| DER SOZIALDEMOKRATISCHE KÄMPFER - NUMMER 1 - 2 - 3 / 2001
|
|
| Ohne den Februar 1934 kein Spaziergang Hitlers nach Wien | |
|
Vor 60 Jahren, im Februar 1941, als Hitler im Zenit seines Kriegsglücks stand (noch standen ja erst der Jugoslawienkrieg und der Überfall auf die Sowjetunion bevor), gedachte die "London-Information der österreichischen Sozialisten in England" mit nachstehendem Beitrag des 12. Februars.
"Am 12. Februar 1934 donnerten die Kanonen in Linz und Wien. Auf Befehl Mussolinis, im Dienst des Faschismus ließen Dollfuß und Starhemberg auf die österreichischen Arbeiter schießen, die sich zur Verteidigung der Freiheit erhoben hatten. Es war ein Vorspiel. Im Dröhnen des Krieges von heute tönen jene Schüsse vom 12. Februar nach. Ohne den Februar 1934 kein Sparziergang Hitlers nach Österreich. Ohne den Einmarsch in Österreich keine Eroberung der Tschechoslowakei, kein Überfall auf Polen - kein Krieg. Die Geschichte wird den österreichischen Arbeitern den Ruhm zuerkennen, dass sie die ersten waren, die gegen den Vormarsch des Faschismus in seinen verschiedenen Gestalten zu den Waffen gegriffen haben. Sie waren die ersten - und außer den Spaniern die einzigen -, die die Verteidigung der Demokratie gegen die Diktatur offensiv geführt haben. Dies ist heute noch eine Mahnung an alle Demokratien. Stolz und dankbar gedenken wir darum der Opfer der Februartage 1934, der Kämpfer vom Karl-Marx- und vom Goethe-Hof und der Märtyrer der Standgerichte. Diese Erinnerung legt jedem von uns Verpflichtung und Verantwortung auf. Nicht rückwärts gewandt betrachten wir Sozialisten die Geschichte: In den Stürmen der Gegenwart müssen wir unseren Mann stellen, in den Kämpfen der Zukunft wollen wir der Helden des Februar würdig sein. - Heute wie damals: Gegen Faschismus! Gegen Hitler! Für die Freiheit!"
|
|
| Haider enthüllt Absprache mit Schüssel | |
|
Dass ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel aufgrund einer Absprache mit Jörg Haider in seinen Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ doppelbödig agieren konnte, wurde vom Kärntner Landeshauptmann kürzlich in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" zugegeben. Bereits drei Wochen nach der Nationalratswahl, am 28. Oktober 1999, sagte Haider dem VP-Chef in einem Vieraugengespräch im Parlament für den Fall einer schwarz-blauen Koalition das Amt des Bundeskanzlers und sein eigenes Fernbleiben von einer solchen Regierung zu. "Wann Haider den VP-Chef mit dem Kanzlerköder lockte, wussten bis dato nicht einmal Schüssels engste Vertraute", schreibt das steirische Blatt. "Das damalige Treffen der beiden Parteichefs war zwar offiziell, über den Inhalt wurde jedoch striktes Stillschweigen vereinbart. Das Spiel hieß "Bluffen und Tarnen". So sagte Haider in einem TV-Interview wenige Tage nach dem Treffen, es sei für die FPÖ "unvorstellbar", Schüssel zum Kanzler zu machen.
Der Lockruf verfehlte auf den machthungrigen Schüssel, der kurz zuvor noch angekündigt hatte, seine bei der Wahl drittplatzierte Partei werde nicht in die Regierung gehen, offenbar nicht seine Wirkung, obwohl er das nicht sofort zeigen wollte. "Ich habe gemerkt, dass meine Worte bei ihm etwas ausgelöst hatten", behauptet Haider in seinen Enthüllungen. Allerdings habe es in der Folge keiner Doppelverhandlungen bedurft, dies sei eine Legende. Schüssel habe vorerst versucht, die Koalition mit der SPÖ fortzusetzen, aber gleichzeitig mit seinen hochgeschraubten Forderungen, die ja einer Demütigung der stärksten Partei gleichkamen - die Rückendeckung durch das Gespräch mit Haider erlaubte ihm dies - ein Pokerspiel betrieben. "Er schöpfte alles aus und sah zu, dass die Rolle des Torpedos, der alles hochgehen lässt, anderen zufällt", charakterisiert Haider die Verhandlungstaktik Schüssels. Haiders Resümee: "Wir haben also alles mit fernöstlicher Gelassenheit vorbereiten können."
