DER SOZIALDEMOKRATISCHE KÄMPFER - Nummer 04-05-06 / 2005

In dieser Ausgabe lesen Sie:

 


 

1945: "Volkssolidarität" für die Naziopfer

Faksimile Volkssolidaritaet Foto: Freiheitskämpfer
Die aus den Konzentrationslagern und Haftanstalten, oft auf abenteuerlichen und unendlich langen Fußmärschen, zurückkehrenden Frauen und Männer, denen die Nazis alles, aber auch alles gestohlen hatten, die praktisch nichts mehr am Leibe hatten, denen der Naziterror tiefe Furchen in ihr Antlitz grub und die verzweifelt bei verschiedenen Anlaufstellen in Wien nach ihren Angehörigen suchten, gehörten zum täglichen Straßenbild im befreiten Österreich. Unsere Genossin Alice Rusz, die mit unserer Ehrenvorsitzenden Erna Musik im November 1944 von Auschwitz nach Ravensbrück kam, beschrieb einst ihre Ankunft in Wien:
"Es war 6 Uhr abends, als wir am Wiener Praterstern ankamen. Ein Trümmerhaufen von ausgebrannten Ruinen und bombardierten Häusern sah uns entgegen. Erschüttert standen wir davor. Wir, das war eine Kameradin aus dem Lager, die mit mir die Heimreise angetreten hatte. Wohin jetzt mit uns? Wir gingen in den 2. Bezirk zu einer Adresse von Freunden. Auch dieses Haus gab es nicht mehr. Ratlos fragten wir herum, bis uns ein Mann sagte: ,Geht doch ins jüdische Spital in die Malzgasse.'
Wir gingen hin und fanden auch Aufnahme. Ein Saal mit 30 belegten Betten, lauter Kranke, aber wir genossen das reine, überzogene Bett! Welcher Luxus, ein Leintuch! Die nächsten Tage waren ein Irrweg des Suchens nach Menschen, die nach meiner Erinnerung in Wien geblieben sein könnten. Ein vergebliches Suchen ..."

Ende Mai, Anfang Juni 1945 kam es für diese Naziopfer zur Gründung einer zentralen, überparteilichen Hilfsorganisation "Volkssolidarität", die sich die Aufgabe stellte, alle politischen Opfer der Nazibarbarei zu unterstützen. Neben der zentralen Stelle im 1. Bezirk, Rathausstraße 9, bemühten sich in den einzelnen Bezirken Bezirksstellen der Volkssolidarität redlich, die Not unter den Opfern zu lindern und um die Erfassung der unter der nazistischen Gewaltherrschaft ermordeten Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer. In diesen Tagen zirkulierte auch ein Flugblatt der Volkssolidarität, gezeichnet von Genossin Frieda Nödl für die SPÖ, Josef Kohl für die KPÖ und Dr. Bruno Schmitz für die ÖVP, auf dem es unter anderem heißt:
"Alle diese antifaschistischen Helden waren einig im Kampf gegen die braune Pest und einig muss nun das befreite Volk von Österreich sein, wenn es gilt, einen Teil unserer Dankesschuld an sie abzustatten. Deshalb rufen die drei politischen Parteien Österreichs Euch alle zur Volks-Solidarität auf. Spendet reichlich Sachwerte und Beträge ... In den nächsten Tagen wird in jedem Haus die Sammelliste aufliegen, damit Ihr Eure Spenden abgeben könnt."

Die Aktivisten der Volkssolidarität mussten nicht zweimal bitten. Alleine die Wiener Stadtverwaltung stellte unmittelbar nach dem Spendenaufruf zur sofortigen Hilfeleistung 50.000 RM zur Verfügung. Aus dem ersten Jahresbericht der Volkssolidarität geht hervor, dass bei dieser Hilfsorganisation 9.094 Personen (KZler, politische Häftlinge, Hinterbliebene nach Justifizierten und Kinder, die in Familien der registrierten Opfer lebten) erfasst wurden.

Am "Tag der Volkssolidarität" am 17. Juni 1945 kam es zu einem Aufmarsch der überlebenden Opfer der Nazibarbarei vom Schwarzenbergplatz zum Parlament. Auf der Rampe des Parlaments begrüßte Bürgermeister Theodor Körner die Teilnehmer. Redner der politischen Parteien appellierten an den Geist der Einigkeit in den Konzentrationslagern und forderten die Ausrottung des Nazismus in Österreich. Der Vertreter der SPÖ, Heinrich Widmayer, der von 1934 bis 1944 siebenmal verhaftet und zusammen 37 Monate in Haft verbringen musste, darunter in Wöllersdorf und in der Kleinen Festung Theresienstadt, forderte eine gerechte Strafe für alle schuldhaften Nazis, meinte aber auch, dass die Mitläufer des Hitlerismus zu einem Steuerfonds für Unterstützung der Witwen und Waisen des Kriegs herangezogen werden sollten.

Den Aktivisten der "Volkssolidarität" war es auch ein großes Anliegen, die Gräber der ermordeten Opfer zu eruieren und für eine entsprechende Schmückung zu sorgen. "Ergreifend waren die Bemühungen der armen Frauen und Mütter", heißt es im ersten Jahresbericht dieser Organisation, "die die Begräbnisstätten ihrer lieben Toten zu ermitteln suchten. Zahllos waren ihre qualvollen Wege zwischen Landesgericht, Anatomie und Zentralfriedhof. Die letzten Mittel mussten geopfert werden, um wenigstens Spuren der Gräber zu finden ..." (Erst seit dem Gedenkjahr 2005 erinnert ein von der Stadt Wien gewidmetes Mahnmal in der Schachtgräbergruppe 40 des Zentralfriedhofes an die hier während der NS-Gewaltherrschaft verscharrten ermordeten Frauen und Männer.)

Die Hilfe der "Volkssolidarität" ermöglichte den Opfern der Nazibarbarei eine allmähliche Rückkehr in das normale Leben.
Als es still um diese Hilfsorganisation wurde, schuf die SPÖ im Oktober 1948 im Rahmen unserer Partei ein eigenes Opferfürsorgereferat unter dem Vorsitz von Rosa Jochmann.

