| DER SOZIALDEMOKRATISCHE KÄMPFER - NUMMER 1 - 2 - 3 / 2002
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| In Memoriam Anton Benya 1912 - 2001 | |
Auf Erfolgskurs: Kreisky, Benya (rechts: Probst)Am 5. Dezember 2001 ist ein großer Österreicher, ein langjähriges Mitglied unseres Bundes und ein Kämpfer für Frieden und Freiheit in schwerer Zeit, gestorben. Das Leben des Genossen Benya wurde ausführlich in Reden und Artikeln gewürdigt. Bundespräsident Dr. Thomas Klestil stellte in einem Nachruf Anton Benya in eine Reihe mit den großen Baumeistern der Zweiten Republik, mit Leopold Figl, Adolf Schärf, Johann Böhm, Julius Raab, Rudolf Sallinger und Bruno Kreisky. Alle diese Persönlichkeiten und viele andere mehr, stellte der Bundespräsident fest, haben auf Dogmen verzichtet, wuchsen über ihre eigenen Lager hinaus und wagten den großen Sprung über ideologische und konfessionelle Schatten. Dr. Klestil hat Recht. Anton Benya war ein Mensch mit Grundsätzen und einem großen Verständnis für die Sorgen und Nöte der sogenannten "kleinen Leute". Trotz hoher Funktionen - er war Präsident des Nationalrates, Präsident des Gewerkschaftsbundes - hat er nie den Boden unter den Füßen verloren. Immer wieder erinnerte er an die schwierige Lage der Arbeitnehmer in der Ersten Republik; an die Zeit, in der es in Österreich mehr als fünfhunderttausend Arbeitslose gab. Auch Anton Benya gehörte dazu. Sehr früh schloss er sich der Gewerkschaft und der Sozialdemokratischen Partei an. Für seine aufrechte Gesinnung war er zwischen 1934 und 1938 zweimal im Gefängnis. Er wurde nach 1945 Betriebsrat und ab 1948 hauptberuflich im ÖGB tätig. Im Jahre 1963 wurde er zum Präsidenten des ÖGB gewählt und von 1971 bis 1986 war er der Erste Präsident des Nationalrates. In all diesen Funktionen blieb er der bescheidene Toni Benya, der sich am wohlsten im Kreise guter Freunde und Gesinnungsgenossen fühlte. Nicht unerwähnt soll die erfolgreiche Zusammenarbeit und die Freundschaft mit Bruno Kreisky bleiben. Obwohl es vor der Wahl Kreiskys zum Parteivorsitzenden unterschiedliche Auffassungen gegeben hatte, Kreisky zum Vorsitzenden der SPÖ zu wählen, entstand nach der Wahl die schon erwähnte erfolgreiche Zusammenarbeit in aufrichtiger Freundschaft. Anton Benya war ein großer Österreicher, ein Mensch mit Herz und Verstand. Wir werden uns gerne an ihn erinnern. Sein Wirken für Österreich und seine Menschen bleibt unvergessen.
Alfred Ströer
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| Die Wannsee-Konferenz | |
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Vor 60 Jahren, am 20. Jänner 1942, fand in Berlin die berüchtigte Wannsee-Konferenz statt, auf der die Auslöschung des europäischen Judentums - im Nazijargon zynisch "Endlösung der Judenfrage" genannt - beschlossen wurde. An der Besprechung in der Villa, die im Eigentum der SS-Stiftung "Nordhav" stand, nahmen 14 Spitzenvertreter der SS und auch der Ministerialbürokratie teil. Das Ergebnis der Wannsee-Konferenz ist hinlänglich bekannt. Es sind genug Unterlagen erhalten geblieben, die den Satz "Den Holocaust hat es nie gegeben" Lügen strafen. Heute ist das Haus der Wannsee-Konferenz eine Gedenk- und Bildungsstätte. Der Besuch der Dauerausstellung ist sehr zu empfehlen. Die ständige Ausstellung dokumentiert nicht nur die Konferenz, sondern auch die Vorgeschichte ab 1933 und die Folgen bis 1945. Sie gibt eine Grundinformation über den gesamten Prozess der Ausgrenzung, Verfolgung, Verschleppung und Ermordung der Juden Europas. Ein eigenes Raumkapitel behandelt die Hausgeschichte. Bei den verwendeten Fotos handelt es sich fast ausnahmslos um damals unveröffentlichte Aufnahmen aus amtlichen sowie wenigen privaten deutschen Quellen. Nur die Selbstbehauptung der deutschen Juden nach 1933 wurde von jüdischen Pressefotografen, die Befreiung der Lager 