr\u00e4fte in \u00d6sterreich zu binden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach \u00dcberwindung des Terrorregimes war Dank an die Freiheitsk\u00e4mpfer kein Thema, ja, im Gegenteil wurde alles daran gesetzt, sie zu benachteiligen und als \u201eVaterlandsverr\u00e4ter\u201c zu denunzieren. Ein gutes Beispiel: Bei einem Kampf beim Eisenerzer Bunker der Partisanen hatte der NS-Gefolgsmann Felix Roithner dem sich ergebenden und bereits entwaffneten Freiheitsk\u00e4mpfer Heinrich Konhauser, einem jungen Keuschler aus Trag\u00f6\u00df, aus vier Schritt Entfernung in die Brust geschossen und ihn t\u00f6dlich verletzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1950 wird Roithner, wie der Historiker Werner Anzenberger in seinem Beitrag ausf\u00fchrt, zwar verhaftet, die Staatsanwaltschaft Leoben findet aber trotz dr\u00fcckender, ja eindeutiger Beweislage keinen Grund, die Strafsache gegen den mutma\u00dflichen M\u00f6rder weiter zu verfolgen. Und der H\u00f6hepunkt der Verh\u00f6hnung und des Zynismus: Der Antrag der Angeh\u00f6rigen von Heinrich Konhauser auf Opferrente wird auf Grundlage der Zeugenaussage justament jenes J\u00e4gers und fanatischen Nazis, der die Partisanen verraten hatte, abgelehnt. Begr\u00fcndung: Heinrich Konhauser sei kein Freiheitsk\u00e4mpfer, sondern \u201eblo\u00df\u201c ein Deserteur gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Buch behandelt aber auch einen Abschnitt der Geschichte, den die Historiker G\u00f6tz Aly und Christian Gerlach treffend als \u201eDie letzten Kapitel des Holocaust\u201c bezeichnet haben. Zwischen Pr\u00e4bichl und Eisenerz ver\u00fcbte der \u00f6rtliche Volkssturm an den zerlumpten, ersch\u00f6pften und halb verhungerten J\u00fcdinnen und Juden des Todesmarsches nach Mauthausen und Gunskirchen ein Massaker. Die Opferzahl konnte bis heute nicht exakt eruiert werden, ein \u00dcberlebender, der mit anderen zur Beseitigung der Leichen gezwungen worden war, z\u00e4hlte 220 bis 250 Tote, dazu kamen vermutlich 80 bis 100 Menschen, die in den darauffolgenden, enorm kalten Fr\u00fchlingsn\u00e4chten rund um Eisenerz erfroren oder verhungerten. Den Opfern und \u00dcberlebenden, die auch in der Nachkriegszeit als \u201egesichtslose, gehetzte Masse das \u00f6ffentliche Erinnerungsbild pr\u00e4gten\u201c, gibt Eleonore Lappin-Eppel ihre Individualit\u00e4t und damit ihr Gesicht zur\u00fcck, indem sie das Schicksal von vier Davongekommenen erz\u00e4hlt: Von Juditha Hruza, der Tochter aus gutem Budapester Hause, von Zwi Bar Niv oder Herschel Birnbaum, einem Musiklehrer aus der heutigen Ukraine, von Wolf Gancz, ungarischer Arbeitsdienstsoldat, und schlie\u00dflich vom j\u00fcngsten der vier, von Imre Weisz, dem Gymnasiasten aus einer ostungarischen Kleinstadt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bemerkenswert auch die Schlusss\u00e4tze der Autorin, die eindrucksvoll zeigen, wogegen der Widerstand &#8211; und damit auch die Partisanen der Region \u2013 gek\u00e4mpft haben: \u201eDurch die entsetzlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen am S\u00fcdostwall und w\u00e4hrend der Todesm\u00e4rsche begannen die J\u00fcdinnen und Juden \u00e4u\u00dferlich dem Zerrbild der NS-Propaganda zu \u00e4hneln. Sie wurden als lebende Skelette wahrgenommen, die &#8218;wie Tiere die Wiesen kahl fra\u00dfen&#8217;\u201c. Mit anderen Worten: Die Entmenschlichung der Opfer erregte kein Mitleid, sondern f\u00f6rderte unmittelbar die entmenschlichten Taten der M\u00f6rder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Zwei B\u00e4nde im Schuber:<\/span><\/p>\n<p><b>Werner Anzenberger\/Christian Ehetreiber\/Heimo Halbrainer<\/b> (Hg.), Die Eisenstra\u00dfe. NS-Terror \u2013 Widerstand \u2013 Neues Erinnern, Graz Clio 2013.<\/p>\n<p><b>Heimo Halbrainer<\/b>, Archiv der Namen. Ein papierenes Denkmal der NS-Opfer aus dem Bezirk Leoben, Graz Clio 2013.<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-9025442-33-5.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei B\u00e4nde in einem Schuber um 29,90 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMir gef\u00e4llt an eurem Buch, dass ihr vielen Opfern des NS-Terrors ihre Gesichter, Namen und Lebensgeschichten zur\u00fcckgegeben habt.\u201c Mit diesen Worten zollte eine engagierte Teilnehmerin, die als eine von hunderten zu den Pr\u00e4sentationen des Buches \u201eDie Eisenstra\u00dfe 1938-1945. 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