Herbert Exenberger

 


 

Das Vergessen des Bösen erlaubt seine Wiederholung

Denkmal für die hingerichteten Widerstandskämpfer auf dem Wiener Zentralfriedhof enthüllt

Michael Häupl Foto: Freiheitskämpfer
Am 21. April 2005 wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 40, vom Wiener Bürgermeister Michael Häupl ein "Denkmal für die hingerichteten Widerstandskämpfer" enthüllt. Es steht an der Stelle, wo mindestens 1.377 der vom Nazi-Volksgerichtshof zum Tod verurteilten und in Wien hingerichteten NS-Opfer verscharrt wurden. Die Errichtung des Denkmals ist vor allem den Bemühungen des Wiener Landesvorsitzenden der Freiheitskämpfer, Ernst Nedwed, zu danken, der Bürgermeister Häupl für diese Ehrenpflicht an den Opfern gewinnen konnte. Das Denkmal wurde von Steinmetzmeister Leopold Grausam gestaltet.

Der Vorsitzende des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus, Alfred Ströer, führte unter anderem aus:
"Die Enthüllung eines Denkmals zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Barbarei ist für uns Überlebende, für die Angehörigen der ermordeten Frauen und Männer ein trauriger Anlass, aber auch ein wichtiges Ereignis. Wann immer wir jeweils am 1. November an den Gräbern unserer Toten standen, vermissten wir ein entsprechendes Mahnmal zur Erinnerung an die Frauen und Männer, die für ihre Ideale und für Österreich sterben mussten. Ein lange gehegter Wunsch ging nun in Erfüllung.

Im Zeitraum 1938 bis 1945 wurden am Wiener Zentralfriedhof - Gruppe 40 - die sterblichen Überreste von mindestens 1.377 Personen beerdigt, die entweder im Landesgericht Wien mittels Fallbeil oder auf der Schießstätte Kagran hingerichtet worden waren. Im Landesgericht fanden an manchen Tagen bis zu 40 Hinrichtungen statt. Darunter waren erschreckend viele junge Menschen.

Die erste Hinrichtung erfolgte am 6. Dezember 1938 - die letzte am 4. April 1945.

Nach welchen Kriterien hatten die Richter zu entscheiden? Der Reichsanwalt am Volksgerichtshof, Parisius, definierte 1938 diese so: Seine Aufgabe ist nicht, Recht zu sprechen, sondern die Gegner des Nationalsozialismus zu vernichten.

Unter den in Österreich Ermordeten waren Frauen und Männer im Alter zwischen 19 und 75 Jahren. Sie alle haben nicht auf die Moskauer Deklaration gewartet, die die Österreicher aufgefordert hat, einen Beitrag zur Befreiung zu leisten, sondern sie haben schon vor dem Jahr 1943, ab März 1938 Widerstand geleistet.

Wer waren die Opfer und was haben sie getan?
Im Oktober 1943 standen in Wien vier junge Leute, zwei Mädchen und zwei Burschen, vor dem V. Senat des Volksgerichtshofes in Wien. Sie waren 18, 19, 20 und 23 Jahre alt. Zwei der Angeklagten waren zur Zeit der Tat Jugendliche unter 18 Jahren. Ihre Namen sind: Leopoldine SICKA, 21 Jahre, Anna GRÄF - sie wurde vor ihrem 19. Geburtstag hingerichtet -, Franz SIKUTA, 23 Jahre, Karl MANN, 20 Jahre alt.

Der Senat, dem hohe SS- und SA-Führer angehörten, setzte sich über den §3 des damals geltenden Jugendgerichtsgesetzes hinweg, weil - wie es in der Urteilsbegründung heißt - "die Angeklagten zur Tatzeit einen Grad der Verstands- und Willensreife und ein Urteilsvermögen erreicht gehabt haben, das sie durchaus in die Lage versetzt hat, das Verwerfliche ihrer strafbaren Handlungen in voller Tragweite einzusehen und dieser Einsicht gemäß zu handeln".

Ihr Verbrechen? In Flugschriften verwiesen sie auf die Unsinnigkeit des Krieges, auf die Untaten der Nationalsozialisten und hatten Kontakt mit Soldaten. Sie wollten ein freies Österreich.

Einer anderen Wiener Gruppe gehörten an: Ernestine DIWISCH, 23 Jahre, Anna WALA, 23 Jahre, Fritz MUZYKA, 23 Jahre, Alfred RA-BOFSKY, 25 Jahre alt. Sie wurden am 8. Februar 1944 zum Tode verurteilt und zwischen dem 19. und 24. Mai 1944 hingerichtet. Auch ihre Körper liegen hier in der Gruppe 40.

Weitere uns bekannte Opfer waren u.a. Hedi URACH, Grete JOST, Franz SCHIPANY, Helene KAFKA (Schwester Maria Restituta), Eduard GÖTH, Johann Otto HAAS. Sie alle waren Opfer einer verbrecherischen Gesetzgebung. Die Anklage lautete meist: Vorbereitung zum Hochverrat. Strafausmaß: 1 Jahr bis Todesstrafe.

Dazu kam das "Heimtücke-gesetz", seit 31.3.1933 als Verordnung in Kraft.
Darunter fielen: Rundfunkverbrechen, wie Verbot des Hörens ausländischer Sender, sowie diverse Sondergesetze. Die Gestapo hatte in Österreich an die 2.000 Mitarbeiter. Aus der panischen Angst der Nazis vor Flugblättern, die über ihre Taten informierten, kam es zu drastischen Urteilen.

Während der NS-Zeit wurden im Bereich Großdeutschland von zivilen Gerichten 16.650 Todesurteile verhängt. Mehr als ein Viertel davon wurde vollstreckt. Der Volksgerichtshof allein fällte über 15.729 Todesurteile, 7.022 wurden vollstreckt. Die von den Nazis in den KZs und in Gestapokellern Ermordeten sind in diesen Zahlen unberücksichtigt.

Mit der Tätigkeit in unseren Verbänden ehren wir die unzähligen Opfer einer fürchterlichen Gewaltherrschaft am besten. Manche sprechen von Vergessen; vom Verdrängen. Wir hingegen erachten es als unsere Pflicht, an die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erinnern und der Opfer zu gedenken, auch wenn das für manche Unbelehrbare unangenehm ist. "Denn das Vergessen des Bösen ist die Erlaubnis zu seiner Wiederholung."

Nach Alfred Ströer ergriffen Oskar Wiesflecker vom KZ-Verband und Gerhard Kastelic von der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten das Wort. Wiesflecker erinnerte an die große Zahl der Kommunisten unter den Hingerichteten und gedachte auch des "weiblichen Widerstands". Kastelic verwies auf den Leidensweg auch der Angehörigen der Verurteilten und schilderte die grauenvolle Suche nach Verwandten unter den Hingerichteten.