|
|
| Dachau - Flossenbürg - Theresienstadt - Lidice | |
|
Zur Erinnerung an die vor 55 Jahren stattgefundene Befreiung veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs, im Dezember des vergangenen Jahres, eine Fahrt zu den Gedenkstätten Dachau, Flossenbürg, Theresienstadt und Lidice. Unter der Reiseleitung von Hannes Schwantner besuchten die Zeugen und Opfer der NS Gräueltaten jene Stätten, die für sie in unauslöschlicher Erinnerung geblieben sind. Dachau war das erste Ziel der Gedenkfahrt, wo die Besucher von Dr.h.c. Barbara Distel begrüßt wurden. 1933 wurde in Dachau das erste Konzentrationslager errichtet. Der Auftrag Himmlers zur Errichtung dieses Konzentrationslagers sollte der Auftrag zu einem staatlichen Terrorsystem nie gekannten Ausmaßes werden. Der im Juni 1933 zum Kommandanten des Konzentrationslagers ernannte Theodor Eicke machte das KZ Dachau zum Modell für alle in weiterer Folge errichteten Lager und zur Mörderschule der SS. Er war der geistige Vater des Organisationsschemas, des im Konzentrationslager herrschenden Reglements und der Einteilung der KZ Gelände in die von Sicherungsanlagen und Wachtürmen umgebenen Häftlingslager und die benachbarten Kommandanturbereiche mit Verwaltungsgebäuden und Kasernen für die SS. Eicke wurde später zum Inspekteur für alle Konzentrationslager ernannt. Im sieben Jahre vor Auschwitz errichteten KZ Dachau wurde das erste Vorhaben Hitlers, die Vernichtung aller Gegner und jedes Gedankens der nicht dem Führerprinzip folgte, realisiert. Später folgte die Umsetzung des zweiten nationalsozialistischen Ziels, die beispiellose Ermordung der als "minderwertig" deklarierten Menschengruppen. Insgesamt wurden über 200.000 Häftlinge aus mehr als 30 Staaten in diesem KZ inhaftiert. Ernst Kuntschik erinnerte bei der Gedenktafel im Ortszentrum von Dachau an die Opfer des Naziregimes. Der nächste Besuch galt der Gedenkstätte Flossenbürg. Auf dem Gelände des ehemaligen KZ wurden die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft vom Leiter der Gedenkstätte, Jörg Skriebeleit, von Abg. zum bayerischen Landtag, Fritz Möstl, GR a.D. Albert Schwägerl, SPD-Vorsitzenden von Flossenbürg, Peter Gruber, den Gemeinderäten Hans Klik und Ernst Gruber, sowie der stellvertretenden Kreisvorsitzenden der SPD und ASF Annette Karl und weiteren Mitgliedern der SPD Flossenbürg sehr herzlich begrüßt. Anfang Mai 1938 wurde das Konzentrationslager Flossenbürg für sogenannte "kriminelle" und "asoziale" Häftlinge eröffnet. Ab Mai 1938 mussten die ersten Häftlinge, die aus dem KZ Dachau hierher kamen, mit dem Aufbau der Baracken, der Lagergebäude und der Sicherungsanlagen beginnen. Ebenso wurden die ersten Arbeitseinsätze für das SS-Unternehmen "Deutsche Erd- und Steinwerke" durchgeführt. Im KZ Flossenbürg sollten die im Schutzhaftlager untergebrachten Häftlinge vorrangig unter Ausbeutung ihrer Kräfte und durch schlechte Ernährung zu Tode kommen. Neben dem "Schutzhaftlager" befand sich ein gesonderter Bereich für sowjetische Kriegsgefangene. Sie wurden, ohne Registrierung, nach Hitlers "Kommissarsbefehl" massenweise ermordet. Im letzten Kriegsjahr am 8. April 1945 wurden der protestantische Theologe Dietrich Bonhoeffer, der am missglückten Attentat auf Adolf Hitler beteiligte Admiral Wilhelm Canaris sowie General Hans Oster, zusammen mit den Reserveoffizieren Gehre und Strünck und Generalstabsrichter Sack in einem Scheinverfahren als "Hochverräter" verurteilt und am 9. April 1945 gehenkt. Der dritte Besuchstag war der Besichtigung der "Kleinen Festung Theresienstadt" und dem Besuch der Gedenkstätte "Lidice" gewidmet. Diesmal wurde die Reisegruppe vom Freiheitskämpfer Milos Volf, aus Prag, begleitet. Milos Volf war als junger Mann, gemeinsam mit seiner Familie, wegen geheimer Tätigkeit gegen das NS Regime, in die "Kleine Festung Theresienstadt" eingewiesen worden. Später wurden er und sein Vater in das KZ Flossenbürg verlegt. Seine Mutter und seine Großmutter deportierte man nach Ravensbrück. Sämtliche Familienmitglieder überlebten. Aber der Aufenthalt im KZ Flossenbürg sollte ihm Zeit seines Lebens zum Nachteil gereichen, da ihm das kommunistische Regime der Tschechoslowakei später zum Vorwurf machte, dass er 1945 in Flossenbürg von amerikanischen Truppen befreit worden war. Theresienstadt wurde 1940 auf Wunsch des Leiters der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes in Prag, Dr. W. Stahlecker, wegen seiner Nähe zu Prag als Standort für das Gefängnis gewählt. In den Jahren 1940 bis 1945 wurden durch die Gestapo 27.000 Männer und 5.000 Frauen in das Gefängnis überstellt.
