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Der sozialdemokratische Kämpfer:
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DER SOZIALDEMOKRATISCHE KÄMPFER - Nummer 10-11-12 / 2005

In dieser Ausgabe lesen Sie:

 


 

Neu: Unser Jahrbuch 2005

Bei der Festveranstaltung anlässlich des 85. Geburtstages von Alfred Ströer wurde das Jahrbuch 2005 des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus vorgestellt. Was das erstmals erschienene Jahrbuch des Bundes bezweckt, erläutert das Editorial von Ernst Nedwed. Darin heißt es:
"Seit der Gründung begleitet der ‚Kämpfer‘ die Aktivitäten des Bundes die Jahre hindurch, wobei vor allem aktuelle politische und zeitgeschichtliche Fragen behandelt werden sowie spezielle Informationen für Mitglieder, insbesondere für diejenigen, die unter dem Austrofaschismus und dem NS-Regime zu leiden hatten, gegeben werden. Bis heute war es nur ausnahmsweise möglich, Grundsatzthemen oder auch kontroverse Diskussionen in geeigneter Form zu veröffentlichen. Ebenso wenig konnten wichtige Reden und wissenschaftliche Beiträge ausführlich kommentiert werden.

Daraus entstand schon vor einiger Zeit die Idee, ein Jahrbuch, ähnlich dem des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, herauszugeben. Der 85. Geburtstag von Alfred Ströer ist ein Anlass, ein solches zusätzliches Medium des Bundes zu schaffen. Damit ehren wir Alfred Ströer in einer besonderen Weise, denn das Jahrbuch unseres Bundes soll kein einmaliges Jubiläumsbuch sein, sondern auch in den folgenden Jahren weiterhin erscheinen. Das Jahrbuch ist in seinem ersten Teil vor allem dem zehnjährigen Wirken von Alfred Ströer als Bundesvorsitzender gewidmet. Seine Gesamtbiografie ist in dem Buch von Willy Toth ,Vom Volksgerichtshof in die Gewerkschaftsspitze‘ erschienen, das mit der Rezension von Manfred Scheuch in diesem Jahrbuch vorgestellt wird. Im zweiten Teil des Jahrbuches sind Dokumente und Berichte, u. a. Reden von Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Franz Vranitzky, enthalten."

Weiter sind folgende Autoren mit speziellen Beiträgen vertreten: Brigitte Bailer-Galanda, Franz Danimann, Heinz Fischer, Karl Gruber, Johann Hatzl, Rudolf Kaske, Edith Krisch, Peter Ulrich Lehner, Michael Ludwig, Ernst Nedwed, Wolfgang Neugebauer, Andreas Paul Pittler, Oliver Rathkolb, Manfred Scheuch, Peter Schwarz und Alfred Ströer. Das Jahrbuch 2006 wird Mitte nächsten Jahres erscheinen.

 


 

Mahnmal in der Staatsdruckerei

Während Erinnerungszeichen abmontiert werden und in einem Lager verschwinden (siehe: ",Vergessene‘ Erinnerungszeichen?!", S. 11), ging die Österreichische Staatsdruckerei einen anderen, der Gedenkkultur dienenden Weg. Denn nach dem Verkauf ihres Firmensitzes auf dem Rennweg war es für die Mitarbeiter der Österreichischen Staatsdruckerei und ihren Betriebsratsvorsitzenden Willibald Authried keine Frage, dass das Mahnmal für ihre im Landesgericht Wien im Februar und März 1943 enthaupteten Widerstandskämpfer, ein Werk von Leopold Grausam sen., einen zentralen Platz in ihrem neuen Werk im 23. Wiener Bezirk, in der Tenschertstraße 7, finden muss.

Am 25. November 2005 konnte nun das Mahnmal von der Generaldirektion und dem Betriebsrat in einer würdigen Gedenkveranstaltung übernommen und den zahlreichen Anwesenden präsentiert werden.

 


 

Weg frei für Entschädigung der NS-Opfer

Nach seinem Besuch bei US-Präsident George W. Bush konnte Bundeskanzler Schüssel bekannt geben, dass die Rechtssicherheit bezüglich der Ansprüche von NS-Opfern an die Republik Österreich nun endgültig gegeben sei, da ein amerikanisches Gericht den letzten noch offenen Rechtsstreit durch Abweisung des Antrags beendet hat.

Die ersten Vorauszahlungen aus dem 210 Millionen US-Dollar schweren Entschädigungsfonds können bereits zwischen Weihnachten und Neujahr erfolgen.