Bürgermeister Häupl betonte, dass dieses Denkmal eine Mahnung an die Jungen sei, die bereits im freien Österreich geboren wurden. An den Überlebenden liege es, die Erinnerung weiterzutragen. Er wandte sich unter Hinweis auf die Aussagen der Bundesräte Kampl und Gudenus gegen wieder auftauchende Geschichtslügen.

An der von zahlreichen Antifaschisten besuchten Gedenkfeier nahmen unter anderem Vizebürgermeister Sepp Rieder, Kulturstadtrat Mailath-Pokorny, Landtagspräsident Johann Hatzl, AK-Präsident Tumpel, Gemeinderäte und Abgeordnete teil.

 


 

Einmalige Zuwendung für Opfer

Auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs beschäftigt sich der Nationalrat mit der Schaffung eines Gesetzes, mit dem aus Anlass des 60. Jahrestages der Befreiung vom NS-Regime eine einmalige Zuwendung für Widerstandskämpfer und Opfer der Verfolgung aus politischen Gründen und aus Gründen der Abstammung sowie deren Hinterbliebenen geschaffen wird.
Details dieses Gesetzes sollen voraussichtlich bei einer Ende Juni 2005 stattfindenden Sitzung des Nationalrates beschlossen werden. Genaueres in der nächsten Ausgabe.

 


 

Antifaschismus Kundgebung

Rund 1.200 Teilnehmer fanden sich am Abend des 8. Mai vor der Oper zu einer Demonstration gegen Faschismus ein. Der eigentliche Anlass - ein Burschenschafter-Aufmarsch zur "Totenehrung" - war nicht mehr gegeben; diese hatten sich, zum Unterschied von früheren Jahren, schon am Vormittag mit einer Kranzniederlegung am Grab des Unbekannten Soldaten am Burgtor begnügt. Michael Bonvalot vom Bündnis "8. Mai nazifrei" (SJ, GPA u. Linksgruppen) bezeichnete dies als Erfolg der Ankündigung der Gegendemonstration. Nun feierte man den 60. Jahrestag, beim Denkmal gegen Krieg und Faschismus nahe der Albertina fand eine Kundgebung statt.

 


 

Bundespräsident Fischer: "Niemals wieder"

FK-Zug in Mauthausen Die Delegation der Freiheitskämpfer in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Foto: Freiheitskämpfer
Bundespräsident Heinz Fischer erneuerte in seiner Gedenkrede das Gelöbnis "Niemals wieder". Er stellte fest, die Verbrechen der NS-Zeit seien durch nichts zu relativieren, und dankte den Alliierten für die Befreiung Österreichs.

Der Bundespräsident bedauerte, dass die Zahl der Überlebenden der Konzentrationslager immer geringer werde. Ihnen stehe aber eine immer größere Zahl gegenüber, die sich gemeinsam vor den Opfern der Unmenschlichkeit verneigten und das Gelöbnis "Niemals wieder" erneuerten. Fischer rief zum Kampf für die Demokratie und die Menschenrechte in den Ländern Europas und der Welt auf. Das sei man denen schuldig, die in den KZ ermordet wurden.

Der Bundespräsident bat die Menschen, dafür einzutreten, dass sich die Verbrechen nicht wiederholen, dass sie die un-überbietbare Schande brandmarken und die Kraft haben, um Verzeihung zu bitten. Der Zivilisationsbruch durch den Nationalsozialismus habe zu große Spuren hinterlassen, als dass nachfolgende Generationen darüber hinwegsehen könnten.

Das Ende des Krieges und der Hitler-Diktatur sei eine doppelte Befreiung gewesen, stellte Fischer fest und drückte seine Dankbarkeit für die Opferbereitschaft der Soldaten der alliierten Armeen aus. Es sei richtig, dass es auch nach der NS-Zeit Diktaturen und Menschenrechtsverletzungen gegeben habe. Er sei aber nicht zu einer Aufrechnung und damit einem Relativieren der Geschehnisse in den Konzentrationslagern bereit. Der Bundespräsident erinnerte daran, dass die Hälfte der 200.000 in Mauthausen und seinen Nebenlagern Inhaftierten nicht überlebt habe. Die damalige planmäßige Vernichtung gehe über das menschliche Vorstellungsvermögen hinaus. Das sei einer der Gründe, warum so vieles so lange verdrängt worden sei. Aber Wegschauen und Verdrängen sei keine Lösung. Die Erinnerung sei auch ein Schutzschild gegen das Böse, betonte Fischer.

 


 

Liechtenstein: "Vorbilder für Österreichs Jugend"

Der Nationalratsabgeordnete Dr. Vincenz Liechtenstein (ÖVP) erklärte im Anschluss an die Befreiungs-Gedenkveranstaltung in Mauthausen gegenüber dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW): "Es muss mehr getan werden, um der Jugend ein umfassendes Geschichtsbild zu vermitteln." Kenntnis der Fakten sei auch hilfreich, um Blamagen zu vermeiden. Dass es einigen an Grundwissen fehle, hätten "die Peinlichkeiten im Bundesrat" gezeigt. "Gudenus sollte rasch sein Mandat niederlegen", fordert Liechtenstein.

Die "Unteilbarkeit der Geschichte" schließt nach Ansicht von Vincenz Liechtenstein auch "Verdienste von Österreichern ein, die im Kampf gegen die braune Barbarei ihr Leben geopfert haben". Anhand zweier Beispiele - Robert Bernardis und Anton Schmid - wolle er deutlich machen, betont Liechtenstein, "dass Österreich bisher zu wenig getan hat, um seine Märtyrer des Widerstandes angemessen zu ehren". Eine Gedenktafel genüge nicht. Tiefe Verankerung der Erinnerung im breiten Bewusstsein der Bevölkerung sei anzustreben: "Bernardis kämpfte an der Seite Stauffenbergs für den Sturz des NS-Regimes, die Befreiung aller besetzten Gebiete und die rasche Beendigung des Krieges. Dieser heldenhafte Widerstand war ein notwendiger Schritt zur Selbstbefreiung, der der Welt zeigte, dass es bei uns Menschen gab, die Diktatur und Ideologie der Nazis klar ablehnten."