1945 von alliierten Kameraleuten dokumentiert. Die pädagogische Abteilung bietet Jugend- und Erwachsenengruppen Studientage oder mehrtägige Seminare zur schulischen und außerschulischen politischen Bildung an. Die umfangreiche Mediothek enthält wissenschaftliche Standardliteratur, Belletristik und Augenzeugenberichte zur NS-Geschichte, Fachliteratur über jüdische Geschichte, Antisemitismus, Rassismus und Neonazismus sowie ein Bild- und Tonarchiv mit Filmen und Videos. Auch eine Gesamtdarstellung aus der Feder eines britischen Historikers ist jüngst erschienen: Mark Roseman, "Die Wannsee-Konferenz. Wie die NS-Bürokratie den Holocaust organisierte", Propyläen-Verlag, Berlin
Dr. Gerald Netzl
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| Zehntes Josef-Hindels-Symposium | |
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Im Jahre 1993 wurde vom Landesverband Wien den Sozialistischen Freiheitskämpfern und der Wiener SPÖ-Bildungsorganisation das erste Symposium im Karl Czernetz-Bildungszentrum abgehalten. Seither hat eine Reihe von Symposien stattgefunden, die das Ziel verfolgten, im Sinne Josef Hindels, der in der zweiten Republik eine große Rolle in der sozialistischen und gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, aber auch in den politischen und ideologischen Auseinandersetzungen sowie in der antifaschistischen Aufklärung spielte, historische grundsätzliche und aktuelle Themenbereiche zu behandeln. Das zehnte Josef-Hindels-Symposium fand am 25. und 26. Jänner statt und es war vor allem dem Thema der "Globalisierung und internationale Entwicklungszusammenarbeit" gewidmet. Darüber referierten in einem Podiumsgespräch die Entwicklungspolitische Sprecherin, NR Abgeordnete Inge Jäger, der Präsident des internationalen Instituts für den Frieden, Bundesminister a.D. Erwin Lanc und Dr. Herbert Berger, Vorsitzender des Vereins für internationale Solidarität und Entwicklungsarbeit. Die Moderation hatte Lothar Fischmann von der Themeninitiative "Wien International" übernommen. Die Eröffnung des Symposiums wurde vom Bildungsvorsitzenden der SPÖ Wien, Gemeinderat Ernst Woller vorgenommen. Im Anschluss eröffnete er eine Ausstellung, die unter dem Titel "Exodus" Fotos von Flüchtlingen, Migranten und Kindern in der Migration des Künstlers Sebastiao Salgado zeigt. Am zweiten Tag präsentierte Landtagsabgeorderter Dr. Michael Ludwig das Buch von Dr. Franz Danimann: "Flüsterwitze und Spottgedichte unterm Hakenkreuz", das nun in zweiter Auflage im Ephelant Verlag erschienen ist. Daran schloss sich eine Diskussion über den politischen Witz als Waffe im Widerstand gegen das NS- Regime, der unter der Bevölkerung des sogenannten Dritten Reiches eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat, an. Mit dem Autor, Dr. Franz Danimann, diskutierten der Vorsitzende der Wiener Freiheitskämpfer, NR a.D. Ing. Ernst Nedwed, der wissenschaftliche Leiter des DÖW, Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer und der Bundesvorsitzende der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer, NR a. D Prof. Alfred Ströer. Kostproben aus dem Arsenal des antifaschistischen Witzes präsentierte Christiane Holler. Der Landesverband Wien bietet Organisationen der SPÖ sowie Jugend- und Kulturorganisationen an, einen Abend mit Lesung und Information über dieses Thema zur Verfügung zu stellen.
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| Denkmal Annabichl | |
Anlässlich des Gedenkens an die Opfer des 12. Februar 1934 in Österreich hat der Landersvorstand Kärnten der sozialdemokratischen Freiheitskämpfer am Mahnmal für die Opfer für ein freies Österreich in Klagenfurt ein stilles Gedenken durchgeführt. Mahnende Worte sprach LAbg. Dr. Peter Kaiser (links) in Anwesenheit von Obmann Präs. Hans Pawlik sowie dem gf. Vorsitzenden Prof. Vinzenz Jobst (Mitte).