Am 13. Dezember wurde die Rechtssicherheit im Bundesgesetzblatt offiziell als gegeben erklärt, am folgenden Tag trat das Antragskomitee zusammen, um über die Vorauszahlungsquote zu beraten, am 15. Dezember entschied das Kuratorium über die weitere Vorgangsweise. Insgesamt liegen mehr als 19.300 Anträge vor.

Die Vermögensschäden, die durch die Naziherrschaft auf dem Gebiet der Republik Österreich entstanden sind, betreffen unter anderem Betriebe und Immobilien, Versicherungspolizzen sowie berufs- oder ausbildungsbezogene Verluste. Der Höchstwert einer Entschädigung liegt bei zwei Millionen Dollar. In den Fonds haben Bund, Stadt Wien, Banken, Versicherungen, Wirtschaftskammer, ÖIAG und Industrie eingezahlt.

Bereits Mitte November hatte der Nationalrat per Gesetz die Möglichkeit zur Vorauszahlung eines Teils der Entschädigungssumme geschaffen, die vor allem an die hochbetagten Antragsteller nun rasch ausgezahlt werden soll.

 


 

Ein Fest für Alfred – zum 85er

Gratulanten Gratulanten
Foto: Freiheitskaempfer
Es war eine festliche Versammlung, die sich am 2. Dezember im Bruno-Kreisky-Saal des Renner-Instituts eingefunden hatte, um dem nun schon seit zehn Jahren in Funktion stehenden Bundesvorsitzenden Alfred Ströer zum 85. Geburtstag zu gratulieren.

Alle Landesverbände waren durch Delegationen vertreten, insbesondere der Wiener und der niederösterreichische Landesverband. Im überfüllten Kreisky-Saal rollte ein Programm ab, das vom Jubilar, aber auch von den Teilnehmern mit großer Zustimmung aufgenommen wurde. Die künstlerische Einleitung nahm die Vienna Klezmer Band mit Musik aus dem Schtetl vor, einer Kultur, die weiterlebt, obwohl sie nach dem Willen der Nazis völlig vernichtet werden sollte.

Der Direktor des Renner-Instituts, Karl Duffek, eröffnete die gemeinsam mit den Freiheitskämpfern vorbereitete Veranstaltung mit Worten der Wertschätzung für den Zeitzeugen und Widerstandskämpfer Alfred Ströer. Ein Film über den Widerstand und das Lebenswerk von Alfred Ströer, gewidmet vom Landesverband Wien, gestaltet von Andreas Forst, wurde mit großer Begeisterung aufgenommen.

Ernst Nedwed überreichte Alfred Ströer die Kassette des Films und – als besondere Überraschung – das Jahrbuch der Freiheitskämpfer, das diesmal dem Geburtstag von Alfred Ströer gewidmet ist und in Hinkunft mit aktuellen Themen jährlich erscheinen wird.

Wolfgang Neugebauer, langjähriger wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, widmete seine Laudatio dem jungen Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, Gestapohäftling und dem späteren Förderer des Dokumentationsarchivs und vieler Menschenrechtsorganisationen und dankte ihm für seine freundschaftliche und stets hilfsbereite Mitarbeit in den antifaschistischen Bereichen.

Höhepunkt der Veranstaltung war die Laudatio der Zweiten Präsidentin des Nationalrats, Barbara Prammer, die auch seine Tätigkeit in der Gewerkschaft und im Nationalrat sowie in den sozialpartnerschaftlichen Bereichen würdigte. Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, die der Jubilar mit einer launigen Dankesrede quittierte. Die Fotos spiegeln die gute Stimmung bei der Veranstaltung wider.

 


 

David Irving und das Verbotsgesetz

Voraussichtlich im Februar 2006 wird der britische Staatsbürger David Irving, der seinen einstigen Ruf als ernst zu nehmender Historiker durch Behauptungen wie die, dass Hitler von der Judenvernichtung nichts gewusst habe und in Auschwitz keine Massentötungen an Juden durch Gas vorgenommen wurden, längst ruiniert hat, vor österreichischen Richtern stehen. Obwohl gegen ihn hierzulande ein Haftbefehl ausgeschrieben war, kam er im Herbst nach Graz und wollte danach in Wien bei der rechtslastigen Burschenschaft "Olympia" einen Vortrag halten. Bei einer Autobahnkontrolle wurde er verhaftet und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Als Holocaust-Leugner droht ihm eine mehrjährige Kerkerstrafe nach dem NS-Verbotsgesetz.