Dass zahlreiche Christen damals im Widerstand an vorderster Front standen, hebt Liechtenstein besonders hervor: "Ein katholischer Märtyrer und österreichischer Nationalheld wie Feldwebel Anton Schmid darf nicht in Vergessenheit geraten.

In Deutschland - noch nicht in Österreich - wurde eine Kaserne nach ihm benannt. In Haifa trägt eine Straße seinen Namen. Israel ehrt ihn als Gerechten der Völker. Er wurde zur Wehrmacht eingezogen und nach Litauen geschickt. Sein Auftrag lautete, versprengte Soldaten aufzugabeln. Er nutzte seine Stellung, um - vom Sommer 1941 bis zu seiner Festnahme und Ermordung 1942 - dreihundert Juden das Leben zu retten. Mit seinem tapferen, selbstlosen Einsatz ist er ein Vorbild.

Österreich ist nicht frei in der Wahl seiner Geschichte. Aber wir können frei entscheiden, wen wir ehren und woran wir unsere Traditionen knüpfen", schloss Liechtenstein.

 


 

Gedenktafel für Bernaschek und im KZ ermordete Sozialdemokraten

Haider, Gusenbauer, Ströer bei Bernaschek OÖ-Landesvorsitzender Erich Haider, SPÖ-Chef Gusenbauer und Alfred Ströer
Foto: Freiheitskämpfer
Bei der anlässlich des 60. Jahrestages abgehaltenen Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen wurden vom Bund Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer und von der Landesorganisation der SPÖ Oberösterreich zwei neue Gedenktafeln gewidmet. Eine gedenkt des im KZ Mauthausen ermordeten Landesobmannes des Republikanischen Schutzbundes, Richard Bernaschek: Eine alte Tafel wurde mit einem erläuternden Text ergänzt. Eine zweite Gedenktafel erinnert an alle im KZ Mauthausen ermordeten Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Die Enthüllung der beiden Gedenktafeln wurde in einer kleinen Feier von SPÖ-Bundesvorsitzendem Alfred Gusenbauer, LH-Stv. Erich Haider und vom Bundesvorsitzenden der Freiheitskämpfer, Alfred Ströer, vorgenommen.

 


 

Schönborn: "Gegen die Schatten von damals"

Kardinal Christoph Schönborn erinnerte in seiner Rede daran, dass Österreicher nicht nur unter den Opfern, sondern auch unter den Tätern waren. Er sprach von einem "Stück Hölle auf Erden", in dem fast sieben Jahre lang das Böse zu Hause gewesen sei. Der "Kampf gegen die Schatten von gestern" sei nie gewonnen, betonte Schönborn.

Man müsse mit der Gleichzeitigkeit von Trauer und Schande, von unermesslichem Leid und grenzenloser Brutalität leben. In Mauthausen seien damals keine "Bestien", keine "blindwütigen Fanatiker einer anderen Kultur, Religion oder Zivilisation" am Werk gewesen, so der Kardinal: "Nein, es waren Menschen wie wir. Mit Frauen und Kindern zu Hause, die sie liebten. Jeder von uns hätte beides gewesen sein können."

Was immer wieder zur Erinnerung zwinge, sei das "Eingeständnis unserer Schwachheit und unserer Verführbarkeit". Auch wenn unter den Opfern des nationalsozialistischen Terrors viele gewesen seien, die für ihren christlichen Glauben gelitten hätten und ermordet worden seien, müsse man sich eingestehen, wie viel Versagen und Schuld auch Christen auf sich geladen hätten, so Kardinal Schönborn.

 


 

Zapatero: Spanische Opfer unvergessen

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero (Sozialisten/PSOE) gedachte im ehemaligen KZ Mauthausen jener rund 8.000 Spanier, die während der NS-Diktatur in diesem Lager interniert waren. Zapatero würdigte in einem Festakt den Beitrag der ehemaligen spanischen Republikaner für Demokratie und Frieden in Spanien. Nur 2.000 der 8.000 haben das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt.

Die Republikaner waren nach der Niederlage im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) vor den siegreichen Truppen des späteren Diktators Francisco Franco in das ab 1940 von Deutschland besetzte Frankreich geflohen. Von dort wurden sie in die KZs Buchenwald, Dachau und vor allem Mauthausen deportiert. Franco hatte im Juli 1936 gegen die reformorientierte linksgerichtete Zweite Republik geputscht und damit einen dreijährigen Bürgerkrieg entfacht. Im Jahr 1939 errichtete Franco eine Diktatur.

Zapatero erinnerte auch daran, dass den spanischen Republikanern nach ihrer Freilassung die Heimkehr nach Spanien zumeist - bis zum Tod Francos - verwehrt blieb: "Sie haben euch ungerechterweise ohne Heimat gelassen. Heimat ist nur ein Land mit Freiheit und Gerechtigkeit."

 


 

Leugner der Geschichte

Fuenf Fragen an Kampl Leserbrief aus der Zeitung "Die Presse" vom 7. Juni 2005
Nicht nur die Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer sind "empört und tief betroffen" (siehe Seite 2) über die Äußerungen, mit denen an die Öffentlichkeit zu treten sich die Bundesräte Siegfried Kampl und John Gudenus keineswegs genierten. Es besteht weithin Übereinstimmung in der Ablehnung solcher Haltungen, die bewusst auf mangelnder Bereitschaft zur Kenntnisnahme historischer Tatsachen beruhen - wohl letztlich aus dem Grund, offenbar Sympathien für die braune Vergangenheit nicht aufgeben zu wollen. Und so manche Stimme aus dem Lager der FPÖ, aus dem die beiden genannten Herren stammen und das sie nur notgedrungen verlassen haben, beweist, dass man Entschuldigungen parat hat, die vermuten lassen: Dabei steht nicht eine überzeugte Ablehnung Pate, sondern der Wunsch, die Rechtsaußen nicht zu vergrämen, weil man sonst auch noch der Kerntruppe der Partei, oder heute zweier Parteien, die um sie buhlen, verlustig ginge.