Das Mahnmal in Klagenfurt-Annabichl wurde vom Künstler Valentin Oman geschaffen und soll in den kommenden Jahren durch einen Opfer-Namensteil ergänzt sowie renoviert werden.
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| Carl Szokolls "Kampf um Wien" | |
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Carl Szokoll hat seine Lebensgeschichte geschrieben. Es ist eine spannende Geschichte, in der trotz der vielen, oft amüsanten Einschübe aus dem Privatleben ein Teil der Geschichte Österreichs in unserem Jahrhundert niedergelegt wird. Einer Geschichte, in welcher Carl Szokoll, der junge Bundesheerleutnant, der in die Wehrmacht übernommen wurde, der dem "Führer" in Berlin die Hand drücken durfte, der beeindruckt war von der Korrektheit und Sachkundigkeit der preußischen Offiziere, durch das, was er erlebte, zum Widerständler wurde. Man hat Szokoll oft gefragt, wann er zum Widerstand gekommen sei. "Ich kann kein Datum sagen", schreibt er. "Es war ein langer, langer Weg, angefangen vom gehorsamen Sohn eines soldatischen Vaters bis zum nicht mehr einsatzfähigen Oberleutnant mit dem Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse." - Bis zum Beginn des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion, als ihn die Befehle, die von der obersten Führung kamen, erkennen ließen, dass Hitlers Krieg sich zu einem Menschheitsverbrechen fern jeder "soldatischen Ehre" gewandelt hatte, wodurch er sich seines Eides für den Führer entbunden fühlte. Eine Krankheit brachte ihn in das Generalkommando des Wehrkreises XVII nach Wien zurück, und dort, im Gebäude des einstigen k. u. k. Kriegministeriums am Stubenring, übernahm er im Sommer 1943 die Aufgabe, für den Wehrkreis eine Bestandsaufnahme für eine Aktion "Walküre" zu machen. Szokoll begann zu ahnen, dass es sich um die Vorbereitung des Sturzes Hitlers durch Offiziere handeln könnte. Der Stauffenberg-Mitarbeiter Major Bernardis nahm Kontakt mit ihm auf und weihte ihn schließlich in die Verschwörung ein. Am 20. Juli 1944 war Wien für zehn Stunden in der Hand der Wehrmacht, die Naziführer waren verhaftet. Dann, da Stauffenbergs Bombe Hitler am Leben gelassen hatte, waren die Hoffnungen auf ein Ende des Krieges (was Millionen Menschen das Leben erhalten hätte) zerstoben. Szokoll entging durch einen Zufall der blutigen Rache des Diktators; als Mitverschwörer unerkannt, wurde er sogar zum Major befördert. In seinem Buch zieht er ein Resümee: "Es wäre nach Gelingen des Attentats trotzdem zum Bürgerkrieg gekommen, und ich wage keine Mutmaßung anzustellen, wie er ausgegangen wäre, denn zwei wesentliche Voraussetzungen fehlten zum Erfolg. Es fehlte der Rückhalt im Volk, und es fehlte die Anerkennung, ja selbst die Gesprächsbereitschaft der Alliierten sowohl im Westen als auch im Osten." Und nach der Niederlage hätte sich die Dolchstoßlegende wiederholen können. Und noch eines ist Szokoll heute klar: Der 20. Juli 1944 war keine Verschwörung, in die die Wiedererstehung Österreichs eingeplant war. Um Österreich ging es, als Hitlers "Nero-Befehl" auch Wien beim Heranrücken der Roten Armee zur Festungsstadt erklären ließ und dieser anordnete, vor der völligen Eroberung der Stadt alle lebenswichtigen Einrichtungen zu zerstören. Szokoll beschwor seinen Vorgesetzten, die Wehrmachtsführung in Berlin, diesen Befehl widerrufen zu lassen. Als dies vergeblich blieb, entschloss er sich zum Handeln für seine Heimatstadt. In einer Einsatzbesprechung eröffnete er 15 Offizieren, denen er vertrauen konnte, seinen Plan für die "Aktion Radetzky", durch die die Vernichtung Wiens verhindert werden sollte. In Ferdinand Käs fand er einen Mitstreiter, der sich in seinem Auftrag durch die Frontlinie nach Hochwolkersdorf durchschlug und die