DER SOZIALDEMOKRATISCHE KÄMPFER - NUMMER 7 - 8 - 9 / 2001
Vor 60 Jahren: Überfall auf die Sowjetunion

Nach Ansicht Jörg Haiders hätten sich die Soldaten, die im Osten kämpften, für die Demokratie in Europa, wie wir sie heute vorfinden, eingesetzt. Diese Ansicht ist höchstens aufrecht zu erhalten, wenn man die These vertritt, das nationalsozialistische Deutschland sei 1941 einem Angriff der Sowjetunion zuvorgekommen (wobei aber zu fragen wäre, ob denn etwa ein Sieg Hitlers über England - bei Neutralität Stalins - etwas mit Rettung der Demokratie zu tun gehabt hätte!)
In der Zeitschrift "Profil" vom 21. August 1995 meinte der damalige FPÖ-Chef: "Ich habe gesagt, dass die Wehrmachtssoldaten die Demokratie in Europa, wie wir sie heute vorfinden, ermöglicht haben. Hätten sie nicht im Osten Widerstand geleistet, wären sie nicht im Osten gewesen, hätten sie nicht die Auseinandersetzung geführt, dann hätten wir ..."
"Profil": "Was heißt Widerstand geleistet? Das war ja ein Eroberungsfeldzug der deutschen Wehrmacht!"
Haider: "Dann müssen wir heute beginnen zu fragen, wie das wirklich war."
Die Ereignisse vor nunmehr sechzig Jahren widerlegen eindeutig die These revisionistischer Historiker, Haiders und ihrer Nachbeter, die immer noch von einem Abwehrkampf reden und schreiben. Wie etwa Hans Gamlich, der in Mölzers Wochenschrift "Zur Zeit" den Überfall auf die Sowjetunion als notwehrhafte Präventivaktion zum Schutze Europas darstellt. (Weil Gamlich nationalsozialistische Verbrechen geleugnet oder verharmlost und Hitler als "großen Sozialrevolutionär" bezeichnet hat, wurde er am 1. Februar 2001 nach dem Verbotsgesetz zu einer einjährigen bedingten Haftstrafe verurteilt).
Wir, die Überlebenden des Hitlerfaschismus und Zeugen der Ereignisse jener Zeit, dürfen zu solchen Aussagen nicht schweigen. Wir sind verpflichtet, zu sagen, wie es wirklich war.
Vor 60 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel die Hitlerarmee die damalige Sowjetunion. Um 3.15 Uhr dieses Tages erfolgte ohne Kriegserklärung der Angriff. Die Wehrmacht setzte sich in breiter Front über die 1939 mit Moskau vereinbarte Grenze im ausgelöschten Polen in Bewegung. Noch am 15. Juni verwies Josef Stalin in einer Aussendung der Agentur Tass auf die Dauerhaftigkeit des sowjetisch-deutschen Nichtangriffspakts und die Freundschaft zwischen dem russischen und dem deutschen Volk, und noch am Tag des Angriffs rollten sowjetische Züge mit für Deutschland bestimmten Gütern Richtung Westen. Hitler hatte den Pakt gebrochen.
Hitler war vom Sieg über Frankreich, Belgien und die Niederlande berauscht, scheute aber eine Invasion der britischen Inseln. Er glaubte, auch die Sowjetunion in einem "Blitzkrieg" niederwerfen zu können, und das war für ihn nicht nur aus Gründen der alten ideologischen Feindschaft, zur Gewinnung von "Lebensraum" im Osten oder wegen der Befürchtung eines Zweifrontenkriegs, sondern vor allem wegen des für die deutsche Kriegsmaschinerie zu erwartenden gewaltigen Zugewinns an Bodenschätzen, vor allem Erdöl, und von Getreide von großer Bedeutung. Deshalb kam der Überfall auf die Sowjetunion nicht über Nacht, sondern war schon lange geplant.
Schon am 18. Dezember 1940 erließ Hitler die Weisung Nr. 21, deren Überschrift lautete: "Fall Barbarossa". Sie begann folgendermaßen: "Die deutsche Wehrmacht muss darauf vorbereitet sein, auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen. Das Heer wird hiezu alle verfügbaren Verbände einzusetzen haben, mit der Einschränkung, dass die besetzten Gebiete gegen Überraschungen gesichert sein müssen ... Vorbereitungen sind ... bis zum 15.5.41 abzuschließen." Damit ist eindeutig bewiesen, dass es sich um einen Angriffskrieg handelte. Allerdings verzögerte sich der Angriff um fünf Wochen, weil Hitler seinem Kumpanen Mussolini in Griechenland zu Hilfe kommen musste und weil Jugoslawien sich nicht in das deutsche Bündnissystem einbinden lassen wollte, so dass im April 1941 zunächst die Eroberung dieser Länder befohlen wurde.
Die Wehrmacht verfügte damals in ganz Europa über 250 Divisionen. 136 davon - 3,6 Millionen Soldaten - wurden für den Überfall auf die Sowjetunion eingesetzt. Mit dem offen erklärten Ziel, den Bolschewismus und das Judentum zu beseitigen, wurde von Anfang an ein Vernichtungskrieg geführt. Nicht nur Millionen Soldaten, sondern auch Millionen Zivilisten mussten ihr Leben lassen. Die unmenschlichen Befehle, den Krieg jenseits aller kriegs- und völkerrechtlicher Normen zu führen, erzeugten bei der Wehrmachtsführung keinen Widerstand. So die Befehle zur Liquidierung der politischen Kommissare der Roten Armee, die Bestimmungen über die Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen und die Befehle, die zur Ermordung von über einer Million Juden - noch vor Auschwitz - führten.
Trotz der Anfangserfolge konnten die deutschen Truppen weder Leningrad noch Moskau erobern und wurden vom Wintereinbruch überrascht. Im weiteren Verlauf des Krieges stellte sich heraus, dass die Rote Armee und die Widerstandskraft der Sowjetbevölkerung von Hitler unterschätzt worden war. Die Behandlung der Bewohner der besetzten Gebiete als "Untermenschen", ihre massenhafte Rekrutierung zur Zwangsarbeit trugen zu einer um sich greifenden Partisanentätigkeit bei. Ein Vorstoß zur Wolga, die am 16. September 1942 bei Stalingrad erreicht war, endete nach monatelangen, opferreichen Kämpfen am 2. Februar 1943 mit der Kapitulation der Reste der 6. Armee. Von den 250.000 Soldaten auf deutscher Seite waren 150.000 gefallen. 91.000 gerieten in Gefangenschaft, die nur einige Tausend überlebten.
Das war die Wende des Krieges im Osten. Im Juni 1944 begann die große Gegenoffensive der Sowjetarmee. Sie war nicht mehr aufzuhalten, am 2. Mai 1945 war Berlin völlig in der Hand der Roten Armee; wenige Tage zuvor hatte sich Hitler der Verantwortung für seine Verbrechen durch Selbstmord entzogen.