Die Halsstarrigkeit jenes Mannes, der seine Sager von der Nazi-Verfolgung nach 1945 und den Deserteuren als Kameradenmörder nicht zurücknehmen will, hat zu der für Österreich einigermaßen peinlichen Notlösung geführt, dass er nur mit einer Verfassungsänderung wenigstens vom Präsidentenstuhl des Bundesrats ferngehalten werden kann, sodass ihm die zweifelhafte Ehre zuteil wurde, mit einer "Lex Kampl" in die Geschichte einzugehen. Des anderen hartnäckigen Zweiflers an dem Bestehen von Gaskammern in Hitlers Reich hat sich nun wenigstens die Staatsanwaltschaft angenommen, die zwar das Bezweifeln noch nicht als Gesetzesverstoß sehen wollte, nun aber bei Verbreitung offenkundiger Unwahrheiten ("nicht im Dritten Reich") wohl wird eingreifen müssen.

Dass Gudenus dazu anmerkt, die Gaskammern seien "nur in Polen" gewesen, ist auch im Speziellen eine Provokation. Denn Polen hat es bekanntlich damals nicht gegeben; sogar in ihrer Bezeichnung "Generalgouvernement" vermieden sie das Wort des Landes, das sie überfallen hatten. Die zweite Unrichtigkeit in der provokativen Bemerkung: Auschwitz-Birkenau lag nicht im "Generalgouvernement", sondern war dem Reichsgau Oberschlesien einverleibt worden, also jedenfalls seit 1940 unmittelbares Reichsgebiet. Und die dritte Unrichtigkeit: Gaskammern gab es durchaus auch in einigen schon in Friedenszeiten errichteten Konzentrationslagern im Reichsgebiet, zum Beispiel in Mauthausen.

Es hat sich jedenfalls wieder einmal gezeigt, welchen Sinns so mancher ist, der von der FPÖ in höchste Ämter und Funktionen gehievt wurde. Dass in Österreich Abgeordnete parlamentarischer Institutionen solche Äußerungen vor vollem Haus vorbringen und sich dafür keineswegs als "Ausrutscher" entschuldigen, sondern dazu bekennen, ist nicht nur empörend, sondern ist auch für das Bild, das sich manche Stimme im Ausland (zugegeben: oft nur zu gerne) macht, schädlich.

Aber, wie die einhelligen Reaktionen in Österreich zeigen, werden die Ansichten von Kampl und Gudenus auch in unserem Land von niemandem mehr hingenommen. Peinlich bleibt, wenn Haider, der dereinst in Innsbruck von Kampl (und dem Nazi-Buchstabierer und neuerdings als Spesenritter auftretenden Gaugg) auf die Schultern gehoben wurde, die "traumatischen Erlebnisse" seines Freundes als Entschuldigung für dessen Ausfälle anführt. Anderes als die nebenstehend angeführte Leserbrief-Schreiberin braucht man dazu nicht zu sagen.

Zugleich dürfte auch eine andere Eiterbeule aufbrechen, die offenbart, was von der "Sauberkeitspartei" wirklich zu halten ist. Mit Spesenabrechnungen in Millionenhöhe geraten nun Funktionäre bis hinauf zur Spitze, zu Jörg Haider und seiner Ex-Nachfolgerin als Obfrau, Susanne Riess-Passer, unter Druck, und man darf mit Spannung erwarten, was die Erhebungen über deren Dauerreisen und Luxusanschaffungen ergeben. Der vordergründig agierende Aufdecker der Alt-FPÖ Strache präsentiert sich als neuer Saubermann - die leere Parteikasse wird ihn notgedrungen vor ähnlichen Versuchungen bewahren.

Jedenfalls vervollständigt auch dies das Bild, das sich die Österreicher von den Stützen machen können, auf die Bundeskanzler Schüssel für das Überdauern seiner Regierung baut.

Manfred Scheuch

 


 

OÖ: Neuer Vorstand

Peter Weidner Peter Weidner
Foto: Freiheitskämpfer
Der Landesverband Oberösterreich des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus hielt am 14. Jänner und 21. April 2005 eine Landeshauptversammlung ab, bei der der neue Landesvorstand gewählt wurde. Vorsitzender: Peter Weidner, Stv. Vorsitzende: Sabine Schatz, Dr. Helmut Fiereder, Thomas Hausleitner und Wolfgang Huber; Schriftführerin und Stv. Schriftführer: Ingrid Mailburger; Kassier und Stv. Kassierin: Walter Prieschl und Helga Kain; Beisitzer: Kurt Datzberger, Michael Eibl, Dr. Robert Eiter, Gerlinde Gierlinger, Helmut Edelmayr, Thomas Höpfl.


 


 

Dreifache Gratulation

Bei der Juni-Sitzung des Bundesvorstandes der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer gratulierte Alfred Ströer namens des Präsidiums Fritz Inkret zu seinem 90., Walter Faderny zu seinem 80. und Johann Stippel zu seinem 65. Geburtstag.
Alfred Ströer hob die Leistungen und Verdienste unserer Mitkämpfer hervor: Fritz Inkret, der als Februarkämpfer in Leoben vor dem Standgericht der Austrofaschisten stand, Walter Faderny, der nach vielen Tätigkeiten in der niederösterreichischen Partei und im Freien Wirtschafts-verband die Funktion des Kontrollvorsitzenden im Bund übernommen hat, und Johann Stippel, der nach seiner langjährigen Arbeit im Nationalrat vor allem in Wiener Neustadt, nämlich im Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung als auch im Mauthausenkomitee in dieser Region zusammen mit anderen GenossInnen wichtige Aufgaben, wie z.B. die Denkmalstiftung in der Serbenhalle, erfüllt.

Manfred Scheuch

 


 

Alis Buch, Karikatur und Geburtstag

Ali KohlbacherAlfred Kohlbacher 70
Karikatur v. Kohlbacher Karikatur: Ali Kohlbacher
Eingeladen wurde zur Eröffnung einer Ausstellung über Karikaturen und zur Präsentation des Buches "Im Brennglas" von Ali Kohlbacher. Als Überraschung haben seine Freunde und Mitveranstalter dies mit einer Feier zum 70. Geburtstag verbunden. Unter den Gästen befanden sich der Botschafter der Republik Kuba, José Ramón Cabañas Rodríguez, und viele Freunde aus allen Bereichen der Sozialdemokratie und internationaler Solidaritätsgruppen. Namens der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer hielt Alfred Ströer eine Laudatio für den engagierten Mitkämpfer für Frieden und Sozialismus, gegen Krieg und Faschismus.

Ali Kohlbacher ließ sein Leben und insbesondere sein politisches Engagement Revue passieren und freute sich über die Zuneigung, die ihm bei dieser Feier zuteil wurde. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von einer Gruppe chilenischer Freunde.
Das Buch mit Karikaturen und Texten "Im Brennglas" ist in der SPÖ-Buchhandlung Löwelstraße erhältlich.