Unverständlicherweise hat sich im Zusammenhang mit dem in Vorbereitung befindlichen Prozess gegen Irving eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit des österreichischen NS-Verbotsgesetzes entfaltet.

So meinte der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie Christian Fleck im "Standard": "Lasst den Irving doch reden!" Narren und Wahrheitsverdreher vom Schlage Irvings "heute noch vor Gericht zu zerren, ist einer liberalen Demokratie unwürdig". In einer demokratischen Diskussionskultur seien falsche und bösartige Behauptungen durch Widerlegung und – so nötig – durch Missachtung zu bestrafen.

Solchen Ansichten hat die österreichische Zeitgeschichtlerin Erika Weinzierl in der Hamburger Zeitschrift "Die Zeit" in aller Deutlichkeit widersprochen. "Gerade in einem Land der Täter ist die Verbreitung historischer Zwecklügen kein Kavaliersdelikt, sondern subversive Wühlaktion. Davor muss sich der Staat mit Gesetzen schützen."

Dem haben die Männer und Frauen des Widerstands gegen den Faschismus nichts hinzuzufügen. Sie erwarten mit der Aburteilung des Holocaust-Leugners Irving gemäß den österreichischen Gesetzen auch eine Beendigung der unangebrachten Diskussion.

 


 

"Mauthausen für Touristen"

Wegen eines Leserbriefs, der ausgerechnet in der Kärntner Kirchenzeitung "Der Sonntag" abgedruckt wurde, ermitteln nun Sicherheitsdirektion und Staatsanwaltschaft gegen den früheren Finanzlandesdirektor Siegfried Lorber wegen Verdachts des Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz. Lorber, der mit seinen rechtsextremen Ansichten immer wieder diverse Blätter beglückt, empfiehlt in dem Brief den Religionslehrern "andere Prioritäten zu setzen als Mauthausen-Besuche zu organisieren und unserer Schuljugend Einrichtungen zu zeigen, die nachweislich erst nach dem Zweiten Weltkrieg für touristische Zwecke errichtet wurden". Die KZs seien "eine Schande gewesen, eine Schande ist es aber auch, was daraus gemacht wurde". Der Herausgeber der Kirchenzeitung entschuldigte sich für die Veröffentlichung dieses Briefes als "Fehlleistung einer Mitarbeiterin". "Der Sonntag" scheint allerdings von solchen "Fehlleistungen" verfolgt: Erst in unserer letzten Ausgabe berichteten wir über einen dort erschienenen Leserbrief eines Herrn aus Gloggnitz, der des BZÖ-Bundesrats Kampl Behauptung, Deserteure seien Soldatenmörder gewesen, zu untermauern suchte.

 


 

Der neue DÖW-Schauraum

DÖW-Ausstellung Eine KZ-Häftlingsjacke und zahlreiche Dokumente befinden sich in dem Schauraum
Foto: DÖW
In Wiens Altem Rathaus in der Wipplingerstraße wurde am 8. November die neu gestaltete Dauerausstellung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) von Bürgermeister Michael Häupl und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny eröffnet. In den dicht gedrängt besetzten Räumen hatten sich zahlreiche Interessierte, unter ihnen auch etliche Zeitzeugen aus den Widerstands- und Opferverbänden, eingefunden.

Die Ausstellung spannt einen inhaltlichen Bogen von der Vorgeschichte des Nationalsozialismus und der Ständestaat-Diktatur mit dem Schwergewicht auf Widerstand und Verfolgung in der Hitlerzeit bis zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und Gefahren des Rechtsextremismus.

Sie enthält zahlreiche Texte, Dokumente und Fotos, weist auf wichtige Literatur hin und ermöglicht die Computerinformation über Datenbanken, wie z. B. die der Namen der österreichischen Holocaustopfer.

Die Ausstellung wurde im Rahmen der zahlreichen kritischen Projekte im Jubiläumsjahr 2005 von der Stadt Wien finanziert, wie etwa auch die kürzlich eröffnete Ausstellung "geheimsache : leben" (7., Neustiftgasse 73–75), die sich mit der Verfolgung von Lesben und Schwulen befasst. Bürgermeister Michael Häupl wies darauf hin, dass Information über und Befassung mit den dunklen Zeiten der Diktatur nicht nur für das Wissen um Fehler der Vergangenheit notwendig, sondern auch aktuell für die Gegenwart seien. Er wandte sich gegen Ausländerhetze und Rassismus und wies darauf hin, dass damit Menschen, die sich sozial ausgegrenzt fühlen, gegen Mitmenschen ausgespielt werden, die unter gleichen Missständen und Ungerechtigkeiten leiden. Häupls Schluss daraus: Wer Sozialprobleme nicht löst, zerstört die Demokratie. Die DÖW-Leiterin Brigitte Bailer-Galanda versprach, dass die Schausammlung eine "Schnittstelle des Dokumentationsarchivs mit der Öffentlichkeit" werden würde.

