LANDESVERBAND KÄRNTEN
SP Kärnten gegen das Vergessen
Nachdem sich die SS-Führung 1943 zur Durchführung eines Tunnelbaus im Bereich des Loibl entschlossen hatte, wurden im Sommer desselben Jahres die Konzentrationslager Loibl Süd und Loibl Nord als Nebenlager des KZ Mauthausen errichtet.
Die hierher verschleppten Menschen mussten in Zwangsarbeit die Tunnelanlage von beiden Seiten vortreiben. Bis 1945 arbeiteten dort 1.300 Deportierte verschiedenster Nationalität unter unmenschlichen Bedingungen, viele verloren ihr Leben. Während der Bereich des ehemaligen KZ Loibl Süd auf slowenischem Gebiet als Gedenkstätte erhalten wurde, wurde die Existenz des KZ Loibl Nord in der Kärntner Öffentlichkeit durch Jahrzehnte verschwiegen, im Zuge einer Tunnelsanierung wurden zudem die Fundamentreste der Anlage teilweise verschüttet. Lediglich zwei Tafeln am Nordportal des Tunnels erinnern an die dort begangenen Verbrechen.
Im November 2004 erfolgte entsprechend den Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes die Unterschutzstellung des Areals, im Gedenkjahr 2005 hat der Kärntner Landtag auf Antrag der SPÖ Kärnten den Beschluss gefasst, die Sanierung der Reste des ehemaligen Konzentrationslagers durchzuführen, um eine würdige Stätte der Erinnerung an das Leiden und Sterben der Opfer des Nationalsozialismus an diesem Ort zu schaffen. Dieser Beschluss wurde dem zuständigen Regierungsmitglied, LH Haider, zur Umsetzung übermittelt.
Anlässlich der Verleihung des Einspielerpreises an Univ.-Prof. Dr. Peter Gstettner, unter anderem auch für seine Bemühungen, die Vorgänge im KZ Loibl Nord in das Gedächtnis der Kärntner Bevölkerung zu rufen, wies die stv. Klubobfrau der SPÖ, LAbg. Nicole Cernic, darauf hin, dass bisher von Seiten des Landeshauptmannes nichts unternommen wurde, um diesen Beschluss des Kärntner Landtags umzusetzen. "Es ist eine Schande für dieses Land, dass die Willenserklärung des Landesparlaments nicht ausreicht, um die notwendigen Schritte für die Errichtung dieser Erinnerungsstätte einzuleiten", stellt Cernic fest und sie erinnert Dr. Haider daran, dass er in seiner Funktion als Landeshauptmann einen dezidierten Auftrag des demokratisch gewählten Landtags zu erfüllen habe.
"Indem wir uns der Opfer des Nationalsozialismus erinnern, geben wir ihnen das zurück, was ihnen ein verbrecherisches Regime nehmen wollte, ihre Menschenwürde. Diese Verantwortung ist ein Erbe, das auch für jene Generationen bewahrt werden muss, die nicht mehr unmittelbare Erinnerungen an die Ereignisse dieser Zeit haben.
In Kärnten haben wir bisher diese Aufgabe weitgehend privaten Initiativen überlassen. Es ist hoch an der Zeit, dass das Land Kärnten mit der Errichtung einer Gedenkstätte am Loibl ein Zeichen setzt."
Gedenken an Jožef Kokot

LAbg. Peter Kaiser bei der Gedenkfeier für Kärntens NS-Opfer
Foto: Freiheitskämpfer LV Kärnten
Am heurigen Nationalfeiertag gedachte Memorial Kärnten-Koroška wie im Vorjahr der Kärntner Opfer für ein freies Österreich. Das Gedenken galt heuer vor allem dem am 25. September 1944 im KZ Mauthausen erhängten Kärntner Slowenen Jožef Kokot. Schüler und Schülerinnen des Bundesgymnasiums für Slowenen in Klagenfurt hielten während der Gedenkstunde in Erinnerung an die vergessenen NS-Opfer eine szenische Lesung. Den Prolog mit einem Text des Dichters Andrej Kokot las Christin-Marie Pichler. Repräsentanten der Opferverbände hielten im Rahmen der Gedenkstunde kurze Ansprachen. Ihre Botschaften brachten zum Ausdruck, wie der Terror der Vergangenheit im Alltag der Überlebenden nachwirkt und an die nächsten Generationen weitergegeben wird.
Memorial Kärnten-Koroška tritt dafür ein, mit neuen Initiativen auch 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine würdige und der Integrität der Republik Österreich entsprechende Gedenkkultur herzustellen. Die in der Plattform vereinigten Verbände verlangen eine Erneuerung der Landesgedenkstätte in Klagenfurt-Annabichl.
Sie fordern von den zuständigen Stellen eine Erneuerung des Mahnmals mit der Anbringung von 2.000 Namen, die in jahrelanger Arbeit erforscht wurden. (Auf dem Zentralfriedhof Klagenfurt-Annabichl sind nach dem Zweiten Weltkrieg hunderte Gräber von NS-Opfern gegen die bestehende Rechtslage aufgelassen worden.)
Prof. Jobst folgt auf Pawlik