Herbert Exenberger

 


 

Renner-Haus in Tschechien

Bundespräsident Heinz Fischer hat vor kurzem gemeinsam mit dem Staatspräsidenten der Tschechischen Republik Václav Klaus in Dolní Dunajovice (Unter-Tannowitz) in Südmähren nahe dem Grenzübergang Drasenhofen das renovierte "Dr. Karl Renner-Geburtshaus" feierlich eröffnet. An dem Festakt nahmen auch die Landeshauptleute Wiens und Niederösterreichs, Michael Häupl und Erwin Pröll, sowie der Präsident der Österreichisch-Tschechischen Gesellschaft, Altbürgermeister Helmut Zilk, teil.

Fischer sagte in seiner Ansprache, Karl Renner habe sowohl am Übergang von einer grausamen Diktatur zur Demokratie als auch schon am Übergang von der Monarchie zur Republik eine ganz wichtige Rolle gespielt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es ihm, so rasch wie möglich Wahlen zu organisieren, was für die Entwicklung Österreichs unendlich wertvoll war. "Karl Renner war eine faszinierende Persönlichkeit, wenn auch nicht frei von Fehlern", sagte Fischer.

Staatspräsident Klaus sagte, als tschechischer Politiker wäre er wahrscheinlich auf der "anderen Seite der Politik" gestanden und hätte auch die Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich anders gesehen als Renner. Jedenfalls sei dieser ein bedeutender sozialdemokratischer Politiker, Publizist, Kanzler und Bundespräsident gewesen, mit seiner pragmatischen Einstellung ein Integrationsfaktor für Österreich.

Die Eröffnung des Renner-Hauses sei ein bedeutender Moment für das österreichisch-tschechische Verhältnis, wozu auch das unermüdliche Engagement der Österreichisch-Tschechischen Gesellschaft beitrage.

 


 

"Das neue Österreich"

Dank der Initiative von Hannes Androsch, Peter Weiser und Herbert Krejci hat Österreich seit Mai doch eine repräsentative Ausstellung im Belvedere zum Staatsvertragsjubiläum bekommen. Ursprünglich wollte ja die Regierung gar keine große Ausstellung, erst Androsch hat dann für eine solche geworben. Die Schau im Belvedere behandelt mit zahlreichen Dokumenten, Fotos, Gemälden und anderen Schaustücken die geschichtlichen Perioden vom Ausklang der Monarchie über Erste Republik, Ständestaat, NS-Zeit bis zum EU-Beitritt. Im Beitrag über die NS-Zeit gibt Helene Maimann auch der Judenverfolgung und dem Widerstand breiten Raum. Der schauerlichste Gegenstand ist ein Original-Schafott aus dem Kriminalmuseum. Geöffnet bis 1. November 2005.

 


 

Gudenus wird ausgeliefert

Die Behauptung des Bundesrats John Gudenus, es habe im Dritten Reich keine Gaskammern gegeben, veranlasste die Staatsanwaltschaft, vom Wiener Landtag dessen Auslieferung zu verlangen. Erst nach Zustimmung kann ein gerichtliches Verfahren beginnen, ob Gudenus damit gegen das Verbotsgesetz verstoßen hat. Sowohl seitens des SPÖ- als auch des ÖVP-Gemeinderats-Klubs wurde erklärt, man werde dem Antrag des Staatsanwalts auf jeden Fall zustimmen. Allerdings muss zuerst der Immunitätsausschuss die Frage behandeln, dann wird dessen Entscheidung dem Landtag vorgelegt. Die SPÖ hält dies nicht für erforderlich. Die Gesetze reichen aus. Die Grünen verlangen eine Gesetzesänderung, die auch öffentliches Bezweifeln strafbar macht.

 


 

Vor 60 Jahren: Wiedergründung der Sozialistischen Jugend

SJ Gruppenfoto 60 Jahre Erinnrung der SJ gemeinsam mit Josef Staribacher (li.) und Ernst Nedwed
Die Sozialistische Arbeiterjugend wurde vom austrofaschistischen Regime im Februar 1934 verboten. Viele junge Sozialisten kämpften damals Seite an Seite mit dem Republikanischen Schutzbund gegen das autoritäre Dollfuß-Regime. In der Illegalität arbeitete die Revolutionäre Sozialistische Jugend politisch weiter. Deshalb wurde nach der Befreiung von der Nazi-Herrschaft die SJ nicht neu, sondern wiedergegründet.

Am 28. April 1945 wurde bei einer Versammlung in der Ebendorferstraße, die von Jenny und Peter Strasser einberufen wurde und bei der Genossen aus der Illegalität, wie Franz Gawlik, Hubert Pfoch, Andreas Fischer, Josef Staribacher, Ernst Richter, sowie einige Funktionäre der Kinderfreunde anwesend waren, mit der Sozialistischen-Jugend-Arbeit begonnen. Damit wurde ein Plan des designierten Staatssekretärs in der Regierung Renner, Ernst Fischer (KPÖ), eine Einheitsjugendorganisation (FÖJ) für alle poltischen Richtungen zu schaffen, durchkreuzt.

Der Ende Oktober 2004 neu gewählte Verbandsobmann der Sozialistischen Jugend, Ludwig Dvorak, lud anlässlich des 60. Jahrestages der Wiedergründung zwei Vertreter der SJ aus dem Jahre 1945 zu einem Erinnerungstreffen vor dem Parteihaus Löwelstraße ein. Es waren dies Josef Staribacher, der erste Wiener Vorsitzende der Sozialistischen Jugend und spätere Minister in der Regierung Kreisky, und Ernst Nedwed, der im Mai 1945 als Sechzehnjähriger der SJ beigetreten war.

Staribacher war schon vor 1934 bei den Roten Falken und hatte zwischen 1934 und 1938 mit mehreren illegalen Gruppen der RSJ Kontakte. Im Gespräch erinnerte sich Josef Staribacher, der von 1939 und 1940 im Konzentrationslager Buchenwald interniert war, dass es unter dem NS-Regime nur mehr unter Lebensgefahr möglich war, weiterhin politisch aktiv zu sein. Trotzdem gab es mutige Genossinnen und Genossen wie Ernestine Diwisch, die in einer illegalen Gruppe mithalf, Aufklärungsarbeit unter Soldaten der deutschen Wehrmacht zu leisten. Sie wurde vom NS-Volksgerichtshof als Zweiundzwanzigjährige zum Tode verurteilt und im Wiener Landesgericht durch das Fallbeil hingerichtet.