Die Ausstellung – im Erdgeschoß der historischen Räume – ist jeweils von Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen (Eingang durch den Hof, 1., Wipplingerstraße 6–8).

 


 

Theresienstadt-Gedenkbuch

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes hat gemeinsam mit dem Institut Theresienstädter Initiative einen neuen Band des "Theresienstädter Gedenkbuchs" herausgebracht. Es dokumentiert die Namen und Schicksale österreichischer Jüdinnen und Juden in Theresienstadt (tschechisch Terezín) 1942–1945, jener ehemaligen k. u. k. Festungsstadt in Nordböhmen, von der ein Nazi-Propagandafilm zynisch behauptete: "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt".

Die Mitarbeiter an der Neuerscheinung beschreiben die Geschichte dieses NS-Ghettos, das problembeladene Leben der dorthin deportierten Menschen, überschattet von der ständigen Furcht, einem "Osttransport" zugeteilt zu werden. Weiter enthält es Erinnerungen der Überlebenden und verzeichnet die Namen sowohl derer, die von Theresienstadt in den sicheren Tod in die Vernichtungslager geschickt wurden, an Hunger und Seuchen oder durch Sklavenarbeit starben, als auch jener, die das Glück hatten in Theresienstadt zu überleben und dort befreit wurden.

 


 

Grazer Schießplatz: Langer Weg zum Gedenken

Das seit 1869 vom Militär als Schießplatz verwendete Gelände Feliferhof in Graz-Wetzelsdorf war zwischen 1941 und 1945 Schauplatz von Massenhinrichtungen durch das NS-Regime.

Weit über 300 Menschen wurden hier ermordet, zunächst vor allem Militär- und Polizeiangehörige, denen man "Wehrkraftzersetzung" oder "Feigheit vor dem Feind" vorgeworfen hatte.

In den letzten Kriegstagen wurden dann vor allem Zivilisten erschossen – Widerstandskämpfer, Ostarbeiter, Juden, KZ-Häftlinge aus dem Lager Peggau, aber auch Kriegsgefangene. Allein bei der Öffnung eines Massengrabes am 18. Mai 1945 fand man 142 großteils durch Kopfschüsse ermordete Menschen; sie wurden auf dem Grazer Zentralfriedhof beerdigt; 1947 wurde dort ein Mahnmal mit der Inschrift "Hütet Freiheit und Frieden, denn wir starben für sie" errichtet.

Auf dem Bundesheerschießplatz Feliferhof gab es 35 Jahre lang kein Erinnerungszeichen an die Morde. Erst 1980 wurde trotz Ablehnung durch den damaligen Militärkommandanten Alexius Battyan auf Initiative von Oberst Manfred Oswald mit Hilfe der Österreichischen Liga für Menschenrechte ein Erinnerungszeichen in Form einer Gedenktafel gesetzt. Da sie durch einen neonazistischen Anschlag beschädigt wurde, musste sie 1983 erneuert werden.

Als die Schießhalle, an der die Tafel angebracht worden war, geschlossen wurde, scheiterte ein neues Projekt eines Mahnmals am Widerstand des Militärkommandanten der Steiermark Divisionär Arno Manner; ein Gedenkstein mit der alten Tafel wurde aufgestellt.

Erst unter dem nachfolgenden Militärkommandanten Generalmajor Winkelmayer erfolgte die Errichtung eines Mahnmals auf dem Feliferhof. Am 60. Jahrestag der Graböffnung wurde dort heuer ein Totengedenken abgehalten.

Zudem wurde am 12. Dezember in der Belgierkaserne (der ehemaligen SS-Kaserne) eine Gedenktafel für die dort im April 1945 erschossenen Widerstandskämpfer angebracht. Das "Gedankenjahr" und eine neue Form der Traditionspflege im Bundesheer machen das möglich.