Alfred Ströer

Terror gegen die eigenen Soldaten

Im Zweiten Weltkrieg führte die NS-Militärjustiz schätzungsweise drei Millionen Strafverfahren gegen Soldaten der Wehrmacht durch.
Die Untersuchungen zweier Historiker haben ergeben, dass dabei rund 1,3 Millionen Verurteilungen gefällt wurden; 30.000 waren Todesurteile, davon wurden zwei Drittel vollstreckt (1.500 davon an Österreichern).
Das war ganz im Sinne Hitlers.
In seinem Buch "Mein Kampf" hat er klar gemacht, was von einem Fahnenflüchtigen zu halten sei. Es heißt da: "Ein Soldat kann sterben. Ein Deserteur muss sterben."
Als sich das Ende des Krieges abzeichnete, mehrte sich die Zahl der Fahnenflüchtigen.
Der SS- und Polizeichef Heinrich Himmler ließ daher am 10. September 1944 durch Anschlag verkünden: "Ehrvergessene Elemente scheinen zu glauben, dass der Krieg für sie vorbei ist, wenn sie sich dem Feind ergeben. Kein Deserteur wird der gerechten Strafe entgehen. Außerdem wird sein schmähliches Verhalten schwerste Folgen für seine Familie nach sich ziehen. Deserteure werden standrechtlich erschossen." Ein Schulkollege des Verfassers dieses Beitrages, Franz S., wollte nicht länger morden. Er verließ seine Truppe. Er wurde gefasst und vor ein Kriegsgericht gestellt.
Seine Eltern wurden über seine Hinrichtung wie folgt informiert:

Gericht der Dienststelle Im Felde, den 11. Oktober 1943
Feldpostnummer 08 728 St.L.IV, Nr. 743/45

Das gegen den Grenadier Franz S., geb. am 5.8.1921 in Wien, wegen der von ihm begangenen Straftat am 20.8.1943 vom Kriegsgericht auf Todesstrafe erkannte Urteil ist nach Bestätigung durch den zuständigen Gerichtsherr (!) am 21.9.1943 vollstreckt worden.
Die Bestattung erfolgte auf dem Soldatenfriedhof in Allenstein/Ostpr.
Todesanzeigen oder Nachrufe in Zeitungen, Zeitschriften u.dgl. sind verboten.