Foto: Freiheitskämpfer
Bei der Landeskonferenz der Freiheitskämpfer Kärnten wurde über Wunsch des langjährigen Vorsitzenden LT-Präsident i.R. Hans Pawlik Genosse Prof. Vinzenz Jobst zum neuen Vorsitzenden gewählt. Die Konferenz wählte Pawlik zum Ehrenvorsitzenden; er war 1965 entscheidend an der Errichtung des Mahnmals der Opfer für ein freies Österreich in Klagenfurt beteiligt und hat als Zeitzeuge wesentliche Bausteine zur Gedenkkultur in Kärnten gesetzt. Als weitere Funktionäre wählte die Konferenz SP-Klubobmann Dr. Peter Kaiser zum 1. Obmannstellvertreter und Franz Poganitsch zum Kassier.
Klagenfurt: Helene Weiss, ein Roma-Opfer unter vielen

Eine Schülergruppe aus Villach berichtete in einer szenischen Lesung über Leben und Tod des von den Nazis ermordeten Roma-Mädchens Helene Weiss.
Foto: Memorial Kärnten-Koroska
Am Nationalfeiertag, 26. Oktober 2005, um 10 Uhr veranstaltete Memorial Kärnten-Koroška wiederum eine Gedenkstunde in Erinnerung an die Opfer für ein freies Österreich. Die Veranstaltung widmete diesmal ihr besonderes Gedenken dem Roma-Mädchen Helene Weiss aus Klagenfurt, das während der NS-Herrschaft ihrer Pflegefamilie gewaltsam entrissen, in das Lager Lackenbach gebracht und dort ermordet wurde.
Wie bei vielen anderen "vergessenen Opfern" findet man Helene Weiss auf keinem Grabstein. Es scheint, als hätte sie nie existiert. Schüler und Schülerinnen des Bundesgymnasiums und -realgymnasiums Perau in Villach gestalteten während der Gedenkstunde in Erinnerung an die vergessenen NS-Opfer eine szenische Lesung.

Janko Messner
Foto: Memorial Kärnten-Koroska
Für die musikalische Umrahmung sorgten Sängerinnen und Sänger (Familie Orasche) des Gemischten Chors Sele/Zell Pfarre unter der Leitung von Mag. Roman Verdel und Tone Woschitz.
Repräsentanten der Opferverbände hielten im Rahmen der Gedenkstunde kurze Ansprachen.
Ihre Botschaften wiesen darauf hin, wie der Terror der Vergangenheit im Alltag der Überlebenden nachwirkt und dies an die nächsten Generationen weitergegeben wird. Aber auch welche Initiativen dazu führen könnten, 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine würdige und der Integrität der Republik Österreich entsprechende Gedenkkultur herzustellen.
Vinzenz Jobst
Gedenkprojekt Kärnten-Koroska
Die Kärntner Tageszeitung berichtete am 7. Mai 2005 über Bemühungen des Vereins Kärnten-Koroska, die bereits bestehende Landesgedenkstätte der Opfer für ein freies Österreich im Zentralfriedhof Klagenfurt-Annabichl zu erneuern, durch einen Namensteil zu erweitern und bleibend zu erhalten.
Der Artikel der Kärntner Tageszeitung im Wortlaut:
Kärntner Mahnmal, das Namen dem Vergessen entreißt
Verein Memorial ersuchte Bundespräsidenten um die Unterstützung eines Gedenkprojektes.
TAINACH. Der Verein Memorial Kärnten Koroska setzt sich im südlichsten Bundesland für das Gedenken jener Frauen, Männer und Kinder ein, die als Antifaschisten gegen den Nationalsozialismus auftraten beziehungsweise als Opfer der politischen und rassistischen Verfolgung in Konzentrationslagern, Zwangsarbeitslagern, Krankenanstalten und Sonderanstalten starben. Insbesondere engagiert sich der Verein dafür, dass die bereits bestehende Landes-Gedenkstätte der Opfer für ein freies Österreich im Zentralfriedhof Klagenfurt-Annabichl erneuert, durch einen Namensteil erweitert und bleibend erhalten wird. Jene, die für uns zwischen Verfolgung und Widerstand gelitten haben, sollen im kollektiven Bewusstsein verankert werden", betont der Obmann des Vereins, Prof. Vinzenz Jobst.
Jene, die für uns gelitten haben, sollen im kollektiven Bewusstsein verankert werden.
Prof. Vinzenz Jobst

Werner Pikalo (im Vorstand des Vereins Memorial Kärnten) und Vereinsobmann Vinzenz Jobst mit Bundespräsident Heinz Fischer
Fehlende Mittel
Obwohl der Künstler Valentin Oman sämtliche planenden Vorarbeiten für das Mahnmal ohne Honorarlegung zur Verfügung stellte, erfordert die Umsetzung des Projektes Mittel in Höhe von etwa 70.000 Euro. Bisher wurden in Vorgesprächen aus Mitteln des Nationalfonds etwa 25.000 Euro in Aussicht gestellt. In einer Bittschrift an Bundespräsident Heinz Fischer, die Prof. Jobst dem Staatsoberhaupt kürzlich in Tainach überreichte, ersuchten die in der Plattform Memorial Kärnten Koroska vertretenen Gedenkinitiativen um Unterstützung des Projektes.
Sh. auch: Klagenfurt: Mahnmal geschändet (Der Sozialdemokratische Kämpfer 10-11-12 / 2004)
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