Russen überzeugen konnte, dass sie Wien im Westen umgehen und von der nur von schwachen deutschen Kräften verteidigten Wienerwaldseite angreifen sollten; gleichzeitig würde die Widerstandsbewegung, mit der Szokoll Kontakt aufgenommen hatte, in Wien losschlagen. Der erste Teil des Plans gelang, die Wiener Aufstandspläne aber wurden verraten, drei Offiziere - Biedermann, Huth und Raschke - wurden in Floridsdorf öffentlich gehenkt, auf Szokolls Verhaftung wurde ein Kopfgeld ausgeschrieben. Er tauchte unter, schlug sich selbst zum sowjetischen Hauptquartier durch, um dort mitzuteilen, dass das Aufstandsversprechen nicht gehalten werden konnte; der Vormarsch der Roten Armee mit Schwergewicht vom Westen her hat Wien dennoch die von Hitler befohlene Totalzerstörung erspart. Für Szokoll hatten die Tage des Wiedererstehens Österreichs noch ein unangenehmes Nachspiel: Von Stalins Geheimpolizei wurde er verdächtigt, amerikanischer Spion zu sein, eingesperrt, und dann den österreichischen Behörden unter dem Verdacht, er habe die provisorische Regierung Renner stürzen wollen, übergeben. Nach sechs Monaten wurde die Voruntersuchung eingestellt. Erst Jahrzehnte später wurde er als ein Opfer Josef Stalins rehabilitiert.
Manfred Scheuch
Carl Szokoll, die Rettung Wiens 1945. |
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| Stefan Billes´ Vermächtnis: Widerstand ohne Hass | |
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Am 27. Jänner 2002 ist der Ehrenvorsitzende des Landes Burgenland der Freiheitskämpfer, Professor Stefan Billes, im 93. Lebensjahr von uns gegangen. Geboren am 11. Dezember 1909 in Kleinhöflein als Sohn eines Landarbeiters, wurde er Bauarbeiter, trat 1925 der Sozialdemokratischen Partei bei, war viele Jahre arbeitslos, wurde 1934 gemaßregelt und in Wöllersdorf inhaftiert und war 1938 der erste Burgenländer, der im ersten Transport von Österreichern in das KZ Dachau gebracht wurde. Insgesamt machte er eine Haftzeit von mehr als zehn Monaten durch, was ihn nicht hinderte, nach der Rückkehr in seine Heimat, nun als Baukaufmann tätig, die illegalen Verbindungen zu seinen Genossen aufrechtzuerhalten. Nach Kriegsende stand Billes sofort der Partei zur Verfügung und beteiligte sich als Landesparteisekretär der SPÖ Bürgenland maßgeblich am Aufbau der sozialistischen Organisationen. 1948 Landessekretär des ÖGB, wurde er im Jahr 1949 zum Landtagsabgeordneten gewählt. 1956 zum Landesrat bestellt, übte Billes diese Funktion zehn Jahre lang aus. Dann wurde er Landesobmann des Pensionistenverbandes. Als Vorsitzender der burgenländischen Freiheitskämpfer, später Ehrenvorsitzender, war er bis ins hohe Alter als Zeitzeuge um die Aufklärung der Jugend über die Verfolgungen durch den österreichischen und dann den deutschen Faschismus bemüht. Ebenso setzte er sich für das Gedenken an die Opfer des Faschismus durch Gedenktafeln ein. Billes wurde mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik und zahlreichen anderen Auszeichnungen sowie im Jahr 1999 mit dem Berufstitel Professor geehrt. Die Vorsitzende der burgenländischen Freiheitskämpfer, Gerti Spiess, sagte bei der Grablegung des verdienten Genossen auf dem Eisenstädter Stadtfriedhof unter anderem Folgendes: "Deine Lebenserfahrungen in der dunkelsten Zeit der 80-jährigen Geschichte unseres Heimatlandes haben dich zu einem unerschütterlichen und unbeirrbaren Kämpfer für die Werte der Demokratie, gegen die unsinnige Ideologie des Rassenwahns, gegen Intoleranz und Hass werden lassen.
Trotz des erfahrenen Unrechts und Leides haben nie Rachegelüste, Hass oder Vergeltung deine politische Arbeit geprägt. Für diese menschliche Größe gilt dir unser besonderer Dank."
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