 


 

Ausstellung in Gusen

Am 29. November wurde von Bundesministerin Liese Prokop im Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte die Dauerausstellung "Konzentrationslager Gusen 1939–1945. Spuren – Fragmente – Rekonstruktionen" eröffnet. Als Überlebender ergriff Jerzy Wandel das Wort und erinnerte an die unmenschliche Behandlung, der die KZ-Insassen ausgeliefert waren und die für alle schweres Leid, für viele den Tod bedeutete. Die Ausstellung, gestaltet von Mag. Bernhard Denkinger und Dr. Bertrand Perz, gibt einen Überblick über die Geschichte dieses Nebenlagers von Mauthausen; sie geht den Spuren des KZs innerhalb des mittlerweile verbauten Wohngebiets nach. Auch wurde ein Film mit Interviews von Überlebenden gezeigt. An der Eröffnung nahmen auch diplomatische Vertreter von Ländern teil, deren Staatsangehörige KZ-Insassen waren.
Die musikalische Umrahmung erfolgte durch die Musikschule St. Georgen an der Gusen.

 


 

Stolze Belvedere-Bilanz

Bei der Finissage, der Schlussveranstaltung der Ausstellung "Das neue Österreich" im Schloss Belvedere, konnten deren Initiator Hannes Androsch und seine Mitstreiter Herbert Krejci und Peter Weiser eine stolze Bilanz ziehen. Mehr als 300.000 Besucher wurden in den sieben Monaten, die diese Schau lief, gezählt, darunter 40.000 Schüler, die hier einen ebenso fachlich wie populär gehaltenen zeitgeschichtlichen "Unterricht" über das wechselvolle Schicksal Österreichs im vorigen Jahrhundert erhielten.

Die Zustimmung, die sich in den sieben dicke Alben füllenden Besuchernotizen äußerte, war groß. Der Vorschlag, die Ausstellung als Basis für ein österreichisches "Haus der Geschichte" zu verwenden, sollte realisiert werden.

 


 

2006 – "Frauen in Mauthausen"

Am Sonntag, dem 7. Mai 2006, findet in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen die Internationale Befreiungsfeier statt. Die Gedenkfeiern werden 2006 vor allem den Frauen, die im KZ Mauthausen litten, gewidmet sein.

Nach der Befreiung wurden viele der heimgekehrten Frauen bald wieder in die alten Rollenbilder gedrängt und machten die Erfahrung, dass ihre Erlebnisse aus den Konzentrationslagern niemanden interessierten. Sie hatten sich ausschließlich um die Versorgung der Familie zu kümmern und sich politischer Tätigkeit zu enthalten. Sie wurden im wahrsten Sinn des Wortes mit ihrer Geschichte aus dem Konzentrationslager zu Hause allein gelassen. Das Mauthausen Komitee Österreich hat im Einvernehmen mit der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen und dem Internationalen Mauthausen Komitee beschlossen, die Befreiungsfeiern des Jahres 2006 den Frauen des ehemaligen KZ Mauthausen und dessen Nebenlagern zu widmen.

Sowohl bei der Hauptfeier als auch bei den Gedenkfeiern an den Orten ehemaliger Nebenlager wird dies der Themenschwerpunkt sein.

Der thematische Schwerpunkt des Jahres 2006 "Frauen im KZ Mauthausen" soll und kann sich nicht ausschließlich auf die Konzeption und Durchführung von Gedenkfeiern beschränken, sondern soll vielmehr auch eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung bieten. Abweichend von reinen Fachveranstaltungen soll diese Enquete eine verständliche Vermittlungsform für alle Interessierten abseits des rein wissenschaftlichen Forschungsdiskurses sein.

Mauthausen Komitee Österreich

 


 

"Vergessene" Erinnerungszeichen?!

Wohl jeder hat noch die Diskussionen um den neuen Verwendungszweck für das ehemalige Wiener Stadtschulratsgebäude im Ohr – ein neues Zentrum der österreichischen Zeitgeschichte oder ein Haus für die Parlamentarier.

Heute ist das Gebäude, entstanden nach den Plänen von Theophil Hansen, großzügig renoviert und neu gestaltet worden. Als jedoch die Baugerüste verschwanden, kam man aus dem Staunen nicht heraus. Von den ursprünglich drei Erinnerungszeichen an der Fassade des ehemaligen Palais Epstein war plötzlich nur mehr eines zu sehen. Nämlich jenes, das an den zehnjährigen Sitz der sowjetischen Stadtkommandantur in diesem Haus erinnert und am 13. Oktober 1993 durch Bürgermeister Helmut Zilk und Stadtschulratspräsidenten Kurt Scholz enthüllt wurde.