Bereits im Mai 1945 fand die Sozialistische Jugend sehr viel Zuspruch unter den Wiener Jugendlichen und später auch in ganz Österreich, weil das System des Drills und des Terrors in der NS-Ära in weiten Teilen der Jugend Widerstand ausgelöst hatte. Nur ein kleiner Teil waren begeisterte Hitlerjungen, die letztlich auch enttäuscht über das unrühmliche Ende der NS-Ära waren.

Schon ab Juni 1945 wurden in Kritzendorf einwöchige Schulungen abgehalten, die von Genossinnen und Genossen aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland besucht wurden. In den Gruppen und Bezirken der SJ standen neben der Bildungsarbeit auch kulturelle Veranstaltungen sowie Sport und Wanderungen auf dem Programm. In Anbetracht fehlender Freizeiteinrichtungen war dies eine sehr erfolgreiche Strategie.

Ernst Nedwed, der später Abgeordneter im Wiener Landtag und Nationalrat war und heute Vorsitzender der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer in Wien ist, betonte, dass die SJ schon damals ganz bewusst als antifaschistische Organisation wiedergegründet wurde. Funktionärinnen und Funktionäre wie Peter und Jenny Strasser oder Josef Hindels kamen ja durchwegs aus dem Widerstand oder aus der Emigration.

Josef Staribacher illustrierte diesen Umstand durch eine Anekdote: "Als wir eines Tages auf dem Wege nach Kritzendorf durch Klosterneuburg marschierten, haben wir geglaubt, unseren Augen nicht trauen zu können. Es gab dort noch immer eine Straßentafel mit der Aufschrift Adolf-Hitler-Platz. Wir machten eine Räuberleiter und montierten das Schild kurzerhand ab und dies unter dem Applaus von Passanten und vor allem Genossinnen und Genossen der SPÖ."

Abschließend begrüßte Ernst Nedwed, dass die SJÖ heute nach wie vor den Antifaschismus als einen Schwerpunkt ihrer Arbeit betrachtet. Die SJ, die in fast allen Bundesländern, insbesondere aber in Wien, wieder sehr stark geworden ist, ist ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus.

E. N.

 


 

Erika Weinzierl 80

Die langjährige Leiterin des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, Univ.-Prof. Erika Weinzierl, stand jüngst anlässlich ihres 80. Geburtstags im Mittelpunkt einer Festveranstaltung im Wien Museum.

Die habilitierte Kirchenhistorikerin fand gerade von ihrem ursprünglichen Forschungsgebiet, der katholischen Kirche, zur Zeitgeschichte. Sie sah sich nämlich dabei mit der Rolle des katholischen Antisemitismus konfrontiert, der zweifellos auch politische Auswirkungen hatte, nicht nur in der gehässigen Judenfeindschaft der Christlichsozialen von Lueger bis Kunschak, sondern auch in der Aufbereitung eines ideologischen Untergrunds, der letztlich in der von vielen betriebenen und von noch mehr begrüßten oder geduldeten Ausrottungsmanie Hitlers gipfelte.

Erika Weinzierl hat es gewagt, dieses Feld der Zeitgeschichte mit ihrem Buch "Zu wenig Gerechte" in den frühen Siebzigerjahren aufzudecken, als zu diesem Thema noch weitgehend gesellschaftliches Schweigen herrschte. Sie heizte damit die öffentliche Debatte über die "Täter" an, die damals noch gern unter dem Mantel des "Hitler-Opfers" Österreich versteckt blieben. Kein Wunder, dass ihr Bestehen auf "Permanenz der Erinnerung" besonders von der FPÖ wütend bekämpft wurde.

 


 

"Jetzt ist er bös, der Tennenbaum"

Der ,Herr Karl' wollte einem Typus auf die Zehen treten, und ein ganzes Volk schreit ‚Au'", kommentierte Hans Weigel die weithin geäußerte Empörung, als 1961 Helmut Qualtingers "Herr Karl" über die Bildschirme gelaufen war. Ausgerechnet im "Jubeljahr" 2005 sah man nun im Jüdischen Museum Wien eine Ausstellung unter obigem Titel, zu der zwar schon seit einigen Jahren Material zusammengetragen worden war, die aber gerade anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Zweiten Republik auch als - wenn auch für so manchen peinlicher - Beitrag dazu gesehen werden muss. Zur Erinnerung: Der Herr Karl, vielseitiger Mitläufer und Wendehals, erzählt verwundert, dass der aus der Emigration zurückgekehrte Tennenbaum, den er 1938 zur berüchtigten "Reibpartie" - "a Hetz'" - holte, seinen Gruß nicht erwidert.

Das Verhalten auch des offiziellen Österreich zu diesem Komplex war lange wahrlich kein Ruhmesblatt angesichts der mehr als 67.000 Ermordeten und 120.000 Vertriebenen. Erst durch die Waldheim-Debatte ist etwas aufgebrochen, worüber zuvor gern geschwiegen wurde, und Vranitzky suchte als Erster neue Wege einer Aufarbeitung. Die Dokumentation im Jüdischen Museum erlaubte einen Blick auf ein Verhalten, das ebenfalls zu der Erinnerungsarbeit gehört, die heuer großgeschrieben wird.

 


 

Buchenwald-Feier

An der zentralen Gedenkfeier am 10. April zum 60. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau Dora nahmen auch unser Genossse Eduard Goldmann und die österreichische KZ-Vereinigung Buchenwald unter der Leitung ihres Obmannes Albert Dlabaja teil.

 


 

March of the Living

Jugendliche in Auschwitz Österreichische Jugendliche beim Gedenkmarsch von Auschwitz nach Birkenau
Foto: Freiheitskämpfer
Freunde, Mitglieder unseres Bundes, unter ihnen einige, deren Eltern dem Rassenwahn der Nazis ausgesetzt waren oder Widerstand gegen den Faschismus leisteten, beteiligten sich am 5. Mai an dem internationalen March of the Living von Auschwitz nach Birkenau, organisiert von einem jungen Team der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.