Am 4. Juni 1942 wurde der stv. Reichsprotektor Reinhard Heydrich bei einem von Exiltschechen organisierten Attentat in Prag getötet, worauf ein zweites Standrecht erklärt wurde und 1412 Todesurteile verhängt wurden. Der Grossteil der Bewohner von Lidice, darunter auch die meisten Kinder der Gemeinde, wurden dabei ermordet. Die wenigen Bewohner, die überlebt hatten, wurden in Konzentrationslager geschickt. Die verbliebenen Kinder wurden deutschen Familien zur Umerziehung übergeben. Genosse Ludwig Kolin gedachte auf dem Gelände der Gedenkstätte, in tschechischer Sprache, dieser Opfer. Er erneuerte das Versprechen der Überlebenden des NS Regimes abschließend mit den Worten: "Wir verabschieden uns mit dem Schwur "NIEMALS VERGESSEN".
|
|
| Leserbrief zu "05" war nicht das einzige Symbol des Widerstands" von Hofrat Dr. Leopold Urban" | |
|
Leserbrief an die Redaktion "Der Sozialdemokratische Kämpfer" von
Hofrat
27. November 2000
"05" war nicht das einzige Symbol Sehr geehrte Redaktion Zum Beitrag "05 war nicht das einzige Symbol" von Herbert Exenberger im Sonderheft 10 - 11 - 12/2000, erlaube ich mir als Besucher der Gedenkmesse in der Stephanskirche und der anschließenden Kundgebung vor dem Dom auch einige Anmerkungen zu machen. Die Liturgie in der Kirche, die Predigt waren dem Gedächtnis aller Widerstandskämpfer und Opfer gewidmet, nicht so eindeutig war die folgende Veranstaltung im Freien. Es war keine Auseinandersetzung bezüglich der freiheitlichen Regierungsbeteiligung spürbar, kein kritisches Gefühl zur "Bettgemeinschaft" mit einer Partei, in welcher hohe Funktionäre das Wort Nazi und den Waffenspruch der SS positiv analysieren. Keine Unruhe, wie sie große Widerstandsgeister des österreichischen Konservativismus, Ernst Karl Winter, August Maria Knoll, Friedrich Heer sicher ergriffen hätten. Im Gegenteil: Dr. Otto Habsburg verstieg sich zur Bemerkung, die Maßnahmen der EU-Länder seien eine Aktion der Regierungen gegen das österreichische Volk. In einem Punkt muss ich Dr. Habsburg Recht geben: Es ist zu bedauern, dass die politischen Gräben während der schwersten Zeit des Landes so tief waren, dass es zu keiner Exilregierung gekommen ist. Ein solches gemeinsames Auftreten hätte viel erreichen können. Aber leider, der Geist der Lagerstraße von Dachau hat sich in die Emigration nicht durchgeschlagen. Der Bogen des Widerstandes war ein sehr weiter, von den Kommunisten, deren politische Ziele auch nicht demokratisch waren, bis zu den Monarchisten. Die organisatorische Bemerkung eines Verantwortlichen der Kundgebung am Stephansplatz hat einige Teilnehmer betroffen gemacht. Die nachbarliche Caritasveranstaltung wurde als Konkurrenz bezeichnet. Ich war anschließend im Caritas-Zelt und konnte wieder einmal erleben, wie viel Engagement für die Armen der Gesellschaft gerade auch von kirchlichen Hilfsorganisationen ausgeht. Mit freundschaftlichen Grüßen
Hofrat Dr. Leopold Urban
|
|
| Leserbrief zu "05" war nicht das einzige Symbol des Widerstands" von Ing. S.H. Gruber" | |
|
Leserbrief an die Redaktion "Der Sozialdemokratische Kämpfer" von Ing. S.H. Gruber zum Beitrag "05 war nicht das einzige Symbol" von Herbert Exenberger im Heft Nr. 10 - 11 - 12/2000 Legitimisten im Exil
Ich finde die im Zusammenhang mit der Verleihung der "Goldenen Ehrennadel" an Dr. Otto Habsburg-Lothringen gemachten Bemerkungen eher banal, billig und unseres Bundes eher unwürdig. Ich selbst, Jahrgang 22, bin von Dezember 1938 an Flüchtling in England gewesen und diente von Dezember 43 an in der britischen Armee als österreichischer Freiwilliger. (Nebenbei: Ich und viele meiner Kameraden trugen den offiziell nicht gestatteten Schulterstreifen "Austria", und die feine englische Art sah darüber hinweg.) Aus einer politisch sehr bewussten und österreichisch eingestellten Familie stammend, habe ich die Handlungen der verschiedenen Organisationen in der Emigration genau verfolgt. Fazit: Am konsequentesten haben sich - schon seit 1936 - die Legitimisten für ein unabhängiges Österreich eingesetzt. Dass sie das auf ihre Weise taten, kann man ihnen doch nicht übel nehmen?
Ing. S.H. Gruber
|
|