(Unterschrift) Kriegsgerichtsrat

Besonders in den letzten Kriegstagen wüteten SS-Patrouillen, hohe Parteifunktionäre wie der dann hingerichtete Gauleiter von Oberdonau Eigruber und auch einzelne Offiziere in den noch nicht besetzten Gebieten Österreichs gegen Soldaten, die sich angesichts der Sinnlosigkeit weiteren Kämpfens von der Truppe entfernt hatten; auch ganz junge "Volkssturm" - Angehörige wurden zu Opfern der Standgerichte.
Bedauerlich ist, dass die durch die NS-Militärjustiz gefällten Urteile in Österreich bis heute nicht aufgehoben wurden.
In Deutschland geschah dies durch ein Gesetz, das "NS-Schlussgesetz", im Jahre 1998.
In Österreich wartet man auf den Bericht einer Forschungsarbeit, die im Jahre 2002 abgeschlossen sein soll.

Alfred Ströer

Gedenken an die Massaker des 6. und 7. April 1945

Der Landesverband Niederösterreich veranstaltete gemeinsam mit dem KZ-Verband NÖ, zur Erinnerung an die Massaker von Stein und Hadersdorf am Kamp, am Friedhof von Stein eine Gedenkfeier und Kranzniederlegung.

Wie kam es zu diesen Massakern? In den ersten Apriltagen des Jahres 1945 wurde Wiener Neustadt von der Roten Armee erobert. Die Wehrmachtsoffiziere Alfred Huth, Karl Biedermann und Rudolf Raschke versuchten, die Zerstörung Wiens abzuwenden, indem sie mit der Roten Armee Kontakt aufnahmen. Ihr Plan wurde aufgedeckt und die Gestapo verhinderte die kampflose Übergabe Wiens. Huth, Biedermann und Raschke wurden am 8. April 1945 auf dem Floridsdorfer-Spitz öffentlich gehenkt. Die Schlacht um Wien dauerte bis 14. April. Beim Vormarsch der Roten Armee stellte sich die Frage, was mit Häftlingen bei einer Okkupation durch die Rote Armee geschehen solle. Auch der Leiter der Haftanstalt Stein, Franz Kodré, stand vor diesem Problem, als Krems in den ersten Apriltagen bombardiert wurde. In der Strafanstalt waren die Lebensmittel knapp. Kodré bemühte sich, die Freilassung von Häftlingen zu erwirken.

Am 5. und 6. April trafen aus Wien vage formulierte Entlassungsrichtlinien sowie die Nachricht, dass im Landesgericht Wien Häftlinge freigelassen wurden, ein. In großzügiger Auslegung dieser Richtlinien verfügte Kodré am 6. April die sofortige Entlassung der Gefangenen. Der nazistisch eingestellte Aufseher Anton Pomassl alarmierte daraufhin die NS-Kreisleitung mit der Falschmeldung, dass in der Strafanstalt "eine Revolte" ausgebrochen sei. Obwohl Kodré den herbeieilenden SS-Offizieren beteuerte, dass die Entlassung ordnungsgemäß erfolge, bemühten sich diese, die Freilassung der politischen Häftlinge zu vereiteln.

Die herbeigerufene SA, die Pioniere, die Volkssturmabteilung und die Waffen-SS wurde vom stellvertretenden Leiter der Haftanstalt, Alois Baumgartner, mit den Worten: "Hier im Haus ist eine Revolte" empfangen. Sofort drangen die Trupps in die Haftanstalt ein und eröffneten wahllos das Feuer. Dem darauffolgenden Massaker fielen in Stein und in den Straßen rund um Krems an die 386 Menschen zum Opfer. Regierungsrat Franz Kodré und die antifaschistisch gesinnten Aufseher Johann Lang, Heinrich Lasky und Johann Bölz wurden in einem Willkürakt erschossen. Unmittelbar nach ihrer Erschießung wurde Baumgartner von NS-Kreisleiter Wilthum zum neuen Leiter der Strafanstalt bestellt.