Die fehlende Tafel links neben dem Eingang war dem Präsidenten des Wiener Stadtschulrats und sozialdemokratischen Schulreformer Otto Glöckel gewidmet und von Erich Pieler gestaltet. Gestiftet haben sie der Wiener Stadtschulrat, der Sozialistische Lehrerverein, die Kinderfreunde und Freunde aus der Schweiz. Enthüllt wurde sie am 7. Februar 1954 von Bürgermeister Franz Jonas. Ursprünglich montiert im provisorischen Gebäude des Stadtschulrats in der Türkenstraße, wurde sie von dort 1958 am Gebäude Dr.-Karl-Renner-Ring 1 angebracht, wo sie bis zur Renovierung hing. Nach Protesten, unter anderem auch vom Bund Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschisten, meinte Nationalratspräsident Khol, dass er "gar nicht verstehe, wie man auf die Idee kommen kann, die Tafel abzuhängen". Wer hatte nun diese Idee?

Von Seiten des Hauseigentümers, der Bundesimmobiliengesellschaft hieß es dazu lapidar, dass man diese Tafel im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt abmontiert und im Arsenal gelagert habe. Die Abmontierer sollen nicht vergessen, auch nach der dritten Tafel im Arsenallager zu stöbern, die einst dieses Haus zierte. Sie erinnert an Charlotte und Karl Bühler, die von 1922/23 bis zur Zerschlagung der legalen Strukturen der österreichischen Sozialdemokratie durch die Austrofaschisten im Februar 1934 in diesem Haus ihr im Zuge der Wiener Schulreform vom Roten Wien aufgebautes Wiener Psychologisches Institut leiteten.

Diese Gedenktafel wurde erst am 3. Juni 1996 von Kurt Scholz enthüllt. Hoffentlich werden sie fündig! Es ist bestürzend, wie die dafür zuständigen Verantwortlichen des Bundes mit Zeichen der österreichischen Zeitgeschichte umgehen. Sind das die Beiträge zum viel strapazierten "Gedankenjahr 2005"?

Herbert Exenberger

 


 

Gedenkfeier in Lackenbach

Am 12. November wurde auf dem Gelände des dort von den Nazis eingerichteten "Zigeunerlagers" der österreichischen Opfer aus der Roma- und Sinti-Volksgruppe gedacht. Bei der Feier ergriffen Bundespräsident Heinz Fischer, Landeshauptmann Hans Niessl, Bundeskanzler a. D. Franz Vranitzky sowie Roma-Vorsitzender Rudolf Sarközi und Bürgermeister Dorner das Wort. Ungefähr 9.000 Roma und Sinti, das waren 90 % der Vorkriegs-Volksgruppe, wurden ermordet.

 


 

Hartheim

In der Gedenkstätte Hartheim bei Alkoven wurde im Oktober eine neue Gedenktafel für politisch und rassisch Verfolgte enthüllt. Neben den rund 30.000 ermordeten Behinderten, die von den Nazis als "lebensunwert" klassifiziert wurden, fielen in Hartheim auch zahlreiche Häftlinge aus den Konzentrationslagern Mauthausen und Dachau zum Opfer.

 


 

Preis für "Hunt"

Für sein Stück "Hunt – oder Der totale Februar" wurde der Autor Franzobel mit dem Nestroy-Spezialpreis 2005 ausgezeichnet. Das Stück behandelt die Vorgänge in Holzleithen im Februar 1934, wo sechs unbewaffnete Schutzbund-Sanitäter auf Befehl des Bezirkshauptmanns erschossen wurden.

Wir haben über das Theaterereignis, das unter Mitwirkung zahlreicher Laiendarsteller in einer Industrieruine des Hausruck-Kohlenreviers aufgeführt wurde, in unserer zuletzt erschienenen Ausgabe berichtet.

Die Aufführung soll im Sommer 2006 wiederholt werden.

 


 

Orte der Täter

Im heurigen Sommer präsentierte Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel die Broschüre "Orte der Täter", die den NS-Terror in den "arisierten" Wiener Rothschild-Palais in der Theresianumgasse und der Prinz-Eugen-Straße darstellt. Heute befinden sich auf beiden Grundstücken Einrichtungen der Arbeiterkammer, auch fand im Jänner 2005 die Bundeshauptversammlung unseres Bundes im Bildungszentrum der AK statt.

1938 "arisierten" die Nazis die beiden Palais und richteten in der Theresianumgasse den Sicherheitsdienst (SD) der SS zur Bespitzelung und Verfolgung der Regimegegner ein. In der Prinz-Eugen-Straße wurde Adolf Eichmanns "Zentralstelle für jüdische Auswanderung" zur Organisation der Vertreibung und später auch Deportation der österreichischen Jüdinnen und Juden in die Ghettos und Vernichtungslager etabliert.

