BG OBERSTEIERMARK

 

Wallisch-Gedenken in Leoben

Das Februargedenken in der Obersteiermark widmete sich am 10. Februar im Leobener Stadtsaal vor allem dem von den Austrofaschisten hingerichteten Arbeiterführer und Parlamentsabgeordneten Koloman Wallisch.

Nach Begrüßung der Teilnehmer an der Kundgebung - unter ihnen Landtagspräsident Siegfried Schrittwieser, EU-Abgeordneter Jörg Leichtfried und Bürgermeister Bernd Rosenberger - durch LAbg. Erich Prattes hielt DDr. Werner Anzenberger die Gedenkansprache. Unter dem Titel "Koloman Wallisch im Spiegel seiner Zeit" führte er unter anderem aus: Es war das Aufeinanderprallen der neuen Ideen des Fortschritts und der Kräfte des Beharrens, in dem Wallisch für das Los der Benachteiligten eintrat. Er war sicher ein Rebell gegen das Bestehende, aber er wusste, dass die Ziele nur ohne Gewalt zu erreichen sind - also auf dem Wege der Evolution. Für Wallisch war das Linzer Parteiprogramm der Sozialdemokraten von 1926 eine echte Verpflichtung. Mit dem klaren Bekenntnis zur gesellschaftlichen Veränderung wurde er zum Feindbild der bürgerlichen Seite, was so weit reichte, dass drei Männer des Heimatschutzes 1929 in Bruck an der Mur versuchten, ihn zu erschießen.

Als Mitkämpfer Wallischs 1934 berichtete anschließend der 92-jährige Fritz Inkret von der bewaffneten Auseinandersetzung an der Gösserbrücke; erschütternd seine Darstellung des Schwurgerichtsprozesses, von der Todeszelle und vom Abschied Wallischs von seiner Frau Paula.

Beim Mahnmal für die Opfer des Faschismus wurden in Anwesenheit der Verwandten Wallischs - der Familien Dr. Kolmer und Reich - Kränze der SPÖ und der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer niedergelegt. Die eindrucksvolle Feier wurde umrahmt vom Stadtchor Trofaiach und vom Bläserensemble der Bergkapelle Seegraben.

 


 

Gemeinsam in Linz und Bruck

Fitz Inkret und Genossen Fritz Inkret mit Genossinnen und Genossen aus der Obersteiermark
Foto: Freiheitskämpfer OÖ
Die oberösterreichischen Freiheitskämpfer legten am 12. Februar gemeinsam mit Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider und Bürgermeister Franz Dobusch im Hof des Parteihauses in der Landstraße in Linz (des ehemaligen Hotels Schiff) einen Kranz nieder. Auf dem Bulgariplatz gedachten sie des 1934 standrechtlich hingerichteten Anton Bulgari und der eingekerkerten 45 Genossinnen und Genossen.

Auf Einladung der Sozialistischen Jugend Oberösterreichs fuhren die Feiheitskämpfer gemeinsam mit Mitgliedern der oberösterreichischen und niederösterreichischen SJ nach Bruck an der Mur, um dort Koloman Wallischs zu gedenken. Der Vorsitzende der Landesgruppe Obersteiermark, Genosse Heribert Haring, und der Historiker DDr. Werner Anzenberger führten uns durch Bruck und zum Mahnmal für die Schutzbündler in den Friedhof St. Ruprecht.

Würdiger Abschluss unserer Gedenkfahrt waren die Erlebnisberichte Fritz Inkrets. Genosse Inkret wurde 1915 in Donawitz geboren. Sein Vater fiel 1918, seine Mutter musste die drei Kinder nun allein durchbringen. In den Kämpfen des 12. Februar 1934 verteidigte er zusammen mit drei Genossen eine Mur-Brücke, wurde am 13. Februar gefangen, vom Untersuchungsrichter in die Todeszelle gesperrt und dem Scharfrichter Lang vorgestellt, der ihn im Auftrag der christlichsozialen Ständestaatsjustiz hängen sollte. In die benachbarte Todeszelle kam Genosse Koloman Wallisch. Als Genosse Wallisch gehenkt wurde, sangen seine Mitinhaftierten die Internationale. Bis 1938 durfte Koloman Wallischs Grabstätte nicht mit Blumen geschmückt werden.

Mit viel Glück und durch einen mutigen und klugen Anwalt konnte Fritz Inkret vor der Todesstrafe bewahrt werden. Sein unprätentiöser Bericht hat bei allen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.