Auf Befehl Wilthums wurden jene Männer, welche die Strafanstalt mit Beginn der Entlassungsaktion verlassen hatten, verfolgt. Der Befehl lautete, Häftlinge, die in der Nähe von Krems aufgegriffen würden, nach Stein zurückzubringen, alle anderen sollten in Hadersdorf am Kamp festgehalten werden.

Die NSDAP-Führer von Hadersdorf, Richard Kuen und Josef Sumetzberger, setzten diesen Befehl noch gegen Mittag des 6. April in die Tat um. Als die ersten Häftlinge, in Hadersdorf die Kampbrücke erreichten, wurden sie von einer SS-Einheit festgenommen. Letztendlich wurden etwa 60 Männer in den Gemeindekotter gepfercht. Auf Befehl der NSDAP-Kreisleitung waren alle in Hadersdorf gefangen gehaltenen Männer zu exekutieren. Am 7. April wurden sie der SS-Einheit zur Erschießung überantwortet. Sie erhielten Spaten und Schaufel zum Ausheben ihrer Gräber. Ein einziger Häftling konnte die SS-Mannschaft durch eine Notlüge dazu bewegen, ihn in die Strafanstalt Stein zu überstellen.

Als am Nachmittag des 6. April auf dem Hadersdorfer Friedhof Maschinengewehrsalven gegen die Gefangenen abgefeuert wurden, waren viele ihrer Leidensgenossen bereits durch Übergriffe der SS zu Tode gekommen. Bei der 1946 erfolgten Exhumierung der Leichen und der Untersuchung durch das Gerichtsmedizinische Institut wurde festgestellt, dass Häftlinge, welche bei der Exekution nicht sofort den Tod fanden, gemeinsam mit ihren toten Kameraden auf dem Friedhof von Hadersdorf verscharrt worden waren. 1946 wurden die Ermordeten in einem gemeinsamen Grab in der Gruppe 40 auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Die Hauptverantwortlichen für die Massaker, Eduard Ambrosch, Franz Heinisch, Anton Pomassl, Alois Baumgartner und Leo Pilz, wurden am 30. August 1946, vom LG Wien als Volksgericht, für diese Untaten zum Tode verurteilt und 1947 gehenkt. Über weitere Mittäter wurden mehrjährige Kerkerstrafen verhängt; diese Männer gingen 1955 frei.

Edith Krisch

Publikationen:
Gerhard Jagschitz/Wolfgang Neugebauer (Hg.): Stein 6. April 1945. 162 Seiten, ATS 160,00 / EUR 11,63.
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DÖW (Hg.): Gedenken und Mahnen in Wien 1934 - 1945, 488 Seiten, ATS 210,00 / EUR 15,26
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Gerald Buchas/Robert Streibel (Hg.): 386. Dokumentation der Gedenkveranstaltung von B-project anlässlich des Massakers an Häftlingen des Zuchthauses Stein am 6. April 1945. Wien: Frames Verlag 1997, 78 Seiten, ATS 117,00 / EUR 8,50.
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Ministerium spart: Keine Blumen für NS-Opfergräber

Das Büro des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer erreichte Ende Mai die Mitteilung, dass die Gräber der am Zentralfriedhof bestatteten, von den Nationalsozialisten ermordeten Frauen und Männer wegen Sparmaßnahmen des Innenministeriums ab sofort keinen Blumenschmuck erhalten sollen. "Diese Nachricht hat uns veranlasst, den Bezirksvorsther des 11. Bezirks Ohmar Brix zu ersuchen, dieser Angelegenheit nachzugehen. Nunmehr wurde uns von ihm mitgeteilt, dass das Büro des Finanstadtrats prüft, ob aus den Mitteln dieses Ressorts für den Blumenschmuck gesort werden kann", so Bundesvorsitzender Alfred Ströer. "Wie wir von der MA 43 erfahren konnten, wurden die Einsparungsmaßnahmen deshalb vorgesehen, weil die für diese Gräber zuständige Abt. IV/4 des Innenministeriums Sparmaßnahmen anordnete."
Ströer kommentierte dieses Vorhaben des Ministeriums so: "Es ist beduerlich, dass man bei feierlichen Anlässen schöne Worte für jene Frauen und Männer findet, die für Österreich ihr Leben ließen, bei der Ausschmückung ihrer Gräber jedoch den Sparstift ansetzt."
Die in der Zeit von 1939 bis 1945 wegen "Hochverrats" hingerichteten Männer und Frauen des Widerstands wurden in der Regel in Schachtgräbern der Gruppe 40 des Zentralfriedhofs beerdigt. Diese Personen durften nicht privat bestattet werden. Laut Zeitzeugenberichten sollen in der Gruppe 40 an die 2.000 Opfer der NS-Justiz begraben sein, unter anderem:

Brunner Samuel, Rauchfangkehrer; Dirmhirn Hermine, Hausfrau; Dirmhirn Lothar, Stadtinspektor; Dragosits Johann, Chauffeur der Bundesbahn; Fass Friedrich, Straßenbahner; Fischer Marie und Ehemann; Gräf Anna, Schneiderin; Haas Dr. Otto, Revolutionärer Sozialist (Otto-Haas-Hof, Wien 20., nach ihm benannt); Hartmann Friedl, Studentin; Hudec Alois; Jost Margarete, Widerstandskämpferin; Kafka Helene, Sr. Restituta, vor kurzem selig gesprochene Nonne (fraglich, ob hier bestattet); Kestenbauer Regine, Studentin; Klostermann Therese; Kovarik Leopoldine; Tochter eines Favoritner Schutzbündlers; Moravitz Bruno, Maschinenarbeiter; Morth Andreas; Mras Karl, Schmied; Mück Antonia, Sortiererin; Muzik Anna, Beschäftigte von Brown Boveri; Odwody Katharina, Betriebsrätin der Ankerbrotfabrik; Remes Familie, Tschechischer Widerstand; Schrems Max, Straßenbahner; 7 weitere Straßenbahner; Sebek Franz, Gewerkschaft; Sicka Leopoldine; Sruch Gustav, Dreher; Stockinger Antonia, Hausfrau; Stumpacher Johann, Bäcker; Süss Dr. Walter, Arzt; Tastl Karl, Kellner; Weinfurter Leopold, kfm. Angestellter; 1946 wurden die am 6. April 1945 in Hadersdorf am Kamp Ermordeten ebenfalls hier beigesetzt.

Der Opfertod der Erna Haberzettl

Erna Haberzettl Erna Haberzettl

Vor 100 Jahren, am 19. April 1901, wurde in Bischofteinitz (im böhmischen Egerland) die bedeutende Sozialdemokratin und Arbeiterschriftstellerin Erna Haberzettl geboren. An ihr Leben, ihre Dichtkunst, ihr antifaschistisches Engagement und an ihren Opfertod erinnerte DÖW-Präsident Hubert Pfoch in einer Veranstaltung der Freiheitskämpfer. In ihrer Heimat als Krankenpflegerin ausgebildet, war sie seit 1929 Frauensekretärin der DSAP in Trautenau, dann Leiterin eines Kurhauses in Karlsbad. Im Herbst 1938, nach dem Anschluss des Sudetenlandes an das Hitlerreich, wurde sie entlassen. Von da an war Erna Haberzettl aktiv im Widerstand gegen die Nazi-Diktatur. Im Krieg kam sie als Krankenschwester nach Wien in das Luftwaffenlazarett in der Peter-Jordan-Strasse. Hier erhielt sie die geheime Nachricht, dass der im Auftrag des im englischen Exil agierenden Parteivorstands der sudetendeutschen Sozialdemokratie, im sogenannten "Protektorat" abgesetzte Albert Exler in Gefahr sei und über Wien in die Schweiz weitergeleitet werden solle. Erna Haberzettl war sofort bereit, den Widerstandskämpfer zu verbergen.
Als sie im März 1945 die Nachricht erhielt, dass die Entdeckung durch die Gestapo bevorstehe, sah sie als einzigen Weg, nicht zum Verrat ihrer Mitverschworenen gezwungen zu werden, den eigenen Freitod im Wiener Türkenschanzpark.