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wurden die Gebäude an die Familie Rothschild restituiert, in den 1950er Jahren erwarb die AK die Liegenschaften und stark beschädigten Gebäude. "Wir sind den Menschen verpflichtet, die Opfer des Terrors und der Vernichtung durch die Nazis wurden. Wenn die Arbeiterkammer heute Menschen mit Problemen konkret hilft, ist das gut und richtig", sagte Tumpel, "das ist unser Auftrag. Gleichzeitig leisten wir von der Arbeiterkammer unseren Beitrag zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und zur Warnung vor der Wiederholung des faschistischen Terrors."

In der 56-seitigen Broschüre werden die Tätigkeit der "Zentralstelle" nachgezeichnet sowie die zentralen Organisationen und Institutionen des NS-Terrors beleuchtet. Auch kommen ehemalige Vertriebene zu Wort, sodass diese Publikation in Summe sehr wertvoll ist. Einziger Kritikpunkt aus meiner Sicht: Auf Seite 9 wird die NSDAP als "extrem nationalistische und rassistische, vor allem antisemitische Partei" beschrieben, was ja nicht falsch ist. Doch in einem Produkt der AK sollte auch auf den implizit antimarxistischen und antigewerkschaftlichen Charakter der NSDAP hingewiesen werden. Die Broschüre kann beim Institut zur Erforschung der Geschichte der Gewerkschaften und Arbeiterkammern unter Tel. 501 65-401 bestellt werden.

Gerald Netzl

 


 

Kein Gedenken in der P.S.K.

Während im Bundeskanzleramt am 25. Juli 2005 eine Gedenkmesse für Engelbert Dollfuß stattfand, wurde im Österreichischen Postsparkassenamt die bisher alle zehn Jahre übliche Feierstunde im Vestibül, bei der des früheren P.S.K.-Sekretärs und Widerstandskämpfers Major Karl Biedermann gedacht wurde, nicht genehmigt. Biedermann wurde bekanntlich zusammen mit den Offizieren Alfred Huth und Rudolf Raschke am 8. April 1945 am Floridsdorfer Spitz öffentlich hingerichtet. Eine Initiative des P.S.K.-Betriebsrats- und Gewerkschaftsvorsitzenden LAbg. Volkmar Harwanegg, an diesem traditionellen Gedenken auch 60 Jahre nach dem Mord festzuhalten, blieb beim Generaldirektor bzw. Dienststellenleiter ohne Echo. In einem Schreiben an Generaldirektor Dr. Stephan Koren brachte Harwanegg die Verärgerung vieler Betriebsangehöriger darüber zum Ausdruck. Übrigens wurden auch andere P.S.K.-Angestellte, wie Leopoldine Kovarik und Rudolf Burisch, als aktive Widerstandskämpfer 1944 hingerichtet. Aber auch der 1936 zum Direktor des Postsparkassenamtes bestellte Dr. Robert Hecht, der als Dollfuß’ Ratgeber mit der Anwendung des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes den Weg zur austrofaschistischen Diktatur ebnete und an der Verfassung von 1934 mitarbeitete, wurde von den Nazis 1938 bereits mit dem ersten Transport nach Dachau gebracht und dort ermordet.

 


 

Gedenken in Neudorf

Die zweisprachige burgenländische Gemeinde Neudorf/Novo Selo (Bezirk Neusiedl) gedenkt der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs und der durch das NS-Regime zu Tode gekommenen jüdischen Mitbürger.

Am 22. Oktober enthüllte Bürgermeister Stefan Mikula gemeinsam mit Landtagspräsident Walter Prior und Dr. Jonny Moser vom DÖW beim Kriegerdenkmal einen Gedenkstein mit elf Namen der zivilen Opfer und fünf Namen der jüdischen Mitbürger Neudorfs. Die Initiative für diesen Gedenkstein war vom Vorstand des Neudorfer Museumsvereins ergriffen worden. Es erfolgte damit, wie von Präsident Prior und dem Museumsleiter Mag. Felix Miletich ausgeführt wurde, ein bewusster Akt der Erinnerung, diese Opfer dem Vergessen zu entreißen, um ihr schreckliches Schicksal als Mahnung für die jetzige und zukünftige Generationen festzuhalten und ein Zeichen als Versöhnungsakt zwischen Völkern und Religionen zu setzen. Kulturvereinigungen, kirchliche Organisationen und der örtliche Kameradschaftsbund, der das Kriegerdenkmal betreut, nahmen an der feierlichen Enthüllung teil.