 


 

1940: Sozialistische Solidarität auf der Anklagebank

Hans Gmeiner Hans Gmeiner
Fotos: Fotoarchiv der Stadt Wien, DÖW
Einem Bericht der Gestapo aus dem Jahre 1939 ist zu entnehmen, dass im Zuge monatelanger Ermittlungen erhöhte Aktivitäten "illegaler Organisationsteile" registriert werden konnten. Besonders ins Auge fiel die konspirative kommunistische Tätigkeit, die am 22. August 1939 in Wien und Wiener Neustadt Anlass zu einer Verhaftungswelle gab, bei der auch die bisher unauffällig überwachten Mitglieder der Revolutionären Sozialisten festgenommen wurden. Nach Einschätzung der Gestapo befanden sich unter den 44 als Revolutionäre Sozialisten eingestuften Personen 12 führende Funktionäre der RS. Unter ihnen waren Franz Pfannenstiel, Robert Uhlir, Helene Potetz, Friedrich Löwy, Otto Skritek, Hans Gmeiner, Otto Probst, Franz Koci, Rudolfine Muhr, Karl Honay u. a.

Gegen fünf Personen aus dieser Gruppe, nämlich Pfannenstiel, Uhlir, Löwy, Gmeiner und Potetz, wurde am 13. Juni 1940 Anklage wegen Vorbereitung zum Hochverrat erhoben. Mitangeklagt waren außerdem Ida Fürnberg, Hermine Hromada, Marie Pokorny, Karoline Proksch und Frieda Weinlich, die in der Zeit von 5. September bis 26. Oktober 1939 festgenommen worden waren. Sämtliche Beschuldigte, mit Ausnahme von Helene Potetz, waren zu diesem Zeitpunkt ohne Verteidiger. Ihnen wurde vorgeworfen, vom Frühjahr 1938 bis Herbst 1939 Vorbereitungen getroffen zu haben, um mit Gewalt die Verfassung des Reichs zu ändern, einen organisatorischen Zusammenhalt herzustellen und aufrechtzuerhalten.

Karoline Proksch Karoline Proksch
Im Juni 1939 wurde die Organisation der Sozialistischen Arbeiterhilfe (SAH) von der Gestapo zerschlagen. Ihre Leiter, unter ihnen Friederike Nödl, Wilhelmine Moik und Karl Holoubek, wurden festgenommen und angeklagt und in weiterer Folge zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. In dieser Situation beschloss der gelernte Eisengießer, ehemalige Schutzbündler und Februarkämpfer Franz Pfannenstiel, politische Gefangene, deren Angehörige und politische Flüchtlinge mit kleineren Geldbeträgen zu unterstützen und ihre Lebenssituation zu verbessern. Bei diesen Bemühungen sollte ihn Helene Potetz, die bis zum Verbot der Sozialdemokratischen Partei im Jahre 1934 bei der sozialdemokratischen Bildungsorganisation angestellt war und von der er wusste, dass sie gute Kontakte zu Otto Bauer und zum "Auslandsbüro österreichischer Sozialdemokraten" (ALÖS) hatte, unterstützen. Konkret sollte ihre Freundin, Frieda Weinlich, die Verbindungen zu Emigrantenkreisen in Brünn und zum Bruder von Dr. Otto Haas, Josef Haas, herstellen, der die Sekretariatsarbeiten des ALÖS erledigte.

Eines Tages erhielt Pfannenstiel durch eine Botin des in Paris lebenden RS-Obmannes Joseph Buttinger Informationen über illegale Fluchtwege, die von Vorarlberg in die Schweiz führten, und den schriftlichen Hinweis: "Geh zur Anna Schilder, Rudolf-Alt-Platz 5, berufe Dich auf die Liesl und verlange x kg Wolle, die Wolle verwende zur Unterstützung von inhaftierten Genossen und für Auswandererzwecke." Franz Pfannenstiel kam der Aufforderung nach, ging zu Anna Schilder, verlangte fünf Kilogramm Wolle und erhielt daraufhin 500 RM, die er für seine Hilfsaktionen verwendete. Z.B. überbrachte er zu Weihnachten 1938 Hermine Olah für ihren in Dachau inhaftierten Sohn, Franz Olah, einen Geldbetrag, den diese an ihren Sohn weiterleitete.

Franz Pfannenstiel Franz Pfannenstiel
Ida Fürnberg, Robert Uhlir, Friedrich Löwy, Marie Pokorny, Karoline Proksch und Hermine Hromada standen in engem Kontakt mit Pfannenstiel, Potetz und der Leitung der RS. Sie unterstützten deren vielfältige humanitäre Tätigkeit, indem sie wichtige Kurierdienste leisteten, im Sinne der SAH Geldbeträge weiterleiteten und Hilfesuchenden die illegale Auswanderung erleichterten.

Franz Pfannenstiel und Helene Potetz wurden bei dem am 20. November 1940 abgehaltenen Prozess zu Zuchthausstrafen von zwei Jahren und drei Monaten bzw. zwei Jahren und einem Monat verurteilt. Für die Dauer von zwei Jahren wurden ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Robert Uhlir, Friedrich Löwy, Ida Fürnberg, Frieda Weinlich, Marie Pokorny, Hermine Hromada und Karoline Proksch wurden zu Gefängnisstrafen zwischen 12 und 17 Monaten verurteilt. Der zugleich mit Pfannenstiel verhaftete arbeitslose Industriekaufmann Hans Gmeiner war am 21. Juli 1940 während der Untersuchungshaft im Inquisitenspital des Landesgerichts verstorben. Franz Pfannenstiel wurde nach Verbüßung der über ihn verhängten Strafe in das NS-Konzentrationslager Dachau überstellt, wo er mit dem zuvor von ihm unterstützten Franz Olah zusammentraf. Im November 1944 wurde er zu einem Strafbataillon eingezogen, geriet in Gefangenschaft und verstarb dort. Zur Erinnerung an ihn wurde die 1924 von der Gemeinde Wien errichtete Wohnhausanlage in der Währinger Kreuzgasse, in der er bis zu seiner Verhaftung wohnte, "Pfannenstielhof" benannt.

Edith Krisch

 


 

Mahnmal für Homo-Opfer

2006 wird Wien ein Mahnmal für homosexuelle Opfer der NS-Herrschaft erhalten. Es wird auf dem Morzinplatz, dem Gelände der ehemaligen Gestapo-Zentrale, errichtet werden. Zuvor wird noch entschieden, welcher der acht künstlerischen Entwürfe realisiert wird, sagte Stadtrat Mailath-Pokorny.