Hubert Pfoch

Leo Mistinger bleibt unvergessen

Am 19. April 2001 mussten wir unserem Ehrenvorsitzenden Leo Mistinger in der Feuerhalle Simmering das letzte Geleit geben. Er war, wie noch in der letzten Ausgabe des "Kämpfer" kurz berichtet werden konnte, am 3. April, kurz nach seinem 97. Geburtstag verstorben. Bei der Verabschiedung in der Feuerhalle wurde Leben und Wirken dieses aufrechten Sozialdemokraten, dessen politischer Einfluss durch seine Vorbildhaltung und durch seine Gabe, allfällige Konflikte immer zu einem versöhnlichen Schluss zu führen, weit über seine tatsächlichen Funktionen hinausging, von SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer, vom vormaligen Bezirksobmann des 15. Wiener Gemeindebezirks Hans Mayr und vom Vorsitzenden der Freiheitskämpfer, Alfred Ströer, gewürdigt. Leo Mistinger, Sozialdemokrat, Antifaschist und Zeitzeuge eines Jahrhunderts bleibt unvergessen.

Internationales Beileid

Auch die bayerischen Genossen, denen Leo Mistinger durch seine Besuche im ehemaligen KZ Flossenbürg bekannt war, bekundeten "Trauer um einen guten Freund", wie es in einem Nachruf des "Oberpfälzischen Kurier" heißt. Das beweisen nicht nur die Würdigungen des Österreichers in mehreren Lokalblättern, sondern auch die Kondolenzen, die bei den Freiheitskämpfern eintrafen, so von Bundestagsabgeordnetem Ludwig Stiegler, Landtagsabgeordnetem Fritz Möstl, Vorsitzendem der SPD-LV Bayern, Wolfgang Hoderlein, und von Albert Schwägerl namens dr Flossenbürger SPD. Auch die Tschechische Lagergemeinschaft CSBS-Táborové Srudzeni Flossébürg kondolierte.


Ehrung für einen Freund

Schwägerl - Otto-Bauer-Plakette von links nach rechts:
Ströer, Schwägerl, Möstl, Nedwed

Im Zusammenhang mit der Teilnahme einer Gruppe sozialdemokratischer Freunde aus Bayern an der Gedenkfeier in Mauthausen kam es anschließend zu einer Begegnung in Schwertberg. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Genossen Albert Schwägerl aus Flossenbürg - als erstem Nichtösterreicher - in Anwesenheit der Wiener Mauthausenfahrt-Teilnehmer die "Otto-Bauer-Plakette" überreicht. Dies für das Jahrelange Engagement Albert Schwägerls für seine Arbeit an der Erhaltung und dem Ausbau der Gedenkstätte. So hatte er auch die Initiative für den so genannten "Stein des Anstoßes", ein Ehrenmal für die NS-Opfer, ergriffen. Unser kürzlich verstorbener Freund Leo Mistinger verbrachte im KZ Flossenbürg eine sehr schwere Zeit.
Wann immer er oder andere Österreicher Flossenbürg besuchten, stand Genosse Schwägerl als Helfer zur Verfügung - und so wird es auch weiter bleiben.
An der Überreichung der Plakette durch unseren Bundesvorsitzenden Alfred Ströer nahm auch der bayrische Landtagsabgeordnete Fritz Möstl teil. Ströer und Möstl unterstrichen in ihren Ansprachen die verdienstvolle Tätigkeit des Geehrten. Fritz Möstl berichtete, dass heuer erstmals Bundesmittel für den Ausbau der Flossenbürger Gedenkstätte zur Verfügung gestellt werden. Ströer erläuterte den deutschen Genossen, dass die Otto-Bauer-Plakette an den großen Führer der österreichischen Sozialdemokraten erinnert, der 1934 das Land verlassen musste und in Paris starb. Schwägerl zeigte sich von dem Festakt tief beeindruckt und dankte für die Ehrung mit dem Versprechen, seine Tätigkeit weiter fortzusetzen, betrachte er es doch als Pflicht, gegen das Vergessen der Geschehnisse in der Nazizeit einzutreten.

Zusätzliche Ansprechmöglichkeit für NS-Entschädigung

Da nunmehr auch Anträge auf Ausgleich von Vermögensschäden an die Internationale Organistion für Migration gerichtet werden können und Ansprüche auf Entschädigung für unbezahlte, eingezogene oder nicht auf andere Art ausgeglichene Versicherungspolizzen gegenüber deutschen Versicherungen an die International Commission on Holocaust Era Insurance Claims gestellt werden können, empfehlen wir allen Personen, die glauben, anspruchsberechtigt zu sein, sich um Auskunft an folgende Adresse zu wenden:
Internationale Organisation für Migration (IOM)
Nibelungengasse 13/4
1010 Wien
Telefon +43 1 585 33 22-11 oder +43 664 383 56 63
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