Bundespräsident Heinz Fischer dankte der Gemeinde für diese Initiative, die in ihrer Form erstmalig im Burgenland ist. Dieses Mahnmal ist beispielgebend.

Jonny Moser

 


 

"Verkauft. Enteignet. Verbüchert."

Im Wien Museum auf dem Karlsplatz ist bis 29. Jänner 2006 eine Dokumentation zum Thema "Verkauft. Enteignet. Verbüchert – Wiener Liegenschaften 1938–1945" zu sehen. Sie wurde von jungen Historikern des "Vereins Forschungsbüro" im Auftrag der Abteilung Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien erstellt. Dabei wurden 12.538 Liegenschaften, die sich heute im Besitz der Gemeinde befinden, durchforstet, um jene herauszufiltern, die den ursprünglichen – meist jüdischen – Besitzern zwischen 1938 und 1945 unrechtmäßig entzogen wurden. Es ergab sich dabei, dass jeder dritte Kaufvertrag unter Zwang zustande gekommen war. Allerdings wurden nach dem Krieg unter dem Druck der Besatzungsmächte viele Liegenschaften zurückgestellt, doch geschah auch dies nicht selten mit Entschädigungen, die als "extrem ungerecht" eingestuft werden müssen.

Auf manchen Liegenschaften sind längst Neubauten errichtet worden, so ein Gemeindebau in der Neudeggergasse (8. Bezirk), der auf dem Areal einer beim Novemberpogrom 1938 zerstörten Synagoge steht; andere Häuser waren durch Bombardierungen zerstört. Die Stadt ist in der Mehrheit der Fälle nicht als "Ariseur" aufgetreten, sondern erst nach 1945 als Käuferin. Wien hat sich in einem Gemeinderatsbeschluss 2001 verpflichtet, die Frage der betroffenen Liegenschaften zu klären und mögliche Konsequenzen aus den Ergebnissen zu ziehen. Entscheidungen werden bei der Schiedsinstanz des allgemeinen Entschädigungsfonds liegen.

 


 

Gedenken an die Opfer des Faschismus

Breiteneder Fotos: Freiheitskämpfer
Wie jedes Jahr fanden auch diesmal am 1. November, von den Landesverbänden veranstaltet, Gedenkfeiern für die Opfer des Austro- und des Nazifaschismus statt.

An der zentralen Kundgebung auf dem Wiener Zentralfriedhof nahmen einige hundert Genossinnen und Genossen der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer, der Wiener SPÖ-Bildungsorganisation und der Sozialistischen Jugend Wien teil. Hauptredner beim Mahnmal der Stadt Wien war diesmal BM a. D., Abg. z. NR Caspar Einem. Er befasste sich mit dem Gedenkjahr 2005 und mit der Entwicklung der Bürgergesellschaft in den letzten Jahren. Einem, Ströer, Slabina

Noch immer gibt es jene menschenverachtenden Gruppierungen und Denkweisen, die weiterhin bekämpft werden müssen.

Bei dem im April d. J. enthüllten Denkmal in der Gruppe 40 sprach der Landesvorsitzende Ernst Nedwed, der insbesondere der Opfer der NS-Justiz gedachte.

Bei den Denkmälern für die Februar- und Spanienkämpfer hielt die vor kurzem gewählte Vorsitzende der Sozialistischen Jugend Wien, Sandra Breiteneder, die Gedenkrede. Am Marsch zu den einzelnen Gedenkstätten nahmen auch zahlreiche Mandatare, u. a. Stadtrat DI Rudi Schicker, teil.

Gelbhard, Ludwig, Schicker Schon vor dem 1. November fand eine Kranzniederlegung der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs in der Krypta am Heldenplatz statt.

Anschließend wurde auch bei der Feuerwache der im Kampf gegen den Naziterror ermordeten Feuerwehrmänner gedacht. Beendet wurde diese Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft im Gedenkraum Salztorgasse und anschließend beim Denkmal auf dem Morzinplatz.

Einem, Ströer, Slabina In Favoriten, auf dem Reumannplatz, veranstaltete die dortige Bezirksgruppe unter der Leitung von Herta Slabina eine Gedenkkundgebung beim Denkmal gegen Faschismus und Krieg, bei der Ernst Nedwed die Gedenkrede hielt.

 


 

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